Tuesday, 26. July 2016
13.07.2014
 
 

Bundesbank-Gold: Placebos für die Deutschen

Michael Brückner

Mit einer sonderbaren PR-Aktion und beschwichtigenden Kommentaren versucht die Bundesbank mitten in der deutsch-amerikanischen Vertrauenskrise, die Bürger zu beruhigen: Das deutsche Gold sei in den USA gut aufgehoben, lautet die Botschaft. Deshalb würden auch die meisten Barren in New York bleiben. Doch viele Ungereimtheiten lassen an den offiziellen Verlautbarungen zweifeln.

 

Man stelle sich vor, ein Unternehmer legte seinem Banker als Bonitätsnachweis triumphierend einen frischen 50-Euro-Schein auf den Schreibtisch. »Der ist wirklich echt. Sie können ihn ruhig mal anfassen. Ich habe noch viel mehr davon, in einem Tresor im Ausland hinter den sieben Bergen. Die Hälfte meiner Reserven habe ich dort gebunkert«.

 

Der sichtlich irritierte Bankmitarbeiter fragt nach Belegen, aus denen die Höhe dieser Einlagen hervorgehe. Belege habe er zwar nicht, wohl aber vollstes Vertrauen in die Banker hinter den sieben Bergen, entgegnet der Unternehmer. Er sei auch schon mal vor Ort gewesen und habe gesehen, dass dort große Mengen an 50-Euro-Banknoten gelagert würden. Eine davon habe er mal mitgebracht. Bis zum Jahr 2020 sollten noch ein paar folgen.

 

Eine Geschichte wie aus dem Logbuch des Narrenschiffs? Sicher, aber ganz ähnlich verlief dieser Tage eine PR-Aktion der Deutschen Bundesbank. Die Frankfurter präsentierten der Öffentlichkeit einen 12,5 Kilogramm schweren Goldbarren mit einem aktuellen Wert von rund 400.000 Euro. Der Schatz lag in einer Sicherheitsvitrine, dennoch konnte er von den Besuchern berührt und hochgehoben werden. Dieser Barren sei erst vor kurzem aus New York eingetroffen, versicherten die Bundesbanker.

 

Die Botschaft war klar: Die in den USA gelagerten deutschen Goldreserven sind allen Unkenrufen zum Trotz noch vorhanden. Den Beweis sollte ein einziger Barren liefern, von dem die Besucher nicht einmal sicher sein konnten, dass er überhaupt aus den Tresoren der US-Notenbank Fed stammt.

 

Flankiert wurde diese alberne Aktion von zahlreichen beruhigenden Botschaften. »Die Amerikaner passen auf unser Gold gut auf«, versicherte etwa der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Bärthle, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Sein Parteifreund Philipp Mißfelder sieht das offenkundig anders. Er forderte schon vor einiger Zeit, das in den USA gelagerte Gold nach Deutschland zurückzuholen.

 

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele betont: »Wir haben keine Zweifel an der Integrität der Federal Reserve Bank of New York. Unser Gold liegt dort sicher verwahrt«. Woher weiß er das? War er vor Ort und hat mit Bundesbank-Prüfern die Barren einzeln nachgezählt? Natürlich nicht. Ihm wurden Goldbarren gezeigt. Wem diese gehören, ist unklar. Und die Registrationsnummern auf der Stirnseite sind nicht sichtbar. Man müsste hierzu die Barren anders stapeln.

 

»Bei dem bisher nach Deutschland verlagerten Gold war alles so, wie es sein sollte«, sagte Thiele jetzt, um der weitverbreiteten Skepsis gegenüber den USA entgegenzuwirken. Doch im vergangenen Jahr kamen gerade einmal fünf Tonnen Gold aus New York. Fünf von rund 1.536 Tonnen, die dort lagern. Insgesamt verwahrt die Fed circa 45 Prozent der gesamten deutschen Goldbestände.

 

Die Lagerstätte Paris soll aufgelöst werden, an London will die Bundesbank allerdings festhalten. Für die Verwahrung der deutschen Goldbarren berechnet die Bank of England übrigens jährlich rund 550.000 Euro.

