Thursday, 26. May 2016
16.01.2012
 
 

Nach Ratingfiasko: Neue Belastungen für Deutschland

Michael Brückner

Neues Jahr – neues Glück, dachten wohl die Politiker in den Euro-Staaten und gaben sich für ein paar Stunden der Illusion hin, die Schuldenkrise sei entschärft. Der von S&P ausgelöste Ratingschock beendete diesen Traum jäh. Auf Deutschland dürften neue Belastungen in erheblichem Umfang zukommen.

Zumindest auf eines ist in der europäischen Schuldentragödie Verlass: Wann immer die Mainstreammedien über ein baldiges Ende der Euro-Krise spekulieren, scheint der nächste Tiefschlag programmiert zu sein. Nachdem Italien und Spanien zu vergleichsweise günstigen Konditionen neue Schulden hatten aufnehmen können, schienen Banker und Börsianer schon das

Licht am Ende des Tunnels auszumachen. Der verhaltene Optimismus hielt aber nur wenige Stunden an, dann holte die Ratingagentur Standard & Poor’s die Gesundbeter wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurück: Die US-Bonitätswächter versahen gleich neun Euro-Länder mit einem schlechteren Rating.

Dass Frankreich sein Triple-A verlor, kam nicht überraschend. Schon vor Wochen berichtete KOPP Online, ein solcher Schritt stehe spätestens Anfang 2012 bevor. Eine Herabstufung von Österreich, das unter der drohenden Pleite Ungarns leidet, war indessen so schnell nicht erwartet worden. Italien und Spanien, die sich noch wenige Tage zuvor neu verschuldet hatten und dies als Erfolg feierten, erhielten ebenfalls schlechtere Bonitätsnoten.

Wie passt das zusammen – hier die problemlos verlaufenen Auktionen von neuen Schuldtiteln, dort die reihenweise Herabstufung durch Standard & Poor’s? Die Erklärung erscheint einfach: Dass Investoren angeblich so beherzt zugriffen, als Rom und Madrid neue Staatsanleihen auf den Markt brachten, ist nicht Ausdruck zurückkehrenden Vertrauens, sondern beruht auf einer künstlich geschaffenen Nachfrage. Vor Weihnachten hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Großbanken mit billiger Liquidität geflutet. Dieses Geld fließt nun in europäische Anleihen. Die Geldinstitute profitieren von der Zinsdifferenz und gehen kein Risiko ein, denn im Notfall wird ihnen die EZB die Anleihen wieder abkaufen. Am grundsätzlichen Problem der Euro-Zone hat sich derweil nichts geändert. Alte Schulden werden von neuen Schulden abgelöst.

Sofort nach dem Ratingschock wiegelten die Verantwortlichen in Berlin ab. Auch die neue Bonitätsnote für Frankreich sei noch sehr gut, hieß es. Man kann dies als Akt deutsch-französischer Solidarität bewerten. Wahrscheinlich aber sollen die Bundesbürger nur allmählich auf eine bald folgende Herabstufung Deutschlands vorbereitet werden. Die könnte in der Tat drohen, obwohl Standard & Poor’s das Triple-A-Rating für Deutschland mit einem stabilen Ausblick versah.

Ob mit der Bonitätsherabstufung Frankreichs das Schicksal von Präsident Sarkozy endgültig besiegelt ist, mag eine spannende innenpolitische Frage im Nachbarland sein. Von weitaus größerer Bedeutung sind die Konsequenzen für die so genannte Euro-Rettung. Der Luxemburger Premierminister Jean-Claude Juncker kündigte an, die Euro-Staaten prüften, wie der Krisenfonds EFSF für seine Anleihen die Bestnote AAA behalten könne.

Eine interessante Frage, denn wenn mit Frankreich und Österreich gleich zwei bisherige Triple-A-Staaten ihre Bestnote verlieren, sind auch die Bonds des EFSF nicht mehr erste Wahl.

Und während die Politiker nach den Worten von Jean-Claude Juncker noch prüfen, hat der Chef des Länderrating-Komitees von S&P, John Chamber, schon eine Lösung aufgezeigt. Der EFSF könne sein Spitzenrating behalten, wenn die verbleibenden Spitzenbonitäts-Staaten ein größeres Engagement eingingen. Im Klartext heißt dies: Deutschland muss seinen Garantierahmen von 211 Milliarden Euro deutlich ausweiten.

