Sunday, 31. July 2016
22.05.2012
 
 

Deutsche Goldreserven: Barren oder nur Papier?

Michael Brückner

Während asiatische Zentralbanken und IWF ihre Goldbestände aufstocken, sorgt sich der Haushaltsausschuss des Bundestags um die im Ausland verwahrten deutschen Goldreserven. Existieren große Teile davon nur noch auf dem Papier? Ein Bericht des Bundesrechnungshofs wurde zur Geheimsache erklärt. Die Parlamentarier bekommen nur eine entschärfte Variante – und selbst das nur auf ausdrückliche Anforderung.

Es war ein Gutachten von höchster Brisanz, das der Münsteraner Wirtschaftsexperte und Bilanzrechtler Jörg Baetge vor knapp einem Jahr vorlegte. In Auftrag gegeben hatte die Untersuchung der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler. Baetge kritisierte, die Bundesbank komme ihrer bilanzrechtlichen Pflicht, die deutschen Goldreserven regelmäßig in Augenschein zu nehmen und zu inventarisieren, in nicht ausreichendem Maße nach. Dies gilt vor allem für die im Ausland eingelagerten Goldbarren, die über 90 Prozent der gesamten deutschen Reserven ausmachen. Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2011 hielt die Bundesbank offiziell rund 3.396 Tonnen oder 109 Millionen Unzen Feingold. Unterstellt man, dass 90 Prozent im Ausland – vor allem in den USA – gelagert werden, so hat Deutschland sage und schreibe auf knapp 3.056  Tonnen seiner Goldreserven keinen direkten Zugriff. Tatsächlich dürfte dieser Anteil noch höher sein, da Schätzungen zufolge sogar mehr als 90 Prozent der deutschen Goldreserven in den USA, Frankreich und England verwahrt werden.

 

Begründet wurde dies jahrzehntelang mit den politischen Risiken des Kalten Krieges. Salopp ausgedrückt: Das deutsche Gold sollte angeblich vor dem Zugriff der Sowjets geschützt werden. Das ist mittlerweile zwar Geschichte, doch das gelbe Edelmetall der Bundesbürger lagert überwiegend nach wie vor fern der Heimat. Und entgegen dem ansonsten stark ausgeprägten Kontrollwahn der Deutschen schaute die Bundesbank offenbar jahrelang nicht so genau hin. Der gesetzestreue Bürger reibt sich verwundert die Augen: Verstößt ein Kleinstunternehmer gegen seine Buchführungspflichten, drohen ihm drastische Bußgelder und Strafverfahren. Aber wenn es um das Gold der Bürger geht, sehen es die Aufseher eher locker.

 

Laxe Kontrollen wären schon schlimm genug, doch nun droht sogar ein handfester Skandal. Ist das Gold möglicherweise gar nicht mehr oder zumindest nicht mehr vollständig vorhanden? Diese Frage wird in den einschlägigen Internetforen schon seit Jahren diskutiert. Nun haben sich auch die Mainstreammedien dieses Themas angenommen. Die Sorge wird verstärkt durch eine unglaubliche Geheimniskrämerei, die den Verdacht nahe legt, dass hier Regierungen und das Notenbanken-Kartell vieles zu verschweigen haben.

 

Schon zu Beginn des Jahres legte der Bundesrechnungshof einen Prüfbericht vor, in dem die »unzureichende Sorgfalt bei der Bilanzierung der Goldreserven, die zum Teil im Ausland lagern« gerügt wurde. Bezeichnenderweise erklärte die Behörde diesen Bericht zur Geheimsache, die Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestags erfuhren davon aus den Medien. Welchen Sinn machen Prüfberichte, wenn sie nicht veröffentlicht werden dürfen? Aufgeschreckt von Presseberichten über angebliche »Bilanz-Schummeleien« forderten die Parlamentarier nun den Bericht des Rechnungshofs an.

 

Doch sollen die Haushaltspolitiker nur eine abgeschwächte Version erhalten – angeblich, um die Sicherheit von Drittstaaten nicht zu gefährden. Welcher Art diese Gefährdung sein könnte, steht in den Sternen. Mehr noch: Der abgespeckte Bericht soll nur im Geheimschutzraum des Bundestags eingesehen werden können. Die österreichische Tageszeitung Die Presse meldet ergänzend, Bundesbankpräsident Jens Weidmann habe alles versucht, um die Spitze der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dazu zu bewegen, auf die Anforderung des Berichts zu verzichten.

 

Weshalb soviel Geheimniskrämerei, wenn angeblich doch alles mit rechten Dingen zugeht? Eine mögliche Erklärung lieferte dieser Tage der CSU-Politiker Gauweiler. Er plädiert dafür, die in der Bundesbankbilanz enthaltene Sammelposition »Gold und Goldforderungen« kritisch zu betrachten. Denn es sei ein großer Unterschied, ob die Bundesbank wirklich physische Goldbestände in Form von Barren habe oder nur Goldforderungen, zum Beispiel aufgrund von Goldleihgeschäften. Wer Gold verleiht, hat zwar entsprechende Forderungen an seinen Geschäftspartner, unterliegt jedoch auch dem Risiko, dass dieser bei Fälligkeit die Forderung nicht mehr einlösen kann oder will. Tatsächlich ist derzeit nicht klar nachvollziehbar, welcher Anteil der im Ausland verwahrten deutschen Goldreserven wirklich in physischen Edelmetallen und welcher lediglich in Papierform (als Goldforderungen) vorhanden ist. Unklar ist ferner, ob die Bundesbank überhaupt ihre Zustimmung erteilen muss, wenn zum Beispiel in den USA gelagertes Gold verliehen wird. Der dortige »Verwahrer« – die Fed – ist keine staatliche Behörde, sondern steht im Eigentum privater amerikanischer Banken.

 

Während also die Bundesbank in den vergangenen Jahren offenkundig gar nicht so genau hinschaute, was mit dem deutschen Gold passierte, sind andere Zentralbanken dabei, ihre Goldreserven weiter aufzustocken. Provisionsgetriebene Banker, die lieber teure Fonds und andere künstliche Anlageprodukte verkaufen, Regierungen, denen der private Goldbesitz schon immer suspekt erschien, und die Mainstreammedien versuchten nach dem jüngsten Preiseinbruch beim Gold, den Anlegern das gelbe Edelmetall einmal mehr madig zu machen. Offenkundig mit wenig Erfolg, denn wie zu hören ist, haben zahlreiche Privatkunden den Kursrückgang zum günstigen Einstieg genutzt. Auch viele asiatische Zentralbanken griffen beherzt zu. Und der Internationale Währungsfonds (IWF) plant Goldkäufe in einem Umfang von rund 2,3 Milliarden US-Dollar. Begründung: zunehmende Kreditrisiken in der Euro-Zone. Den Privatanlegern wird derweil aber erzählt, Gold sei kein sicherer Hafen mehr. Ein sehr durchsichtiges Manöver.

 

 


 

 

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