Monday, 26. September 2016
09.11.2011
 
 

Bundesbank vor der Enteignung? Der Griff nach dem deutschen Gold

Michael Brückner

Natürlich war im Nachhinein alles ganz anders. Niemand habe in Cannes über die deutschen Goldreserven gesprochen, ließ die Bundesregierung beschwichtigen. Die Bundesbank sieht das anders. Die vermeintlichen Euro-Retter scheinen nicht einmal  davor zurückzuschrecken, schlechtes Geld mit gutem Gold am Leben erhalten zu wollen. Das Thema mag für den Moment vom Tisch sein, doch der deutsche Goldschatz bleibt für die Europäische Zentralbank (EZB) und die Pleitestaaten verführerisch.

Was wurde auf dem G-20-Gipfeltreffen in Cannes Anfang November nun wirklich besprochen? Gut möglich, dass wir es nie erfahren werden, weil die dort diskutierten Pläne viel Sprengkraft bargen und einem Offenbarungseid der so genannten Euro-Retter gleich gekommen wären. Ging es darum, in letzter Konsequenz die Deutsche Bundesbank zu enteignen, um noch mehr Geld für die Pleitestaaten locker zu machen? Eiligst ließ die Bundesregierung dementieren, in Cannes sei

darüber diskutiert worden, die deutschen Goldreserven zur Euro-Rettung einzusetzen. Offiziell will man nur über Sonderziehungsrechte (SZR) gesprochen haben. Aber erstens ist es von den Sonderziehungsrechten bis zu den Goldreserven nur ein kleiner Schritt. Und zweitens hat die Bundesbank indirekt bestätigt, dass es solche Gespräche über das deutsche Gold gegeben hat. »Wir kennen diesen Plan – und wir lehnen ihn ab«, sagte ein Sprecher der Bundesbank.

Um was geht es konkret? Deutschland verfügt über Goldreserven von über 3.400 Tonnen. Die meisten Barren werden nicht in der Bundesrepublik, sondern in New York, London und Paris gelagert. Legt man den Goldpreis von Anfang November zugrunde, entspricht dieser Schatz einem Marktwert von über 139 Milliarden Euro. Über die zweitgrößten Goldreserven in der EU (Marktwert: knapp 100 Milliarden Euro) verfügt übrigens Italien. Sie reichten allerdings gerade einmal aus, um rund fünf Prozent der Staatsschulden dieses Landes zu decken.

Neben dem Gold hält die Bundesbank noch Währungsreserven und besagte Sonderziehungsrechte. Dabei handelt es sich um eine 1969 geschaffene Schattenwährung, die finanzielle Ansprüche von Staaten gegenüber dem Internationalen Währungsfonds darstellt  und damit einem Geldwert entspricht. Nach offizieller Lesart wurde in Cannes lediglich darüber diskutiert, diese Sonderziehungsrechte an eine Zweckgemeinschaft des Krisenfonds EFSF zu übertragen, um damit Kredite zugunsten der Pleitestaaten abzusichern.

Ende des Jahres 2010 hatte die Deutsche Bundesbank Sonderziehungsrechte im Umfang von 18,7 Milliarden Euro in ihren Reserven. Relativ wenig, vergleicht man diese Summe mit dem deutschen Goldschatz. Beobachter vermuten daher, dass die SZR lediglich als »Einfallstor« dienen sollen, um auch die deutschen Goldreserven an eine Zweckgemeinschaft zu überführen. Das liefe auf eine Enteignung und Entmachtung der Deutschen Bundesbank hinaus. Genau dies streben Kreise innerhalb der Europäischen Zentralbank offenkundig an. Ihnen geht es vor allem um den Goldschatz sowie um mehr Macht und Einfluss im Internationalen Währungsfonds. Die EZB kann sich dabei der Unterstützung beinahe aller EU-Mitgliedstaaten sicher sein, während die Bundesbank nur wenige Verbündete hat.

Der Verkauf oder die Verpfändung der Goldreserven hätte nicht zuletzt eine verheerende psychologische Wirkung. Der Goldschatz wird von vielen Bürgern als »eiserne Reserve« und als letzter Vertrauensanker angesehen. Dabei erscheinen selbst die deutschen Goldreserven eher gering, vergleicht man sie mit den aktuellen Staatsschulden. Gold mit einem Marktwert von 139 Milliarden Euro stehen Staatsschulden von mehr als zwei Billionen Euro gegenüber. Der Wert einer Feinunze Gold reicht nicht einmal aus, um die laufende Neuverschuldung von über 1.550 Euro pro Sekunde auszugleichen. Selbst wenn also jede Sekunde eine Unze Gold in die Staatskassen flösse, stiegen die deutschen Staatsschulden weiter. Würden alle Staaten Europas ihre Goldreserven verkaufen, wäre dies angesichts der extrem hohen Staatsverschuldungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Dennoch wecken die Goldreserven immer wieder Begehrlichkeiten – und zwar vor allem dann, wenn es wieder einmal Probleme mit dem Euro gibt. »Gutes Gold für schlechtes Geld« scheint die Devise zu lauten. In der Endphase der Regierung unter Helmut Kohl wollte der damalige Finanzminister Theo Waigel die Goldreserven der Deutschen Bundesbank »marktnäher« bilanzieren. Das hätte über 40 Milliarden D-Mark in die Kassen des Bundes gespült. Ein willkommener Geldsegen, da ausgerechnet Deutschland die Euro-Stabilitätskriterien nicht erfüllte. Das Vorhaben löste einen Sturm der Entrüstung aus. Am Ende boten die Frankfurter Notenbanker dem Finanzminister die Stirn. Heute freilich ist das Gold nicht dem Angriff eines Finanzministers ausgesetzt, sondern einer mächtigen Allianz aus EZB und der großen Mehrheit der EU-Regierungen.

 

 


 

 

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