Samstag, 22. Juli 2017
22.03.2016
 
 

Nachtbürgermeister: Berlin kopiert jetzt Amsterdam, wo das Geld im Dunkeln fließt

Markus Mähler

Amsterdam gilt als Europas legalste Drogenmetropole. Das große Geld wird dort nachts gemacht: wenn 5,2 Millionen Touristen in Clubs, Bordelle, Drogenhöllen und Spaßtempel abtauchen. Dort gibt es einen eigenen Bürgermeister nur für die Nachtschicht, und der lässt jetzt 24 Stunden am Tag durchfeiern. Hollands Exzess könnte zum Exportschlager werden: Berlin und London wollen den »Nachtburgemeester« kopieren. Im April findet dazu der erste Gipfel statt.

 

Die lichtscheuen Menschen von Amsterdam haben sich ihren eigenen Bürgermeister gewählt: Mirik Milan. Als Partypromoter lockt er seit Jahren Hunderttausende in die 1500 Bars und Clubs der Stadt. Seine Eventagentur inszeniert große Szeneparaden und Veranstaltungen. Alle kennen Mirik Milan. Deshalb wählte das Partyvolk zusammen mit Club- und Barbesitzern Milan 2014 zum Nachtbürgermeister. Ganz zeitgemäß in einer Onlineumfrage. Und es ist bereits seine zweite Amtszeit.

Das ist kein biergeschwängerter Thekenwitz, so sieht niederländische Party-Demokratie aus. Zwischen den vielen Grachten und Brücken blüht das Leben erst auf, wenn im Rathaus schon lange das Licht aus ist.

 

Nachts darf Mirik Milan über die öffentliche Party-Ordnung wachen und wird dafür auch noch vom Stadtrat und der Handelskammer finanziert.

 

Nonstop Party zwischen Bierdosen, Frietjes, Fast Food und Marihuana

 

Seine Nachtschicht als Bürgermeister beginnt um Mitternacht. Das war selbst in Amsterdam vor langer Zeit einmal die Geisterstunde. Jetzt wird dort nach zwölf das große Geschäft gemacht. Nonstop-Durchfeiern zwischen Bierdosen, Frietjes, Fast Food und dem Geruch von Marihuana. Auf der Club-Terrasse im achten Stock des Volkshotels südlich der Altstadt trinkt Milan Gin Tonic, während die Wände im Takt des Elektrobeats beben.

 

Vor fünf Uhr morgens wird er nicht ins Bett kommen. Er patrouilliert mit seinem Dienstwagen und ist auf Kontrollvisite durch die Clubs und Bars. Die Besuche des Nachtbürgermeisters verlaufen immer gleich: Küsschen links, Küsschen rechts, dann hört er sich die Sorgen seiner Clubbesitzer an; vermittelt und schlichtet. Etwa so, wie man es aus dem Film Der Pate kennt.

 

Die »Nachtökonomie« als neuer Wachstumsturbo

 

Erste Regel: Das Volk soll sich amüsieren. Der 35-jährige Milan sorgt dafür. Denn wo das Partyleben ungestört blüht, florieren auch gekaufter Sex, Glücksspiel, Koks und andere Drogen. Das sagt man aber nicht offen – nicht einmal in Amsterdam.

 

Trotzdem wird die »Nachtökonomie« inzwischen als großer Wachstumsmarkt in Europa gesehen und sogar wissenschaftlich untersucht. Seit dem September 2014 wird sie zum Bundesinlandsprodukt (BIP) gezählt.

 

Das heißt: Sex, Drogen und Waffen rechnen jetzt Europas hochverschuldete Volkswirtschaften schön. Ganz offiziell nach dem »Europäischen System der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung«.

 

Die Bundesregierung fördert das Forschungsprojekt »StadtNachAcht – Management der urbanen Nachtökonomie«. Wissenschaftler wie Jakob F. Schmid untersuchten Deutschlands Party-Hotspots: Berlin und St. Pauli.