 

In diesem Jahr sollen angeblich 30 bis 50 Tonnen Gold aus New York und 50 Tonnen aus Paris nach Frankfurt gebracht werden. Wenn überhaupt, dann dürften die Amerikaner bestenfalls 30 Tonnen nach Deutschland schicken, eher weniger, heißt es in Frankfurter Finanzkreisen. Logistische Probleme werden für die schleppende Rückführung des deutschen Goldes verantwortlich gemacht. Experten überzeugt dieses Argument nicht. »China konnte 1120 Tonnen Gold am offenen Markt in einem Monat kaufen. Bedeutet das, dass Chinesen Flugzeuge besser beladen können als Deutsche?«, fragte vor einiger Zeit Rick Rule vom kanadischen Vermögensverwalter Sprott sarkastisch.

 

Dass Politiker und Bundesbanker ausgerechnet vor dem Hintergrund des US-Spionageskandals den Amerikanern ihr uneingeschränktes Vertrauen aussprechen, erscheint schon bemerkenswert. Der Versuch, mit fragwürdigen PR-Aktionen und beschwichtigenden Botschaften die skeptischen Bürger ruhig zu stellen, dürfte freilich nicht gelingen.

 

Tatsache ist: Der US-Schuldenberg wächst und wächst. Regelmäßig wird die Schuldenobergrenze angehoben. Aktuell stehen die USA mit weit über 17 Billionen Dollar (in Ziffern: 17.000.000.000.000) in der Kreide. Verfügten die Amerikaner nicht über die größten Goldreserven der Welt, wäre die Supermacht faktisch pleite. Dass es dazu bislang offiziell noch nicht gekommen ist, verdankt Washington seinem größten Gläubiger – der Volksrepublik China-, der großen Wert auf physisches Gold legt. Wie viel Gold aber tatsächlich noch vorhanden und wie viel verliehen oder verpfändet ist, erscheint ebenso unklar wie die Frage nach der wundersamen Goldvermehrung durch Derivatprodukte, mit deren Hilfe sich der Goldpreis so erfolgreich manipulieren lässt. Niemand weiß, ob und gegebenenfalls wie viel deutsches Gold von der Fed verliehen wurde.

 

Das blinde Vertrauen der Bundesbank in die Fed erschien vor zwei Jahren auch dem Bundesrechnungshof reichlich suspekt. Er veröffentlichte im Rahmen der jährlichen Prüfung der Bundesbankbilanz einen Bericht über die Kontrolle der deutschen Goldbestände in den USA. Als die Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestags im Oktober 2012 diesen Bericht endlich vorgelegt bekamen, mussten sie feststellen, dass wesentliche Teile auf Druck der Bundesbank geschwärzt worden waren.

 

Zu den Merkwürdigkeiten, die zu denken geben müssen, gehört ferner die Mitteilung der Bundesbank, dass die in den USA lagernden deutschen Goldbarren umgeschmolzen werden müssen, bevor sie nach Deutschland kommen. Bei der Bundesbank heißt es, viele der in New York lagernden Barren entsprächen nicht mehr dem Standard der London Bullion Market Association (LBMA).

 

So baut man kein Vertrauen auf. Die Geheimniskrämerei sowie die Leisetreterei von Bundesbank und Regierung sind jedenfalls nicht geeignet, das grassierende Misstrauen abzubauen. Tatsächlich kann bis heute niemand sagen, ob die deutschen Goldreserven vollständig und unangetastet bei der Fed gelagert werden.

 

Wie viele Goldbarren tatsächlich bis 2020 nach Deutschland zurückkehren, bleibt abzuwarten. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele sagt schon mal, vieles spreche dafür, einen Teil des deutschen Goldes in New York und London zu belassen, um es im Fall der Fälle in kurzer Zeit in Fremdwährungen tauschen zu können. Das heißt doch wohl im Klartext: „Im Fall der Fälle“ bekommt Deutschland Papiergeld in Form von US-Dollar, während die Fed Gold kassiert. Ein denkbar schlechter Tausch. Wobei allein schon diese Gedankenspiele einiges darüber aussagen, wie Notenbanker die Zukunft des Euro einschätzen.

 

 

 

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Leser-Kommentare (14) zu diesem Artikel

15.07.2014 | 01:28

Revoluzzer2000

Ich frage mich warum die Opposition zu diesem Thema eigentlich so ruhig ist. Ist es nicht deren Aufgabe die Regierung zu "kontrollieren"? Warum leitet die Opposition keine rechtlichen Schritte in die Wege um unser Eigentum zurückzuholen? Immerhin hat sie mehr Möglichkeiten als der kleine Bürger. Aber die legen halt lieber die Hände in den Schoß und attackieren die Regierung mit "Wattebällchen". Korruptes Pack, wohin man auch schaut...


