Saturday, 1. October 2016
24.01.2014
 
 

Tanz auf dem Vulkan: Banken-Crash ante portas?

Michael Brückner

Fast gewinnt man den Eindruck, wir lebten wieder in der besten aller Welten. Optimismus allenthalben. Doch in den Banken braut sich etwas zusammen: Europas Finanzinstitute brauchen noch viele Milliarden Euro, um zu überleben. Und in China trauen sich die Banker untereinander schon nicht mehr über den Weg. Offiziell redet keiner davon, aber alle fürchten ihn – den Banken-Crash 2.0.

Im mondänen Davos war die Welt wieder in Ordnung. In geziemendem Ambiente feierte dieser Tage die internationale Finanz- und Wirtschaftselite auf dem Weltwirtschaftsforum ihre Rettung auf Kosten von Steuerzahlern und Sparern. Die Euro-Krise? Abgehakt, hat Draghi voll im Griff. Die Bankenkrise? Kein Problem, notfalls werden die Bürger im Rahmen einer angeblich

alternativlosen Rettungsaktion ausgeplündert.

 

Und auch die dreiste Gier feiert wieder fröhliche Urständ. Ein besonders bizarres Beispiel: Zahlreiche Mitarbeiter der klammen BayernLB klagen gegen ihren Arbeitgeber und fordern ihre beamtenähnlichen Versorgungsprivilegien zurück. Rund 40 Banker machen nach Medienberichten zudem einen Rechtsanspruch auf Boni geltend, auf die sie in den Krisenjahren verzichten mussten. Zur Erinnerung: Nach riskanten Zockergeschäften war die BayernLB in eine gefährliche Schieflage geraten und konnte nur mit einer Finanzspritze des Landes Bayern – also auf Kosten der Steuerzahler – gerettet werden. Zehn Milliarden Euro kostete die Rettung dieses Instituts damals. Außerdem musste die Landesregierung Garantien für weitere drohende Verluste übernehmen. Noch heute befindet sich die BayernLB mehrheitlich im Eigentum des Freistaates.

 

Doch die Rückkehr von Gier und Großmannssucht ist gewiss kein Indikator dafür, dass die Bankenkrise überwunden wäre. Im Gegenteil: Wenn in den nächsten Monaten die Bilanzen von 130 Geldhäusern in Europa unter die Lupe genommen werden, droht neues Ungemach, im schlimmsten Fall sogar eine Bankenkrise 2.0 mit erhöhter Crash-Gefahr. Was das bedeutet, machte der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank und heutige Verwaltungsratschef der UBS, Axel Weber, in Davos deutlich: »Es werden wieder die Staaten sein, die den Banken frisches Geld geben müssen.« Die Finanzmärkte seien dazu jedenfalls noch nicht bereit. Nur: Den hochverschuldeten Staaten fehlt schlicht das Geld, um erneut Banken zu retten. Also bleibt nur, entweder neue Schulden zu machen, oder – was wahrscheinlicher ist – die Steuern zu erhöhen.

 

Weber steht mit seinen Warnungen vor einer neuen Bankenkrise nicht allein da. Vor Kurzem sorgte Professor Sascha Steffen von der Berliner European School of Management and Technology (ESMT) für Aufsehen. In einer Untersuchung kommt der Wirtschaftswissenschaftler zu dem Schluss, dass den europäischen Banken rund 770 Milliarden Euro an Eigenkapital fehlen, um künftige Finanzkrisen überleben zu können. Vor allem französische Geldinstitute bewegen sich auf sehr dünnem Eis. Ihnen fehlen der Untersuchung zufolge 285 Milliarden Euro. Auch viele deutsche und italienische Banken brauchen dringend mehr Geld. In Deutschland besteht in erster Linie bei den Landesbanken und der Commerzbank Kapitalbedarf. Viele dieser Institute haben sich mit Schiffskrediten verzockt. In Italien ist die traditionsreiche Bank Monte dei Paschi auf Hilfe angewiesen. In nur zwei Jahren häufte das älteste Geldinstitut der Welt (gegründet 1472) rund acht Milliarden Euro Verluste an. Die Folgen der Finanzkrise sowie Zockereien mit Derivaten führten die Bank an den Rand der Pleite.