 

Er fand heraus, dass Amsterdam Europas Mekka der »Nachtökonomie« ist und wir Deutschen einiges von Mirik Milan lernen können: »Die Thematik mit diesem Nachtbürgermeister ist für uns ein sehr interessantes Beispiel.« Er würde unseren Städten auch guttun, so der Forscher.

 

Die formale Beschreibung dieses Amts sieht so aus: »Er sorgt dafür, dass das Nachtleben floriert, junge Leute in die Stadt gelockt werden. Gleichzeitig vermittelt er bei auftretenden Problemen zwischen den Akteuren: Clubbesitzern, Veranstaltern, Besuchern, der Politik und Verwaltung sowie den Bürgern, die sich gestört fühlen.«

 

In Amsterdam ist das Nachtleben besonders einträglich

 

In Wahrheit ist ein Nachtbürgermeister wie Milan aber vor allem der politische Lautsprecher einer immer mächtiger werdenden »Nachtökonomie« in Amsterdam. Die demonstrierte schon 2003 ihre Macht. Zahlreiche Clubs veranstalteten Poledance-Partys, obwohl sie verboten waren, weil zu viele Tänzerinnen im Akkord an der Stange rutschen mussten. Die Polizei war machtlos dagegen, der Stadtrat kapitulierte und die »Nachtökonomie« merkte, dass sie endlich auch offiziellen Einfluss auf die Politik braucht. Allein die niederländische »Tanz-Industrie« mit ihrem Mekka Amsterdam erwirtschaftet pro Jahr etwa 600 Millionen Euro.

 

Hinter dem Nachtbürgermeister Milan stehen Partypromoter, DJs, Booker, Clubbesitzer und wohl auch die Schattenwirtschaft in der Grachtenstadt. Politisch kämpft Milan für die offene Onlinewahl. Eine »election night«, die wie eine Wahlparty in der Nacht veranstaltet wird: »Die Leute müssen für dich jubeln, sie müssen schreien.« Der Nachtbürgermeister will die Sperrstunde abschaffen und Amsterdam zum »Chinatown der 24-Stunden-Lizenzen« machen. Die Clubs können öffnen oder schließen, wann es den Besitzern passt.

 

Politisches Programm: Nonstop durchfeiern

 

Das führt zur Nonstop-Feierkultur. Nach der Party ist vor der nächsten Party. »Wir geben den Menschen, was sie wirklich wollen«, sagt Milan. Es gibt bereits zehn 24-Stunden-Pilotprojekte in Amsterdam. Eines davon heißt »De School«. Am Tag ist es Café, Restaurant, Fitnessstudio und Kunstgalerie. In der Nacht eben Konzerthalle und Nachtclub. Geschlossen wird nie.

 

Die anderen Feier-Hauptstädte Europas schauen bereits neugierig auf Hollands System der Dauerparty. Besonders London, wo die britische Boulevardpresse Bürgermeister Boris Johnson als exzentrischen Partygänger feiert. In der Stadt wurde die Sperrstunde abgeschafft. Johnson fordert neben dem Nachtbürgermeister sogar eine »Nachtleben-Kommission« für die Stadt. Mit politischer Hilfe soll Londons Rolle als »night-time-champion« Europas verteidigt werden, schreibt der britische Guardian. Den ökonomischen Wert dieses Wirtschaftszweigs hat man sich auf der Insel auch schon ausgerechnet: 66 Milliarden Pfund pro Jahr.

 

In Berlin fordern die Grünen seit 2015 den Nachtbürgermeister für die feierwütige Hauptstadt. Offiziell soll er nur verärgerte Anwohner ruhigstellen, die nicht mehr schlafen können, seit Durchfeierer und lautstarke Clubs keine Pause mehr kennen. Doch Amsterdam zeigt das politische Potenzial eines Nachtbürgermeisters für die »Nachtökonomie«.

 

Im April feiert die niederländische Hauptstadt deshalb den ersten Gipfel der »Nachtburgemeester«. Es kommen die Nachtbürgermeister von Paris, Toulouse, Zürich und vielen niederländischen Städten. Angekündigt haben sich auch Gäste aus London und Berlin.

 

 

 

 

 

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