Thursday, 30. June 2016
03.12.2015
 
 

Der Kampf um unser Bargeld hat längst begonnen

Markus Mähler

»Bargeld ist geprägte Freiheit« – doch Geschäftsbanken, Notenbanken, Regierungen und Großkonzerne arbeiten längst am Bargeldverbot. In seinem neuen Buch enthüllt Michael Brückner diese bedrohliche Zukunft: Banken rauben unsere Freiheit und machen uns zu »gläsernen Kontosklaven«. Als »ausgelagerte Filialen von Finanzämtern und Marketingabteilungen« verdienen sie am digitalen Datenhandel. Damit beginnt auch die schleichende Enteignung: Geld einfach abheben, statt Strafzinsen zu zahlen? Geht nicht mehr nach der Bargeldabschaffung.

 

 

Bares macht böse: »Kriminelle sind ja meistens Barzahler«, verteufelt Norbert Walter-Borjans alle Unverbesserlichen, die noch mit Münzen und Geldscheinen bezahlen. Das ist eine brisante Einstellung – denn dieser Mann ist der Finanzminister von Nordrhein-Westfalen. Der »Wirtschaftsweise« Peter Bofinger beschimpft Bargeld sogar als »Anachronismus«, weil es den Zahlungsverkehr erschwert.

 

Geld zum Anfassen ist übrigens auch nicht mehr sexy: Fäkalbakterien, Salmonellen, vor allem Fünf-Euro-Scheine verbreiten 3000 Erregertypen, während sie von Hand zu Hand wandern. Auffällig

viele Medien berichten, dass Geld eben doch stinkt. Es gibt inzwischen eine breite Hass-Kampagne gegen Bargeld, die alle möglichen Ängste bedient. Am erfolgreichsten war die Panikmache bisher in Skandinavien. Schweden gilt inzwischen als das Musterland des bargeldlosen Europas, denn dort ist der Geldumlauf bereits am stärksten digitalisiert.

 

Eine Super-Lobby will das Bargeld abschaffen

 

Bereits seit 2010 sabotiert dort eine Super-Lobby aus Gewerkschaften, Unternehmensverbänden und Behörden die Beziehung der Schweden zu ihrer Krone – mit durchschlagendem Erfolg. Die Bankgewerkschaft schockte das Volk etwa mit dem »Raubometer«: 25 Prozent der Angestellten im Einzelhandel würden Opfer von Raub und Gewalt.

 

»Es ist schlicht inakzeptabel, dass Menschen zur Arbeit gehen und Angst vor Überfällen haben müssen«, erklärte Mikael Sjöberg. Der Generaldirektor von Schwedens Amt für Arbeitsschutz ließ Tausende Geschäfte überprüfen und mit einem Bargeld-Bann belegen. Inzwischen gibt es dort Bustickets nur noch gegen Kreditkarte, beim Bäcker fordert ein Schild zur Kartenzahlung auf, im Dom von Uppsala wurde der Opferstock durch ein Spendenterminal ersetzt. Sogar die Obdachlosenzeitung Situation Stockholm stand vor dem Aus, weil keine Bank mehr die Bareinnahmen aus dem Straßenverkauf annahm. Inzwischen sind die Verkäufer mit Lesegeräten für Karten ausgerüstet worden.

 

Die Deutschen halten nichts von der bargeldlosen Gesellschaft

 

Die Deutschen wollen von dieser bargeldlosen Zukunft bisher wenig wissen. Rund 53 Prozent aller getätigten Umsätze wickelten die Käufer 2014 in bar ab, sagt die Bundesbank. Seit 2011 sinkt dieser Anteil nicht mehr. Man kann also sagen: Die Deutschen zahlen stur weiter mit Scheinen und Münzen. Für ihren Hang zum Greifbaren lassen sie sich gerne von Medien und Eliten als rückständige und kriminelle Schmutzferkel verunglimpfen. Die internationale Hass-Kampagne gegen Bargeld hat sich bei uns festgefahren.

 

Trotzdem steht der »Großangriff« auf unser Bargeld bevor, der uns zu »gläsernen Kontosklaven« machen wird. Das beschreibt Michael Brückner in seinem neuen Buch »Achtung! Bargeldverbot!«. Die Megaoffensive gegen den Bargeldverkehr ist das Ergebnis von drei Entwicklungssträngen, die jetzt zusammenfließen. Sie alle brauchen das Ende von Geldscheinen und Münzen, wenn sie nicht als Sackgasse in die Geschichte eingehen wollen.

 

Die unheilige Allianz gegen unser Bargeld


Erstens: Durch das Internet haben sich Alternativen zur klassischen Bankenbranche gebildet. Brückner nennt sie »FinTechs«, die Finanztechnologen. Diese Nichtbanken bieten andere Bezahlmethoden an, sogenanntes Mobile Payment wie etwa PayPal. Inzwischen werden auch immer mehr Unternehmer-Kredite durch Schwarm-Investments vergeben. Wer die Idee für ein Startup hat, sammelt sein Geld dafür im Netz. Dort fließt es grenzenlos und zu jeder Zeit. Das Monetäre steht bei all diesen Alternativen aber nur scheinbar im Mittelpunkt. In Wahrheit geht es um unsere Daten. Der komplett durchleuchtete Kunde ist wichtiger als sein Erspartes. Und nirgendwo wird die totale Überwachung besser von Haus aus mitgeliefert als bei den digitalen Zahlungsströmen.

