Saturday, 1. October 2016
05.04.2012
 
 

Deutsche Initiative: »Holt unser Gold heim«

Michael Brückner

Die gute Nachricht: Deutschland verfügt unter allen Staaten über den zweitgrößten Goldschatz der Welt. Die nachdenkenswerte Nachricht: Zwei Drittel dieser Goldreserven lagern fern der Heimat in New York. Größere Mengen werden darüber hinaus in London und Paris aufbewahrt. Die vor kurzem gestartete Initiative »Holt unser Gold heim« will nicht nur die deutschen Edelmetallreserven wieder in der Heimat wissen, sondern überdies verhindern, dass sie eines Tages den dramatisch steigenden TARGET2-Schulden zum Opfer fallen könnten.

Als die beiden Militärmaschinen der spanischen Luftwaffe auf der Landebahn ihres Heimatflughafens aufsetzten, ging eine über 200 Jahre währende Odyssee zu Ende. An Bord der Flieger befand sich wertvolle Fracht: einer der größten je geborgenen Schätze der Weltmeere. Mehr als 500.000 alte Gold- und Silbermünzen kamen nach jahrelangem Streit mit den USA wieder zurück nach Spanien. Der heutige Wert dieses Schatzes liegt bei über 350 Millionen Euro.

 

Die Gold- und Silbermünzen hatten sich an Bord der im Jahr 1804 von der britischen Kriegsmarine vor der portugiesischen Küste versenkten spanischen Galeone Nuestra Señora de las Mercedes befunden. Über 200 Jahre lagerte der Schatz in den Tiefen des Atlantiks, bis eine US-Spezialfirma im Mai 2007 das Schiffswrack entdeckte und wenige Zeit später auch auf die kostbaren Münzen stieß. Fortan war der Schatz in US-amerikanischem Besitz. Kaltschnäuzig wurde den Behörden in Madrid mitgeteilt, die Münzen stammten gar nicht aus dem spanischen Schiffswrack. Daraufhin warf Spanien den USA die »Plünderung von Kulturbesitz« vor. Erst nach langwierigen Gerichtsverfahren über mehrere Instanzen wurde Madrid Recht gegeben.

 

Wenn schon ein vergleichsweise überschaubarer Goldschatz erst nach jahrelangen Auseinandersetzungen wieder seinem rechtmäßigen Eigentümer übergeben wurde, was wäre dann zu erwarten, wenn etwa Deutschland oder die Schweiz die Herausgabe ihrer in den USA eingelagerten Goldreserven verlangten? Dann ginge es um mehrstellige Milliardenbeträge. Immer mehr kritische Bürger in Deutschland und anderen Ländern haben ein schlechtes Gefühl bei der Vorstellung, dass ein großer Teil der Goldreserven ihrer Staaten ausgerechnet in den USA aufbewahrt wird. »Angesichts der zunehmenden Unberechenbarkeit der von der Überschuldungskrise schwer heimgesuchten USA, angesichts der unverblümten Machtgelüste, mit denen Washington seine Währungsturbulenzen an allem geltenden Recht vorbei in den Griff zu bekommen sucht, erscheint es mehr als bloß geraten, alle im Ausland, insbesondere in den USA, gelagerten Schweizer Goldreserven in die Schweiz zurückzuholen«, sagt Nationalrat Ulrich Schlüer (SVP). Zusammen mit seinen Kollegen Luzi Stamm und Lukas Reimann startete er die Volksinitiative »Rettet unser Schweizer Gold«.

 

Jetzt wächst auch in Deutschland der Druck, die Goldreserven wieder in heimische Hochsicherheitstresore zurückzuholen. Immerhin hat die Bundesbank in den USA weitaus mehr Gold eingelagert als die Schweiz. Nach Angaben des World Gold Council besitzt Deutschland offizielle Goldreserven von knapp 3.400 Tonnen. Nach Expertenschätzungen werden aber nur fünf Prozent des gelben Edelmetalls in Frankfurt/Main und Mainz gelagert. Fast zwei Drittel des Bundesbankgoldes befinden sich in New York, über 20 Prozent in London und etwa acht Prozent in Paris. Dass der größte Teil der deutschen Edelmetallreserven auf der anderen Seite des Atlantiks ohne direkten Zugriff der Bundesbank verwahrt wird, erklärten die Verantwortlichen jahrzehntelang mit den Risiken des Kalten Kriegs. Deutschland wäre bei einem Konflikt der beiden Militärblöcke eines der Hauptschlachtfelder gewesen. Da wollte man zumindest das deutsche Gold in Sicherheit wissen. Soweit die offizielle Version. Mittlerweile ist der Kalte Krieg zwar längst überwunden, doch das Bundesbankgold lagert noch immer fern der Heimat.

 

Ähnlich wie in der Schweiz wurde nun auch in Deutschland eine Initiative unter dem Motto  »Holt unser Gold heim« gestartet. Initiatoren sind die Deutsche Edelmetall-Gesellschaft (DEG) und die Taxpayers Association of Europe (TAE). Zu den Unterstützern zählen unter anderem der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler, Professor Hans-Olaf Henkel, Professor Gerd Habermann sowie der Goldexperte und KOPP-Autor Dr. Bruno Bandulet.

 

»Erste Ziele der Initiative sind die Schaffung von Problembewusstsein bei Medien und einer breiten Öffentlichkeit für die Bedeutung nationaler Goldbestände gerade in Zeiten der Finanzkrise sowie seriöse, unabhängige Audits der Bestände«, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Initiatoren Peter Boehringer (DEG) und Rolf Baron von Hohenhau (TAE).

 

Ihnen geht es dabei nicht nur um das beruhigende Gefühl, dass die Goldreserven endlich wieder in jenem Land gelagert werden, dessen Bürgern sie letztlich gehören. Die Initiatoren machen auf ein weiteres, von den Mainstreammedien kaum beachtetes Risiko aufmerksam. Die dramatisch gestiegenen Verbindlichkeiten der europäischen Pleitestaaten im Rahmen von TARGET2 – also des Verrechnungssystems der Notenbanken – bergen eine nicht zu unterschätzende Gefahr: Aufgrund der sich seit 2007 dramatisch verschlechternden Bundesbankbilanz kann die völlige Ausbuchung der Bilanzposition »Geld- und Goldforderungen« dauerhaft nicht ausgeschlossen werden. Die Initiatoren der Aktion »Holt unser Gold heim« fordern daher ferner einen verfassungsrechtlich abzusichernden bilanziellen Sonderstatus der Goldreserve »zur Abwehr der schnell zunehmenden Ausbuchungsgefahr«.

 

Wer die Initiative unterstützen möchte, kann sie unter diesem Link unterzeichnen. Der Autor dieses Beitrags hat es bereits getan.

 

Dass es durchaus möglich ist, die nationalen Goldreserven kurzfristig heimzuholen, hat ausgerechnet der in den USA viel geschmähte venezolanische Präsident Hugo Chávez im vergangenen Jahr gezeigt. Er ließ angesichts der internationalen Wirtschaftskrisen Gold im Gegenwert von 6,8 Milliarden Euro aus den Vereinigten Staaten und Europa zurück holen.

 

 


 

 

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