Saturday, 28. May 2016
10.02.2016
 
 

Flüchtlinge als Helden: WDR zeigt 90 Minuten lang, wie man es sicher nach Deutschland schafft

Markus Mähler

Der WDR zeigt am Mittwochabend #My Escape – Meine Flucht. Die 90-Minuten-Doku ist eine 100-prozentige Aneinanderreihung abenteuerlicher Video-Schnipsel aus dem Handy. Von Flüchtlingen, für Flüchtlinge. Mit Hollywoodmusik untermalt und mit Gutmenschen-Botschaft: Jetzt leben Helden in unserer Mitte. Das Videomaterial dafür bekamen Journalisten in den Notunterkünften freudig nachgeworfen. Damit wirklich alle sehen können, wie das mit dem libyschen Schleuser läuft, dem Balkan-Transporter oder mit mazedonischen Grenzpolizisten.

 

Auch das wird mit Zwangsgebühren produziert: Flüchtlingsschicksale, Flüchtlingsschicksale und natürlich Flüchtlingsschicksale. Wer sich durch die Dritten der ARD zappt, bekommt ganz schnell eine Überdosis Herzschmerz für Flüchtlinge. Der öffentlich-rechtliche Willkommens-Journalismus läuft rauf und runter im Frühstücksfernsehen, in den Nachrichten, in den politischen Magazinen, in den Talkrunden. Comedy- und Kabarettsendungen giften gegen Bösmenschen, weil sie Flüchtlinge nicht lieben können. Selbst im Tatort werden erzieherische Töne angeschlagen.

 

Und Kochshows? Nein, noch steht sie, die letzte Bastion im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wo Tränendrüsen trocken bleiben dürfen. Zwiebelschneiden ausgenommen. Die abendfüllende Portion Flüchtlings-TV wird dem Zuschauer lieber in Form einer 90-Minuten-Doku reingeschoben.

 

Das extremste Beispiel dafür zeigt der WDR am Mittwochabend: Um 22.55 Uhr läuft die Doku #My Escape – Meine Flucht. Mit Flüchtlingsschicksalen bis zum Abwinken. So nah dran, wie es überhaupt geht. Zu 100 Prozent von Flüchtlingen. Zuschauen dürfen Flüchtlinge und ihre Fans. Ohne störende Nüchternheit, Einordnung oder kritische Nachfragen. Dafür mit Herzschmerz, Gefühlen, Heldengeschichten. Hält das eine dauergereizte Tränendrüse überhaupt noch aus?

 

Was Sie im WDR-Flüchtlings-Film für Flüchtlinge nicht sehen werden

 

Ein Zwei-Minuten-Trailer auf YouTube verspricht das Schlimmste. Sie werden sich unendlich klein fühlen neben den neuen Helden unserer Zeit. Die aus der zerbombten Trümmerwüste aufbrachen, zwischen Bombeneinschlägen, Rauchschwaden und Feuersäulen. Gezeigt wird die gefährliche Odyssee ins gelobte Merkel-Land.

 

Allerdings endet an diesem Punkt die Geschichte. Wie jeder gute Hollywoodfilm, weil der graue Alltag schwierig und ungewiss ist. Keiner weiß, wie das mit den 1,1 Millionen in unseren Notunterkünften endet. Die Demografie-Bombe durch den Familiennachzug droht. Und dann kam ja nicht nur Merkels Syrer-Tross. Über Europas offene Grenzen spazierten auch unzählige Trittbrettfahrer aus Nordafrika und dem Balkan.

 

Um all das geht es in dieser Sendung nicht. Also bitte die Popcorntüte rausholen. Es gibt den neuesten Aufguss vom Dauerkapitel des grenzenlosen Menschenstroms. Zugegeben, so nah dran war der Fernsehzuschauer noch nie.

 

Gezeigt wird epischer Stoff pur: Auge in Auge mit der libyschen Schleuserbande. Später jagt ein anderer Schleuser im türkischen Izmir Dollar-Scheine durch seine Zählmaschine. Danach stehen wir eingepfercht im dunklen Transporter. Wir fahren über die Balkanroute. Wir schwanken auf dem überfüllten Schlauchboot in der griechischen Ägäis.