 

Zweitens: Geschäfte mit Daten – diesen Zukunftsmarkt will die klassische Finanzbranche auch erobern, damit sie nicht ausrangiert auf dem Friedhof der Fortschrittsverlierer landet. Brückner analysiert dazu: »Die Bank als Daten- und Technikhändler, das mag derzeit noch etwas exotisch klingen, könnte aber bereits in zehn oder 15 Jahren Realität sein.« Dann gehen wir nicht mehr zur Bank, sie verfolgt uns auf Schritt und Tritt. Im Netz ist sie zum »digitalen, ganzheitlichen Finanzlebensplaner« mutiert, der seine »Konto- und Depotsklaven« in einen gläsernen Käfig sperrt. Alles was wir tun, wird in Echtzeit erfasst. Alles, was wir beabsichtigen, berechnen Algorithmen aus den Datenmassen über uns schon im Voraus. Die Banken werden »mehr und mehr zu ausgelagerten Filialen von Finanzämtern und Marketingabteilungen«.

 

Drittens: »Regierungen, Notenbanken und Geschäftsbanken wollen mit Bargeldrestriktionen die Voraussetzungen dafür schaffen, um auch für Privatkunden Negativzinsen durchsetzen zu können.« Diese Einschätzung Brückners teilte auch Andreas Höfert, der gerade verstorbene Chefökonom der UBS: Die Abschaffung des Bargeldes krönt letztendlich den »orwellschen Albtraum der finanziellen Repression«. Ohne reales Geld opfern wir unsere Privatsphäre, liefern uns nackt der absoluten Transparenz aus und geben alle Macht ab, die wir noch haben.

 

Ohne Bargeld liefern wir uns nackt dem Staat aus

 

Ohne Bargeld können sich Sparer gegen keine Form der Enteignung mehr wehren. Genau die droht aber, wenn die galoppierende Verschuldungskrise alle Instrumente besiegt, die gerade wie in einer Not-OP eingesetzt werden. Der drohende Finanzkollaps wird hinter den Kulissen mit einer Geldschwemme, Lohndumping, billiger Energie, einem billigen Euro und letztendlich mit Nullzinsen bekämpft. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) unter Mario Draghi hat ihre Munition bereits verschossen. Der Köcher ist leer, der Leitzins bereits auf der Nulllinie. Geht weniger als nichts? In der Finanzmathematik schon. Mit Negativ- oder Strafzinsen werden alle Sparer bestraft.

 

Bisher würden die Bürger darauf mit einem »Run«, reagieren. Vor dem zittern die Banken: Millionen Sparer stürmen die Geldinstitute und wollen ihr Geld wieder zu Hause horten. Keine Bank weiß dann noch, was wir kaufen, wohin das Geld fließt. Kein Staat könnte die Schattenwirtschaft kontrollieren, die daraus entsteht. Abgesehen davon, dass unsere Finanzbranche diesen »Run« gar nicht erst überleben würde. Niemand hortet genug Bargeld, um alle Guthaben in einer Schuldenwirtschaft auszahlen zu können. Die hat sich längst von der Realität entkoppelt und stolpert von einer Spekulations-Blase in die nächste.

 

Mit den Schuldenbergen wächst auch die Lawine nach dem Finanzkollaps

 

Die Schuldenberge können mit Strafzinsen noch eine Weile weiterwachsen, denn sie treiben die Menschen dazu, ihr Geld sinnlos zu verpulvern. Die Devise lautet: kaufen, kaufen, kaufen. Wer nicht ohnmächtig dabei zuschauen will, wie sein Erspartes schleichend verbrennt, muss es in den Wirtschaftskreislauf pumpen. Damit wird durch Zwang eine Wirtschaft am Leben gehalten, die ohne Wachstum unter der Schuldenlast sofort zusammenbrechen würde. Strafzinsen funktionieren aber erst, wenn die Menschen keinen anderen Ausweg mehr sehen. Bisher haben sie den mit Bargeld.

 

Doch seine Abschaffung könnte nur die Vorstufe zum letzten Mittel im Kampf gegen den Schuldenkollaps sein: die Enteignung der Bürger. Die Möglichkeit dazu wird im Artikel 14 und 16 des Grundgesetzes bereits angedeutet. Überschreitet der Schuldenstand die kritische Menge oder zeichnet sich eine so große Wirtschaftskrise ab, dass Schulden nicht mehr bedienbar sind, können die Staatsschulden über die Enteignung der Sparer gesenkt werden. Das funktioniert umso besser, je mehr Geld greifbar auf den Konten liegt. Bargeld und Edelmetalle entziehen sich diesem Zugriff und sind damit die natürlichen Feinde einer möglichen Enteignung. Wer also für das Bargeld kämpft, kämpft auch um seine eigene Freiheit.

 

Was ist Geld ohne Vertrauen wert?

 

Dass so etwas mehr als nur bloße Gedankenspiele sind, bewies Kenneth Rogoff bereits Ende 2014. Der Harvard-Professor und ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) forderte schon damals das Bargeldverbot: »Die Zentralbanken könnten auf diese Weise leichter Negativzinsen durchsetzen«, sagte Rogoff. »Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken. Seine Beseitigung wäre eine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem.« Letztendlich vernichten Notenbanken, Großbanken, Ökonomen und Regierungen aber damit nur eines: Das Vertrauen der Menschen und ohne das ist Geld nichts wert.

 

Joseph Schumpeter, ein viel größerer Ökonom als Rogoff, warnte die Politik bereits 1908 davor, was sich heute zum unlösbaren Problem ausgewachsen hat: »Der Zustand des Geldwesens eines Volkes ist ein Symptom aller seiner Zustände.«

 

 

 

 

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