 

Dabei ist nicht einmal sicher, welche Aussagekraft der geplante Stresstest haben wird. Um die Widerstandsfähigkeit eines Instituts einigermaßen verlässlich einschätzen zu können, reicht es nämlich nicht aus, nur die Finanzierungs- und Zinsrisiken zu analysieren. Manche wirtschaftlichen Zeitbomben haben nichts mit den Aktiva der Banken zu tun. Ein Beispiel hierfür sind anhängige oder zu erwartende Rechtsstreitigkeiten, wie sie nicht zuletzt der Deutschen Bank zu schaffen machen.

 

Wie es um ihre Finanzen wirklich steht, wissen natürlich die Bankmanager am besten. Viele von ihnen versuchen derzeit in hektischem Aktionismus, ihre notleidenden Kredite und Problemaktiva abzustoßen. Beides zusammen dürfte in diesem Jahr ein Volumen von 60 Milliarden Euro erreichen. Käufer finden sich zu Schnäppchenpreisen allemal, darunter die US-Finanzinvestoren Blackstone und Apollo. Sie greifen zu, wenn klamme Banken faule Kredite und problematische Objekte auf den Wühltisch der internationalen Finanzindustrie werfen. Nach Angaben der Beratungsgesellschaft PwC bekommen die Banken für ihre notleidenden Kredite mitunter gerade einmal fünf Cents pro einem Euro Nominalwert. Im vergangenen Jahr steckte allein Blackstone rund 3,3 Milliarden US-Dollar in notleidende europäische Hypotheken und Immobilien. Konkurrent Apollo ging mit 5,4 Milliarden US-Dollar auf Schnäppchenjagd.

 

Die Schweizer UBS verkaufte faule Anleihen in einem Umfang von 500 Millionen US-Dollar, die Commerzbank verscherbelte 14 Chemietanker an Oaktree Capital Management, um 280 Millionen Euro an faulen Schiffskrediten loszuwerden. Die verstaatlichte österreichische Hypo Alpe-Adria-Bank verkaufte sogar Yachten, Einkaufszentren und das Hotel Le Meridien Lav im kroatischen Split, die an Kreditsicherheiten eingezogen worden waren.

 

Die Situation in der europäischen Finanzindustrie mag schon brisant genug sein, doch was sich in den vergangenen Wochen im chinesischen Bankensektor abspielte, gibt Anlass zu höchster Beunruhigung. Anfang des Jahres kam es in China erneut zu einem Cash Crunch. Das heißt, die Banken kamen nicht mehr oder nur noch zu sehr hohen Zinsen an Geld. Auslöser hierfür ist grassierendes Misstrauen auf dem Interbankenmarkt. Sprich: Die Banken halten sich gegenseitig nicht mehr für uneingeschränkt kreditwürdig. Vorübergehend stiegen die Zinsen auf dem Interbankenmarkt auf bis zu zehn Prozent. Erst nach massiven Interventionen der chinesischen Notenbank PBOC beruhigte sich die Situation in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wieder.

 

Viele Beobachter fühlen sich bei solchen Nachrichten an den Ausbruch der Finanzkrise in den USA und Europa erinnert. Auch dort stiegen damals die Zinsen für Ausleihungen unter Banken dramatisch. Unabhängige Experten sprechen von einer »drastisch erhöhten Anspannung auf den Geldmärkten Chinas«. Wie es um die Stabilität der chinesischen Banken bestellt ist, kann jeder erahnen, der sich die atemberaubende Dynamik auf den Kreditmärkten vor Augen hält. Allein im vergangenen Jahr stieg das chinesische Kreditvolumen um 20 Prozent. Das heißt, es wuchs mehr als doppelt so schnell wie die Wirtschaft des Landes. Der Anteil der ausstehenden Kredite soll auf 215 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen sein.

 

Dass die beiden größten Volkswirtschaften der Welt auf unglaublichen Schuldenbergen sitzen, ist sicher nicht eben vertrauensfördernd. Die Bankenkrise 2.0 könnte noch verheerender ausfallen als die Finanzkrise nach der Lehman-Pleite.

 

 

 

 


 

 

 

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