 

Das epische Flüchtlings-Selfie mit dem Handy

 

Es geht durch die dunklen Gassen serbischer Dörfer, über mazedonische Wiesen mit Tausenden anderen, durch die Fenster eines Zugwaggons. Irgendwo auf dem Balkan filmen wir gerade grinsende Grenzsoldaten. Irgendwann hat der Balkan-Marathon ein Ende und es geht über die Ziellinie. Passau in Bayern. Und jemand ruft im Hintergrund: »Leute, lauft nicht auf der Hauptstraße! Benehmt euch wie die Deutschen!«

 

Es gibt aber nicht nur die Ego-Perspektive. Dazwischen sprechen die angekommenen Flüchtlinge mit den WDR-Journalisten: »Die Bilder sagen alles. Sie sprechen für sich selbst.«

 

Stimmt. All das wirkt wie eine Explosion der Gefühle. Ein ungebremster Zug der Emotionen überrollt den Zuschauer. Chaos und absolute Entgrenzung haben in der Doku das Programm gekapert. Was am Ende bleibt, ist die Dauerbotschaft: Bewundert sie, bewundert sie, bewundert sie!

 

Flüchtlings-TV: Was zählt, ist der »große erzählerische Bogen«

 

Die WDR-Redakteurin Jutta Krug erklärt, wie so etwas funktioniert: »Wir sind in Flüchtlingsheime gegangen und haben die Menschen dort gefragt, ob sie Videomaterial zu ihrer Flucht haben. […] Die Flüchtlinge waren sofort dabei und zeigten uns ihre Handyfilme.«

 

Im Schneideraum stapelten sich Ende Dezember dann Unmengen unscharfer Bilder und verwackelter Videos von Syrern, Eritreern und Afghanen. »Das Problem war eher, eine Dramaturgie hinzukriegen«, sagt Krug. Die WDR-Doku beschränkt sich auf die unkritische Helden-Perspektive. Schicksale werden mit »großem erzählerischem Bogen« erzählt.

 

Gehört so etwas aber nicht nach Hollywood? Dieser öffentlich-rechtliche Heldenfilm ist in seiner grenzenlosen Anbiederung eine Liebeserklärung an Flüchtlinge. Er ist einseitig. Er inszeniert, statt kritisch zu hinterfragen. Die ganze Flüchtlingswelt besteht bloß noch aus Video-Schnipseln.

 

Die Kamera zeigt das Geschehen nicht von oben, sie geht so nah ran, bis bloß der Flüchtling übrig bleibt. Moment: Es gab ja nicht einmal eine Kamera und auch keine anwesenden Journalisten. Gefilmt haben sich die Flüchtlinge gleich selbst! Sie zeigen uns bloß Ausschnitte, die wir sehen sollen. Hinter den persönlichen Schicksalen und den Handys gibt es keinen Horizont mehr.

 

#My Escape – Meine Flucht – die grenzenlose Nähe unserer Journalisten

 

Das ist gefährliche Propaganda, weil an keiner Stelle die Fragen der deutschen Zuschauer beantwortet werden. Gibt es ein alternativloses Naturrecht, mit dem jedes Bürgerkriegsopfer nach Deutschland fliehen darf? Warum lastet sich unser Land diese Last praktisch allein auf? Was ist mit der nächsten Krise? Die Zahl gescheiterter Staaten wächst, viele würden dort mit Kusshand auch ins Merkel-Paradies reisen. Was ändert die neue Flüchtlings-Weltmacht Deutschland, indem sie Menschen verschiebt und Konflikte importiert?

 

An all diese Fragen wagt sich der Film nicht heran. Er ordnet seine gezeigten Bilder nicht ein. Sie erzeugen bloß Betroffenheit. Niemand wahrt noch Distanz. Dafür sind Journalisten eigentlich da, doch sie haben sich in #My Escape – Meine Flucht freiwillig in Fans verwandelt. Dieser unsägliche Titel der Doku taugt bereits als Diagnose für den gesamten deutschen Willkommens-Journalismus: Mein neuer Freund, der Flüchtling. »Mein« sollte im Journalismus aber nicht »Ihr« ersetzen, wenn er nicht als Betroffenheits-Schleuder enden will.

 

Es gab einmal das Credo der Tagesthemen-Legende Hanns Joachim Friedrichs: »Ein guter Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten.« Stattdessen reißt der deutsche Willkommens-Journalismus wirklich alle Mauern ein und unter den Trümmern liegt die Sachlichkeit begraben.

 

Immerhin wird das jetzt beim WDR in schöne Bilder verpackt. Die Sendung, in der Flüchtlinge flüchten und dabei zeigen, wie es sicher nach Deutschland geht. Die Botschaft dahinter ist einfach: Wer kommt, den fragt man in Merkel-Land nicht einmal, ob das richtig war.

 

 

 

 

 

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