Donnerstag, 27. April 2017
28.01.2016
 
 

Bombengeschäfte im Netzwerk des Todes

Michael Brückner

Es klingt zynisch, entspricht aber der bitteren Realität: Deutschland exportiert Waffen und importiert Flüchtlinge. Eine brisante Neuerscheinung enthüllt die wahre Macht der deutschen Waffenindustrie – ebenso wie ihre Verflechtungen mit den Behörden. Das spannende Sachbuch liefert hierfür bislang unter Verschluss gehaltene Beweise.

 

Kolumbien ist eine Destination für unerschrockene Abenteuerreisende. Die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts jedenfalls lesen sich wie eine Gruselstory aus dem wirklichen Leben. Die Kriminalitätsrate und die allgemeine Gewaltbereitschaft seien in diesem rund 48 Millionen Einwohner zählenden Land im Norden Südamerikas hoch, warnen die Diplomaten. Tagsüber sollten Reisende mit Taschendiebstählen rechnen, nach Einbruch der Dämmerung komme es vermehrt zu Überfällen »unter Androhung von Gewalt«.

Und das sogar mitten in der Hauptstadt Bogotá. Wer all seinen Mut zusammennimmt und abends ein Restaurant aufsucht, sollte seine Speisen und Getränke »nicht unbeaufsichtigt lassen«, rät das Auswärtige Amt. Ansonsten könne es passieren, dass eine lichtscheue Gestalt K.-o.-Tropfen wie Scopolamin ins Glas oder auf den Teller des Gastes träufele.

 

Wer in einem gefährlichen Viertel von Bogotá mit schreckgeweiteten Augen in den Lauf der Pistole eines zu allem entschlossenen Räubers blickt, ahnt wohl kaum, dass er gerade mit einer Waffe bedroht wird, in der sehr viel deutsches Know-how steckt. »Wir haben dank Deutschland eine eigenständige Kleinwaffenindustrie. Das ist sehr gut für uns und den Export«, weiß der kolumbianische Militärhistoriker Colonel Carlos Ardila.

 

Und in der Tat: Die staatliche kolumbianische Waffen- und Munitionsfabrik Fagecor in der Nähe der Hauptstadt wurde von der deutschen Firma Fritz Werner erbaut. Dies gehört offenbar zu den »Kernkompetenzen« des Waffen- und Maschinenunternehmens im hessischen Geisenheim, mitten im beschaulichen Rheingau, von wo aus ansonsten vor allem edle Weine ihre Reise ins Ausland antreten.

 

»Unter Federführung der Firma Fritz Werner entstanden weltweit Produktionsstätten für Waffen und Munition ...« Die Firma habe »eine lange und unrühmliche Tradition in der Kooperation mit sogenannten Schurkenstaaten«, schreiben die Autoren Jürgen Grässlin, Daniel Harrich und Danuta Harrich-Zandberg in ihrem vor Kurzem erschienenen Enthüllungsbuch Netzwerk des Todes.

 

Es sind nicht die Zahlen an sich, die dieses fast 400 Seiten umfassende Werk so brisant machen. Denn dass Deutschland zu den führenden Exporteuren von Rüstungsgütern zählt, ist bekannt. Im ersten Halbjahr 2015 etwa genehmigte die Regierung Rüstungsausfuhren im Wert von etwa 3,5 Milliarden Euro, das entsprach etwa dem Volumen des gesamten Jahres 2014.

 

Wertmäßig fast die Hälfte der Rüstungsexporte ging an Drittländer, die weder der EU noch der NATO angehörten, heißt es im Rüstungsexportbericht der Bundesregierung. Auch Syrien und der Irak bekamen Rüstungsgüter aus Deutschland, allerdings »nur harmlose«, wie es hieß. Unglaublich, aber wahr: Deutschland exportiert Waffen und importiert Flüchtlinge.

 

Nein, das Autorentrio beschränkt sich nicht nur darauf, Statistiken und amtliche Verlautbarungen aneinanderzureihen. Jürgen Grässlin, Daniel Harrich und Danuta Harrich-Zandberg folgen vielmehr dem Weg der Waffen in die Krisenregionen dieser Welt. Wie gelangen etwa die gefürchteten Kleinwaffen aus Deutschland in die Hände von korrupten Regierungsschurken, menschenverachtenden Paramilitärs und rivalisierenden Bürgerkriegsparteien?

