Tuesday, 31. May 2016
13.11.2015
 
 

Schweigen über Flüchtlinge: Wie der Spiegel die Sorgen der Bürger kaserniert

Markus Mähler

Spiegel Online schreibt »besorgte Bürger« als hirnverbrannte Unmenschen ab. Die Leser springen deshalb ab. Focus Online nimmt Ängste im Flüchtlingschaos ernst. Und siehe da: Die Leser kommen. Diese Massenwanderung will Stefan Niggemeier stoppen. Das selbsternannte deutsche Medien-Gewissen hetzt gegen Focus Online, wo man »dreckige Likes aus der rechten Ecke« abgreift und »Stoff für Fremdenfeinde« liefert. So sieht jetzt unsere Meinungsfreiheit aus.

 

Stefan Niggemeier ignoriert, was der Spiegel im Fahrwasser der Flüchtlingskrise treibt. Dabei könnte Deutschlands einflussreichster Medienkritiker gerade bei seinem alten Arbeitgeber Skandalöses im Überfluss finden. Was Niggemeier übersieht: Der Spiegel knebelt seine Leser, immer wieder aufs Neue, bis endlich Ruhe in den Hütten herrscht.

 

Die »besorgten Bürger« werden dort schon in Anführungszeichen eingesperrt – das ist nicht nur ein orthografisches Gefängnis, das Leitmedium betreibt schon Hetze gegen die Besorgten:

 

Wir nehmen euch nicht ernst! Ihr »Dunkeldeutschen« könnt ohnehin nicht denken und wenn ihr es doch probiert, kommt nur gefährlicher Unsinn dabei heraus. In der Flüchtlingskrise geht es zwar um eure Zukunft – aber es ist besser, wenn wir euch aufs Abstellgleis schieben.

 

Auch der Spiegel sät den Hass …

 

Diese Schiene fährt Spiegel Online im Dauerbetrieb. Gerade wieder deutlich zu sehen im Kommentar »Flüchtlinge: Was ›besorgte Bürger‹ sagen wollen«. Der Autor Hasnain Kazim bezweckt damit nur eines: Er baut die Mauern in den Köpfen höher und ghettoisiert alle, die den Leitmedien und der ausgerufenen Jubelstimmung nicht folgen.

 

Der Autor montiert geschickt widersprüchliche Aussagen der »besorgten Bürger« aneinander und stellt sie damit als hirnverbrannte Unmenschen bloß, die einfach nur egoistisch und böse sind. So einfach geht das – bitte draufhauen. Nebenbei wird die Meinungsfreiheit niedergeprügelt, indem man Menschen zum Schweigen bringt.

 

Warum antwortet Spiegel Online aber nicht auf die Fragen der Bürger und baut damit Ängste ab? Weil alle klugen Journalisten damit überfordert sind. Sie wissen selbst nicht, was die Flüchtlingskrise bringt. Genauso wenig wie der Politikbetrieb, der Menschen mental knebelt, mit Durchhalteparolen eindeckt und ansonsten politische Hetz-Kanonaden gegen »Pack« und »Dunkeldeutsche« abfeuert. Eine Sache ist wegen der Flüchtlinge bereits jetzt schon kaputt gegangen: die Vernunft.

 

und die Leser wandern ab

 

Die Rechnung dafür kommt. Immer mehr Menschen wenden sich ab. Spiegel Online hat gerade wieder eine Million Stammleser im Netz verloren, das zeigen die neuen AGOF-Zahlen. Focus Online ist dafür auf der Überholspur und inzwischen die erfolgreichste deutsche Medienmarke, noch vor Bild.de, Welt.de und eben Spiegel Online. Kein anderes Medium bekommt im Netz mehr Likes und Shares.

 

Woran könnte das wohl liegen? Ein Blick auf das Social-Media-Ranking 1000flies.de verrät es: Allein wegen der Flüchtlingskrise wandern immer mehr Leser zu Focus Online ab. 18 von 20 der erfolgreichsten Artikel im Oktober thematisierten die Ängste der Menschen und nicht Merkels »Wir schaffen das!« – und wenn doch, dann mit der gebotenen Kritik. Kopp Online verzeichnet übrigens genau denselben Wanderungseffekt, doch dieser Erfolg wird im Medien-Mainstream totgeschwiegen.

 

»Stoff für Fremdenfeinde«

 

Anders bei Focus Online, die gehören zur Herde. Deshalb wetzt jetzt auch Stefan Niggemeier die Messer gegen das schwarze Schaf, das sich zu weit von der Herde entfernt.

 

Der Medienkritiker stellt Burdas Erfolgsmarke an den gleichen Pranger, an dem schon »Pack« und »Dunkeldeutsche« stehen. Frei nach dem Medien-Motto: Die Freunde unserer selbsternannten Feinde sind eben auch Feinde.

 

Niggemeier behauptet, dass Focus Online »Stoff für Fremdenfeinde« verteilt, Burda-Redakteure ganz gezielt »dreckige Likes aus der rechten Ecke« abgreifen und selbst flüchtlingsfreundliche Fakten in eine »PEGIDA-Fan-taugliche Form« umdichten.

 

Schönwetterprognosen mitten im Sturm


Auf das Wortgeklingel muss man jetzt nicht eingehen, auf seine Masche schon. Niggemeier tut, was er immer macht: Er findet eine Schwachstelle und schreibt damit alles andere runter. In diesem Fall waren es getrennte Schwimmzeiten, damit Muslime nicht mit Christen baden müssen.

 

Den Vorschlag hat die Stadt Duisburg zwar längst abgelehnt, der Artikel war aber auf Focus Online ein Renner. Genau wie übrigens viele ähnliche Artikel auf Kopp Online.

 

Das wollen die Menschen lesen, weil sie mittlerweile die ziemliche Gewissheit haben, dass sich in ihrer Zukunft vieles verändern wird – nicht unbedingt zum Besseren. Sie suchen dafür Indizien und bekommen vom Politikbetrieb nur Schönwetterprognosen geliefert, die dann Leitmedien wie der Spiegel wiederkäuen.

 

Wie viel Vernunft passt noch durch den Meinungskorridor?

 

Merkels Willkommen ohne »Obergrenze« hat Deutschland in eine Sackgasse manövriert, die sich nur noch so zusammenfassen lässt: Immer mehr Menschen im Land wollen nicht mehr, werden aber in Meinungshaft genommen und gegen ihren Willen weitergezogen.

 

Wenn jetzt selbst Deutschlands professionellster Medienkritiker blind wird für das, was wirklich schiefläuft, dann ist das nicht nur eine persönliche Niederlage für Niggemeier. Er kann ruhig mitschwimmen in der großen Kampagne gegen die »besorgten Bürger«, obwohl sich selbst gestandene Journalisten dort schon für ihre »Gesinnungschreiberei« schämen.

 

Die Frage ist nur: Wie soll eigentlich die Meinungsfreiheit in Deutschland jemals wieder zum gesunden Maß zurückfinden? Inzwischen wird sie ja nur noch »Meinungskorridor« genannt. Und der wurde laut Handelsblatt-Chef Gabor Steingart auf »Schießschartengröße« verengt.

 

 

 

 

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