Saturday, 1. October 2016
12.03.2012
 
 

Nach Monopoly jetzt Domino: Weltweit fast 240 Rücktritte von Top-Bankern

Michael Brückner

Top-Banker auf der Flucht: Fast 240 wurden in den vergangenen Monaten weltweit gefeuert oder erklärten mehr oder minder freiwillig ihren Rücktritt. Von der Wall Street über die Londoner City und Frankfurt bis nach Moskau und in den Vatikan – die Finanzjongleure suchen das Weite.

Knapp zwei Monate vor dem zweiten Rettungspaket für Griechenland und dem so genannten freiwilligen Schuldenschnitt wagte Hugo Bänziger eine nicht gerade zuversichtlich stimmende Prognose. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bank sagte auf dem Neujahrsempfang seines Geldinstituts in Stuttgart: »Sie können Griechenland alle Schulden erlassen – und es würde alles wieder von vorn beginnen«. Bänziger weiß, wovon er spricht. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) bezeichnete ihn dieser Tage als »einen der besten Risikomanager  weltweit«, dem es zu verdanken sei, dass die Deutsche Bank die Subprime-Krise mit einem blauen Auge überstanden habe.

 

Künftig wird sich Hugo Bänziger in dieser Position nicht mehr äußern – weder zu Griechenland noch zu anderen Dingen, die im internationalen Finanzsystem schief laufen. Denn gemeinsam mit dem bisherigen IT- und Personalvorstand Hermann-Josef Lamberti wird er Deutschlands größte Bank verlassen. Der designierte Vorstandsvorsitzende Anshu Jain – vermutlich der erste Chef des größten deutschen Kreditinstituts, der kein Wort Deutsch spricht – krempelt das Leitungsgremium komplett um und holt Vertraute aus dem Investmentbanking in den Vorstand. Die deutschen Mainstreammedien kommentierten diesen Schritt mit servilem Wohlwollen. Die NZZ war kritischer: »Insgesamt haben die Personalien einen äußerst schalen Nachgeschmack. Hier scheint aus Machtkalkül auf wertvolles Humankapital verzichtet zu werden« (NZZ vom 8. März, S. 23).

 

Nun aber gehören Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti bald zu den weltweit über 150 Top-Bankern, die in den vergangenen Monaten zurücktraten, abberufen oder schlicht gefeuert wurden. Einige von ihnen wechselten in den frühen und gut dotierten Ruhestand, andere ergriffen die Flucht und für manche führte der Weg aus der Chefetage direkt in die Gefängniszelle.

 

Alles reiner Zufall? Ob in den USA, Südamerika, Europa, in Russland oder China – allenthalben werfen bis dahin einflussreiche Banker das Handtuch. Manche freiwillig, andere unter dem Druck der Ereignisse. Hier ein paar prominente Beispiele: Bereits im Herbst vergangenen Jahres trat Oswald Grübel nach einem milliardenschweren Betrugsfall als Vorstandsvorsitzender der Schweizer UBS zurück. Er erklärte, fortan das eigene Vermögen zu verwalten. Wenige Tage später kündigte Fritz Studer seinen Rückzug aus dem Rat der Schweizer Nationalbank im April 2012 an.

 

Ende November vergangenen Jahres trat Guo Shuqing als Chairman der China Construction Bank zurück, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung immerhin die zweitgrößte Bank der Welt. In den USA kündigte der CEO von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, seinen Rückzug im kommenden Sommer an. Er wird in mehrfacher Hinsicht unvergesslich bleiben. Nicht nur, dass er mit beinahe 68 Millionen US-Dollar den höchsten jemals an der Wall Street gezahlten Bonus absahnte, Blankfein hält sich und seine »Goldmänner« offenkundig für die einzigen legitimen Vertreter Gottes auf Erden. Immerhin äußerte er Ende 2009 die Überzeugung, er verrichte in gewisser Weise »Gottes Werk« (FAZ vom 9. November 2009).

 

Das Jahr 2012 begann in der Schweiz ebenfalls mit einem Paukenschlag: Der damalige Präsident der Schweizer Nationalbank, Philipp Hildebrand, trat wegen fragwürdiger Devisengeschäfte seiner Familie mit sofortiger Wirkung zurück. Wenig später demissionierte  der Vizepräsident und Bankenaufseher der Bank of Russia, Gennady Melikyan. Grund war die bedrohliche Schieflage der Bank of Moscow, für die das größte Hilfspaket der Geschichte geschnürt werden musste: Fast zehn Milliarden Euro erhielt das schwer angeschlagene Institut von der Nationalbank. Der Vorstand der Bank of Moscow, Andrej Borodin, setzte sich derweil nach London ab.

 

Im Vatikan gerieten vier ranghohe Geistliche ins Visier der italienischen Fahnder. Ihnen wird vorgeworfen, über die Vatikanbank Geld gewaschen zu haben. In Venezuela wurde Anfang Februar Arné Chacón nach etlichen Banken- und Korruptionsskandalen festgenommen. Er ist der Bruder des inzwischen zurückgetretenen ehemaligen Wissenschaftsministers Jesse Chacón, der zu den engsten Vertrauten von Präsident Hugo Chavez gehört.

 

Die Liste könnte noch um über hundert weitere Beispiele fortgesetzt werden. Doch auch wenn es nur ein schwacher Trost ist: Banker-Skandale sind tatsächlich so alt wie das Papiergeld in Europa. Mitte des 17. Jahrhunderts hatte der in Riga geborene Banker Johan Palmstruch eine geniale Idee. Er nahm die Silber- und Kupfermünzen seiner schwedischen Kunden entgegen und gab dafür Wertscheine aus. Auf diese Weise kamen im Jahr 1661 die ersten europäischen Banknoten in Umlauf. Palmstruchs Bank garantierte, die ausgegebenen Scheine jederzeit wieder in Silber oder Kupfer zurückzutauschen. Der schwedische König hatte dieser Idee enthusiastisch zugestimmt, nicht zuletzt wohl, weil der klamme Staat zur Hälfte an den Einnahmen beteiligt wurde. Johan Palmstruch jedoch wollte mehr. Er verlieh die eingelagerten Silber- und Kupfermünzen, gleichzeitig überstieg das Volumen der ausgegebenen Geldscheine den Gegenwert der eingelagerten beziehungsweise verliehenen Münzen.

 

Als sich herumsprach, dass zu viele Banknoten ohne Edelmetalldeckung im Umlauf waren und das Geld zunehmend an Wert verlor, verlangten mehr und mehr Kunden ihre Münzen zurück. Bald konnte Palmstruch die Noten nicht mehr einlösen. Seine Bank brach zusammen und wurde verstaatlicht. Der Bankier wiederum verbrachte fast den Rest seines kurzen Lebens hinter Gittern.

 

 


 

 

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