Sunday, 25. September 2016
07.03.2016
 
 

Flüchtlinge lieben Großstädte: Mieten und Wohnungsnot steigen

Michael Brückner

Kaum sind sie als Flüchtlinge in Deutschland anerkannt, machen sie sich auf den Weg in die Ballungszentren. Ausgerechnet dorthin, wo schon Tausende von deutschen Bürgern sich keine Wohnung mehr leisten können. Die Großstädte platzen aus den Nähten – und die Mieten explodieren.

 

Eigentlich hätte es für die sechsköpfige Migrantenfamilie aus Afghanistan ein Neuanfang werden können. Mehrere Wochen hatte sie in einem Aufnahmelager in Salzwedel gelebt, nun sollte sie in eine eigene Wohnung in Klötze (Sachsen-Anhalt) umziehen. Ein Chauffeur brachte die Afghanen zu ihrer neuen Bleibe – einem Neubaublock in dem rund 11 000 Einwohner zählenden Städtchen im Altmarktkreis.

Am Ziel angekommen, gab es Tumulte. Die Migranten weigerten sich, aus dem VW-Bus auszusteigen und in ihre Wohnung zu ziehen. Begründung: Ihnen sei ein Haus versprochen worden. Selbst zwei Mitarbeitern des Landkreises gelang es nicht, die aggressiv tobenden Afghanen zu überzeugen. Der Chauffeur musste die Familie wieder zurück nach Salzwedel fahren. Dort versuchten zwei Dolmetscher, die aufgebrachten Migranten zu besänftigen.

 

Dass viele Asylbewerber bei der Wahl ihrer Wohnungen durchaus anspruchsvoll sind, wissen die Kommunalpolitiker. Sobald den Flüchtlingen Asyl zugestanden wird, verlassen sie die Gemeinschaftsunterkünfte und suchen Wohnungen in den Großstädten. Eine Bleibe in kleineren Gemeinden oder am Rande der Städte erscheint ihnen nicht attraktiv. Und die Politiker haben durchaus Verständnis dafür, denn sie fürchten »graue Betonghettos«, wie es unlängst Staatssekretär Gunther Adler vom Bundesbauministerium formulierte.

 

Dramatische Situation in den Großstädten

 

In den Städten verschärft die zusätzliche Wohnraumnachfrage durch Flüchtlinge die ohnehin seit Jahren angespannte Situation dramatisch. Die Behörden der Landeshauptstadt Dresden beispielsweise haben sich darauf eingestellt, 2016 etwa ebenso viele Asylbewerber unterbringen zu müssen wie im vergangenen Jahr: etwa 4200. Wenn nämlich die Asylverfahren vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schneller bearbeitet werden, haben die Asylbewerber auch schneller Anspruch auf alle mit Hartz IV verbundenen Leistungen – und dazu gehört eben auch Wohnraum. Schon im ersten Quartal 2016 müssen in Dresden über 1000 Flüchtlinge untergebracht werden.

 

Nicht nur in der sächsischen Landeshauptstadt verschärft sich die Situation dadurch gefährlich. In allen Mittel- und Großstädten treffen die Asylbewerber in der Regel auf zahlreiche wohnungssuchende deutsche Bürger. Die haben oft das Nachsehen, weil es derzeit politisch korrekt erscheint, Flüchtlinge zu bevorzugen.

 

Die Konsequenzen sind auf den Wohnungsmärkten der deutschen Mittel- und Großstädte insgesamt spürbar: Die in den vergangenen Jahren ohnehin schon explodierten Mieten steigen weiter. »Ohne die starke Zuwanderung von Flüchtlingen wäre das Bild 2016 ziemlich eindeutig – der Mietpreiszyklus hätte seinen Zenit erreicht«, sagt Harald Simons vom privaten Forschungsinstitut Empirica. Doch nun gehe die Mietpreisrallye in die Verlängerung.

 

Um alle anerkannten Asylbewerber dezentral unterbringen zu können, müssten bis 2020 pro Jahr in Deutschland rund 100 000 zusätzliche Wohnungen entstehen, sagt das Institut für Wirtschaftsforschung in einer jüngst veröffentlichten Untersuchung. Im Jahr 2020 dürften demnach nicht 82 Millionen Menschen in Deutschland leben, wie bisher geschätzt, sondern mindestens 85 Millionen.