 

Wie ist es möglich, dass auf der einen Seite deutsche Bürger lückenlos bis ins letzte Steuerdetail überwacht und auf der anderen Seite deutsche Waffen an verbrecherische Regimes und Gangsterbanden rund um die Welt geliefert werden? Die Antwort der Autoren ist einfach, aber vermutlich gerade deshalb haarsträubend: Die deutsche Waffenindustrie und die Behörden unterhielten »kriminelle Verflechtungen«, heißt es schon im Untertitel dieses Buches, das sich liest wie ein spannender Thriller.

 

Es sind nicht so sehr Panzer, Kampfflugzeuge oder Kriegsschiffe, die gefragt sind. Damit können Paramilitärs und Terroristen naturgemäß wenig anfangen. Tatsächlich boomt seit Jahren das Geschäft mit Kleinwaffen, also zum Beispiel Maschinengewehren, Maschinenpistolen, Karabinern und Pistolen. Im Jahr 2012 exportierte Deutschland rund 67 000 solcher Kleinwaffen.

 

Sie genießen einen sehr guten Ruf und eignen sich in besonderer Weise für Straßenkämpfe und Guerillakriege, die Beweglichkeit und leichte Waffen erfordern. Die Autoren zitieren das Internationale Zentrum für Konversion (BICC), wonach in den vergangenen Jahren 90 Prozent aller Kriegsopfer durch Kleinwaffen starben. Deutschland sei die Nummer zwei unter den europäischen Kleinwaffenherstellern und habe es weltweit unter die Top Five geschafft.

 

Zu den führenden Herstellern gehört Heckler & Koch im beschaulichen Oberndorf am Neckar. »Bekennender Fürsprecher des Unternehmens ist seit vielen Jahren Volker Kauder, in dessen Wahlkreis die Firma ihren Sitz hat«, schreiben die Autoren. Kauder – getreuer Paladin der Flüchtlingskanzlerin und Fürsprecher der Waffenindustrie? Neben Heckler & Koch nennen die Autoren die Unternehmen Sig Sauer und Carl Walther als führende deutsche Kleinwaffenhersteller. Auch sie gerieten in der Vergangenheit unter Verdacht.

 

Wie gelangen nun aber deutsche Kleinwaffen in Bürgerkriegsregionen und andere Konfliktstaaten, von denen es heißt, sie würden niemals mit deutschen Waffen oder Munition beliefert? In ihrem Buch zitieren die Autoren den Kleinwaffenexperten Roman Deckert mit der Äußerung, dass man »statt Waffen und Munition gleich ganze Waffen- und Munitionsfabriken liefert«. Deckert bezeichnet diese Strategie als Schlupfloch.

 

Über die höchst umstrittene Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar wurde schon viel geschrieben. Jürgen Grässlin, Daniel Harrich und Danuta Harrich-Zandberg fügen noch eine bemerkenswerte Facette hinzu.

 

Im Jahr 2013 habe die Bundesregierung Waffenausfuhren im Volumen von über 673 Millionen Euro nach Katar genehmigt, darunter nicht nur Kleinwaffen, sondern gepanzerte Fahrzeuge, Teile für Panzer und Panzerhaubitzen sowie elektronische Ausrüstung.

 

Als Sigmar Gabriel, Vizekanzler und Wirtschaftsminister, sein neues Amt in der großen Koalition antrat, kündigte er noch großspurig an, er wolle die Rüstungsexportpolitik restriktiver gestalten. Was davon zu halten ist, weiß jeder, der dieses spannende und faktenreiche Buch gelesen hat.

 

Unlängst folgte Gabriels Ankündigung 2.0: Deutschland soll nun ein Rüstungsexportgesetz bekommen. Hintergrund sind offenbar die Massenhinrichtungen in Saudi-Arabien – einem Land, dem Deutschland im vergangenen Jahr die Einfuhr von Rüstungsgütern »made in Germany« in Höhe von rund 268 Millionen Euro genehmigte. Allzu eilig hat man es mit der Umsetzung dieser neuen Ankündigung offenkundig nicht. Nun soll erst einmal eine Expertenkommission beraten.

 

J. Grässlin, D. Harrich, D. Harrich-Zandberg: Netzwerk des Todes. Die kriminellen Verflechtungen von Industrie und Behörden, München 2015, 384 Seiten, Paperback, 16,99 Euro

 

 

 

 

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