»Mayday«: Banken am Abgrund – jetzt rechtzeitig Ersparnisse sichern
Michael Brückner
Lange Menschenschlangen vor den Bankfilialen in Lettland, hastig auf die Monitore vieler Geldautomaten in Griechenland geklebte Zettel mit dem Hinweis »Out of Order«, Horror-Verluste der größten italienischen Bank, britische Finanzaufseher, die ihre Institute auf das Ende des Euro vorbereiten und eine Bundeskanzlerin, die deutschen Sparern einmal mehr die Einlagen auf ihren Konten garantiert: Die Euro- und Schuldenkrise spitzt sich beinahe im Stundentakt weiter zu.
So dramatisch ist inzwischen die Lage, dass der Crash eigentlich mit jedem Tag eintreten kann. »Wir fahren nur auf Sicht – und hoffen, uns über die Weihnachtsfeiertage retten zu können«, sagte dieser Tage ein erfahrener Frankfurter Banker hinter vorgehaltener Hand. Er geht im Frühjahr in den Ruhestand und gibt offen zu: »Eine so schwierige Situation habe ich in meinen über 40 Berufsjahren noch nicht erlebt«.
Die meisten Menschen in den südeuropäischen Pleitestaaten ahnen, dass der Crash unmittelbar bevorsteht, und ziehen ihr Geld ab. Nach Angaben der griechischen Zentralbank sind die Einlagen der Geschäftsbanken seit Ende 2009 von 237,5 auf aktuell weit unter 180 Milliarden Euro gesunken. Dieser Summe stehen ausgereichte Kredite von 253 Milliarden Euro gegenüber. Auf dem Interbankenmarkt bekommen griechische Geldinstitute wegen ihrer miserablen Ratings keinen Euro mehr. Unter normalen Umständen hätten die meisten griechischen Banken längst Insolvenz anmelden müssen.
Auch portugiesische, spanische und italienische Banken verzeichnen hohe Abflüsse. Allein im vergangenen Jahr war das Kapital spanischer Geldinstitute nach Angaben der Zentralbank in Madrid um rund 48 Milliarden Euro gesunken. In den zurückliegenden Wochen dürfte sich die Situation weiter verschärft haben.
Der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho bettelte derweil in Angola um Geld. Die Afrikaner sollen mithilfe ihrer sprudelnden Einnahmen aus der Ölförderung die einstige Kolonialmacht vor der Pleite retten. Schon heute besitzt Angola große Anteile an den portugiesischen Banken Millenium BCP und Banco BPI.
Bislang galten die italienischen Kreditinstitute als vergleichsweise solide. Jedenfalls kamen sie relativ glimpflich durch die Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009. Dafür erwischte es jetzt die Unicredit besonders dramatisch. Im dritten Quartal des laufenden Jahres fuhr die größte italienische
Bank einen Verlust von sage und schreibe zehn Milliarden Euro ein. Auslöser war der hohe Abschreibungsbedarf auf Engagements in Osteuropa. Die in eine gefährliche Schieflage geratene belgisch-französische Dexia-Bank musste bisher 90 Milliarden Euro an Staatsgarantien in Anspruch nehmen, um der Pleite zu entkommen. Dem Vernehmen nach hat das Institut Notkredite der Notenbanken von Belgien, Frankreich, Spanien und Italien bekommen.
Und während die britische Finanzaufsichtsbehörde FSA die Banken des Landes auf ein mögliches Ende des Euro vorbereitete, wiederholte Bundeskanzlerin Merkel in der Leipziger Volkszeitung ihre Einlagengarantie vom 5. Oktober 2008. Damals hatte die Kanzlerin erklärt: »Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein.« Wie an dieser Stelle schon früher berichtet, war die vermeintliche Garantie ein einziger Bluff. Denn wenige Tage später ließ das Bundesfinanzministerium verlauten, die Erklärung der Kanzlerin sei keine rechtsverbindliche und damit selbstständig einklagbare Garantieerklärung (Quelle: Plenarprotokoll des Deutschen Bundestags Seite 19.412, 182. Sitzung, Mittwoch 15. Oktober 2008).
Verständlich also, dass immer mehr Menschen um ihr Erspartes bangen. In der aktuell äußerst angespannten Lage sollten Bankkunden sieben goldene Regeln befolgen:
- Auf eine ausreichende Einlagensicherung achten. EU-weit (also auch in Deutschland und Österreich) sind Bankguthaben bis 100.000 Euro zu 100 Prozent geschützt. Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken garantieren die Einlagen sogar unbegrenzt. Vorsicht bei Niederlassungen ausländischer Banken, vor allem, wenn die Muttergesellschaft ihren Sitz außerhalb der EU hat. Dann nämlich gilt die Einlagensicherung des Sitzlandes.
- Nicht auf Lockvogelangebote hereinfallen. Vor allem die Banken der Pleitestaaten buhlen aktuell mit hohen Zinsen um frische Einlagen ihrer Kunden, weil sie am Interbankenmarkt kein Geld mehr bekommen. Die Risiken sind für den Sparer in diesem Fall extrem hoch und stehen in keinem angemessenen Verhältnis zu den etwas höheren Zinsen.
- Geld nur kurzfristig anlegen, am besten täglich verfügbar (Tagesgeldkonten).
- Ausreichende Cash-Reserven für Notfälle bilden und hierfür gegebenenfalls einen sicheren Tresor anschaffen. Einen Teil dieser Reserven sollte man in Schweizer Franken und Norwegischen Kronen halten.
- Überschüssige Liquidität nutzen, um Schulden zu tilgen.
- Vorübergehende Preisrückgänge bei Gold und Silber nutzen, um die Edelmetallbestände aufzustocken (Barren und Münzen).
- Die Wirtschaftsnachrichten noch intensiver verfolgen, und zwar nicht nur in den Mainstreammedien, sondern zum Beispiel auf dieser Seite.
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