 

Rentner müssen umziehen

 

Viele Großstädte platzen heute bereits aus den Nähten. In München etwa sind 5500 Bürger wohnungslos und leben in Notunterkünften und Herbergen. Nun kommen noch die Asylbewerber hinzu. Im Laufe dieses Jahres dürfte die Zahl der Wohnungslosen in der 1,5 Millionen Einwohner zählenden Isar-Metropole auf über 10 000 steigen. Schon heute müssen viele Rentner, die ein Leben lang gearbeitet haben, in andere, oftmals Hunderte von Kilometern entfernte Städte umziehen, weil sie sich das teure München nicht mehr leisten können. Auf die Flüchtlinge jedoch übt die bayerische Landeshauptstadt nach wie vor eine starke Anziehungskraft aus.

 

Da immer mehr Flüchtlinge in kurzer Zeit auf den Wohnungsmarkt drängen, ist es unmöglich, kurzfristig entsprechende Angebote zu schaffen.

 

Zum einen, weil schlichtweg die nötigen Grundstücke fehlen, zum anderen, weil ein schlüsselfertiges Mehrfamilienhaus von halbwegs akzeptabler Qualität nicht in ein paar Wochen aus dem Boden gestampft werden kann.

 

Die Konsequenz: Während private Bauherren in ganz Deutschland jahrzehntelang mit zum Teil irrsinniger Bürokratie gepiesackt wurden und die Behörden alles unternahmen, um kräftig abzuzocken – von sündhaft teuren Grundstücken bis hin zur drastisch gestiegenen Grunderwerbsteuer –, spielt alles, was gestern noch als sakrosankt galt, heute keine Rolle mehr. Warum müssen Immobilien auch in 50 oder 100 Jahren ihren Bewohnern noch ein sicheres Dach über dem Kopt bieten?, fragt da mancher Verantwortliche. Es reiche doch, wenn sie 15 Jahre halten und erst danach zusammenfielen.

 

Tatsächlich entstehen Wohnviertel in Deutschland schon bald am Fließband. Entsprechende Fertigungsstraßen könnten in Kürze in Betrieb gehen. Gefragt sind fertige Hausmodule, die im Tieflader angeliefert werden. In wenigen Wochen entstehen dadurch neue Wohngebiete – absolut hässlich, aber billig.

 

 

Flüchtlinge sind in puncto Wohnung wählerisch

 

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter stellte in seiner Verzweiflung vor einiger Zeit eine ganz besondere »Innovation« vor: Der Parkplatz am Dantebad soll mit Wohnungen auf Stelzen überbaut werden. In Freiham wiederum entsteht auf die Schnelle ein Viertel, in dem bald schon 20 000 Menschen zusammengepfercht werden sollen. Die Lokalpresse schreibt von einem neuen Ghetto.

 

Auch die Präsidentin des Deutschen Städtetags, die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse, geht von einer weiteren Verschärfung in den Ballungsräumen aus. Grund: Asylbewerber und Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, werden nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel quer über die Republik verteilt. Sobald sie aber als Flüchtlinge anerkannt sind, entfällt die Residenzpflicht – und dann ziehen sie in die Ballungsräume, wo Wohnraum schon heute extrem knapp ist.

 

Die folgenden Zahlen belegen das Problem sehr anschaulich: Die rund 200 000 Flüchtlinge, die im Herbst 2015 nach Deutschland kamen, wurden auf 400 Städte und Gemeinden verteilt. Heute leben sie nur noch in 33 Gebietskörperschaften. Experten fürchten den völligen Zusammenbruch in den Großstädten, solange die anerkannten Flüchtlinge hingehen können, wohin sie wollen. An die Einführung einer Wohnsitzauflage für Asylbewerber scheint sich kein Politiker heranzutrauen.

 

Aber wer weiß: Vielleicht gibt es ja Hoffnung für deutsche Wohnungslose – zum Beispiel in Wohnungen, die Asylbewerber ablehnen, weil sie sich Einfamilienhäuser erhoffen.

 

 

 


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