14.07.2014 | 22:27

Verleihnichts

Schon Napoléon soll wohl gesagt haben, es gäbe kein leichtgläubigeres Volk auf dieser Welt, als die depperten Deutschen. Von Österreichern hat er wohl höflicher weise gar nicht erst geredet ;-). Wenn man hier eine unbequeme Wahrheit über ein Thema ausspricht, dann macht man sich gleich Feinde, selbst im engsten Verwandtenkreis.


14.07.2014 | 13:03

guteronkel

Ich hatte schon lange die Befürchtung, dass "unser Gold" von den USA schon längst verscherbelt wurde und dass das unseren Politikern schon sehr lange bekannt ist.


14.07.2014 | 11:18

Livia

... eine der ersten Maßmahmen nach erfolgtem Putsch in der Ukraine war, daß der gesamte Goldschatz/Staatsschatz des Landes in die USA ausgeflogen wurde!!! - Seltsam? ... fremdes Gold in den USA setzt diese in die Lage, jene Länder, deren Gold sich in Fort Knox befindet, dahingehend zu erpressen, daß sie sich nicht so leicht aus dem Dollar als Resevewährung verabschieden (können)! Die ruinösen Strafzahlungen gegenüber der französischen Paribas und der deutschen Commerzbank zielen...

... eine der ersten Maßmahmen nach erfolgtem Putsch in der Ukraine war, daß der gesamte Goldschatz/Staatsschatz des Landes in die USA ausgeflogen wurde!!! - Seltsam? ... fremdes Gold in den USA setzt diese in die Lage, jene Länder, deren Gold sich in Fort Knox befindet, dahingehend zu erpressen, daß sie sich nicht so leicht aus dem Dollar als Resevewährung verabschieden (können)! Die ruinösen Strafzahlungen gegenüber der französischen Paribas und der deutschen Commerzbank zielen in diese Richtug! Ohne "Dollarzwang" könnten diese Institute dem "großem Bruder" leicht eine Nase drehen und die Zahlungen einfach verweigern! Was hat mir der übernächste Nachbar vorzuschreiben, was ich in meinen Garten planze - außer er kann mich erpressen! .... schon Kaiser Diokletian hatte seine Staatspleite herausgeschoben indem er die Silberdenare mit Bleikernen versetzen lies! Um Solches - und Ähnliches - zu bewerkstelligen muß man das Metall (um)schmelzen! - Sonst noch Fragen!?! Angabliche Normänderungen und Umbezifferungen sind doch nur fadenscheinige Ausreden, Gold wird nicht wertlos oder leichter, weil die Barrenform nicht mehr up to date ist oder die Bezifferung in arabischen Ziffern statt römischer Zahlen vorgenommen wird! Eher muß man befürchten, daß unter "deutschen Goldvorräten" in den USA nur gelbglänzend angestrichenes Blei liegt Und das kann man natürlich so nicht zurückführen - ohne das es einer merkt! Kurzum, das amerikanische Imperium ist pleite und am Ende und ein jeder Staat, der dort Gold liegen hat, sollte es zuerst von dort - und restlos - nach hause holen!!! Und erst wenn dort alles weg ist sollte man sich um Paris und London kümmern, auch wenn die Depotgebühren dort teurer sind. Deutschland hat genug alte Bergwerke, die man als sicheren Aufbewahrungsort mit wenig Aufwand ausrüsten kann - sogar Atombombensicher.


14.07.2014 | 10:45

Nordsee-Marie

Alles Augenwischerei. Unter Garantie wäre das Gold bei uns besser aufgehoben. es gibt nur ein Problem: Unsere Besatzungsmacht / bzw. die FED hat sich den Bestand bereits unter den Nagel gerissen .
@siebter Sinn:
Ihr Beitrag wäre einfacher zulesen, wenn Sie hin und wieder einen Ansatz einbauen würden. Danke. Ansonsten große Zustimmung


14.07.2014 | 08:03

pingpong

Der beste Weg den Amis zu offenbaren, dass sie in der Sache des publiziert gehaltenen Goldes lügen, ist, wenn wir selber mehr physisches Gold kaufen. Denn das ist ja das Problem: Das Papiergold! und idiotische Versprechen. Glaube gehört in die Religion; im kaufmännischen jedoch gilt Haben!

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