Aber auch für die betroffenen Staaten selbst dürfte die Herabstufung drastische Konsequenzen haben: »Es besteht das Risiko, dass dadurch die Zinsaufschläge zunehmen und sich die Finanzierungsbedingungen weiter verschlechtern können«, sagt der Konjunkturchef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Michael Bräuninger. Das Wirtschaftsministerium in Paris rechnet bereits mit höheren Finanzierungskosten im Umfang von mindestens zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Für kritische Beobachter kam der Ratingschock gerade zur rechten Zeit. Die Regierungen und Brüsseler Eurokraten haben sich schon der Illusion hingegeben, die Probleme seien allein mit Rettungsschirmen und der Vergemeinschaftung von Schulden zu lösen. Von einem Ende der Krise kann aber erst die Rede sein, wenn sich die klammen Euro-Staaten ohne EZB-Sponsoring wieder am Markt Liquidität zu vertretbaren Konditionen beschaffen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

  • Rendite mit Zugkraft: Alte Traktoren als Wertanlage
  • Was ist aus dem »Waldsterben« geworden?
  • Geistige Entwicklung: Förderschüler werden auf Regelschulen verteilt
  • Landgerichtsurteil: Schluss mit unerwünschten Postwurfsendungen

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Rating-Schock nach Pariser Phrasen-Gipfel

Michael Brückner

Die Antwort kam prompt, und ihre Klarheit ließ nichts zu wünschen übrig. Wenige Stunden nach dem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy signalisierten die Märkte, was sie von den wortreich vorgetragenen Rettungsübungen für den Euro halten – nicht allzu viel. Die Ratingagentur Standard  mehr …

Rating-Schock: Deutschland kommt auch noch dran!

John Lanta

Freitag, der Dreizehnte? Überhaupt nicht. Auch kein neuer fieser Trick aus den USA, die ihr AAA-Rating mit Fug und Recht ja auch schon verloren haben. Vielmehr können wir davon ausgehen, dass die restlichen vier Euro-Länder ihre 3A-Bonität eher früher als später, ebenso wie gestern Frankreich und Österreich, verlieren werden, weil sie es redlich  mehr …

Drohende Ungarn-Pleite: Österreich bangt um Top-Bonität

Michael Brückner

Ungarn steht vor der Pleite – und könnte österreichische Großbanken mit in den Abgrund reißen, die in Osteuropa ein großes Rad drehen wollten. Die bislang als wirtschaftlich stabil geltende Alpenrepublik droht ihr Triple-A-Rating zu verlieren. Schon steigen die Risikoaufschläge für österreichische Staatsanleihen und die Preise für  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Von wegen Mondlandung: »Mond-Mineral« auch auf der Erde gefunden

Gerhard Wisnewski

Für manchen galt das vom Mond zur Erde gebrachte Gestein als der Beweis für die  bemannten Mondlandungen der Amerikaner zwischen 1969 und 1972. Doch schon seit Jahren löst sich dieser Beweis in Luft auf. Neuester Tiefschlag für die Mondlandungsfans: Das vom Mond mitgebrachte, nach dem Landeort der Apollo-11-Landefähre benannte Mineral  mehr …

Rendite mit Zugkraft: Alte Traktoren als Wertanlage

Michael Brückner

Sachwerte sind in Zeiten der Schuldenkrise und der Inflationsgefahren gefragt wie nie. Aber nicht nur Edelmetalle und Immobilien stehen in hohem Ansehen, sondern zunehmend auch alternative Sachwert-Investments. So brummt seit mehr als zehn Jahren der Markt für alte Traktoren.  mehr …

Rating-Schock: Deutschland kommt auch noch dran!

John Lanta

Freitag, der Dreizehnte? Überhaupt nicht. Auch kein neuer fieser Trick aus den USA, die ihr AAA-Rating mit Fug und Recht ja auch schon verloren haben. Vielmehr können wir davon ausgehen, dass die restlichen vier Euro-Länder ihre 3A-Bonität eher früher als später, ebenso wie gestern Frankreich und Österreich, verlieren werden, weil sie es redlich  mehr …

So kommen Sie als Anleger sicher durch die Krise!

Redaktion

Bestsellerautor Dr. Michael Grandt gibt in seinem neuen Ratgeber unersetzliche Tipps, wie Sie in Zeiten der Weltschulden- und Eurokrise Ihr Vermögen retten können und räumt gleichzeitig mit vielen Halbwahrheiten, Mythen und Lügen auf. Das Buch bietet einen hohen Nutzwert für alle, die nichts verlieren wollen.  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.