Sonntag, 11. Dezember 2016
04.03.2013
 
 

Troika-Marionetten scheitern: Die Euro-Krise ist zurück

Michael Brückner

Die Wut wächst in den Krisenstaaten. Marionetten-Regierungen wie die von »Super-Mario« Monti (ehemals Goldman Sachs) werden abgewählt. Auch der Regierung in Madrid droht das vorzeitige Scheitern. Unter dem Motto »Zum Teufel mit der Troika« gehen in Portugal Hunderttausende auf die Straßen. Unterdessen hat sich das Krisenvirus in Frankreich und den Niederlanden eingenistet.

Für einige Wochen schien es, als hätten die Euro-Retter ganze Arbeit geleistet. Kein hektisches Krisenmanagement mehr, keine hypernervösen Märkte, kein drohendes Auseinanderbrechen der Euro-Zone. Stattdessen gerade in Deutschland haussierende Börsen, ein gutgelaunter EZB-Chef

und steigende Umfragewerte für die Bundeskanzlerin. Nicht zuletzt trugen auch die Mainstreammedien zur guten Stimmung bei. Sie schwärmten von der robusten deutschen Konjunktur und der jedwedem Krisengerede trotzenden Konsumlaune der Bundesbürger.

 

Doch dann meldete sich in Bad Ragaz im Schweizer Kanton St. Gallen der Ökonom und Buchautor Walter Wittmann zu Wort und warnte vor gefährlichen Illusionen. Die Krise sei lange noch nicht überwunden. Sie könne vielmehr noch zehn Jahre andauern, sagte Wittmann dieser Tage. Tatsächlich wurde – nüchtern betrachtet – keines der Probleme gelöst. Die Schuldenlast in den Krisenstaaten ist nach wie vor hoch, die Produktivität gering. »Die Probleme liegen nun einfach bei den Notenbanken. Diese sitzen auf explosiven Bilanzen und müssen die Anleihen der hoch verschuldeten Staaten irgendwann abschreiben«, stellt der Ökonom fest.

 

Und plötzlich steht es wieder im Raum – das Wort von der Währungsreform. »Die Berge von faulen Staatsanleihen bei den Notenbanken schwächen die Währungen – die Folge werden Währungsreformen sein. Die erste erwarte ich beim japanischen Yen«, sagte Walter Wittmann jetzt in einem Interview mit der Tageszeitung Die Südostschweiz. Zudem schwebe die Derivateblase wie ein Damoklesschwert über der Weltwirtschaft.

 

Keine Frage, die ungelöste Euro-Krise ist innerhalb weniger Tage wieder mit Vehemenz in das Bewusstsein vieler Menschen zurückgekehrt. Die vermeintlichen Euro-Retter haben die Schuldigen schnell ausgemacht: Die Italiener hätten mit ihrem Wahlergebnis die Märkte erneut verunsichert, hieß es. In der Tat war das Signal eindeutig: Rund 60 Prozent der Italiener stimmten letztlich gegen die EU in ihrer jetzigen Form.

 

Vor allem aber machten die Italiener deutlich, was sie von von außen oktroyierten Marionettenregierungen halten. »Super-Mario« Monti, seinerzeit offenkundig auf Druck Merkels und des später selbst gescheiterten französischen Präsidenten Sarkozy inthronisiert, erreichte ungeachtet massiver Wahlkampfhilfe aus dem Ausland gerade einmal zehn Prozent der Stimmen. Eindeutiger kann eine Absage nicht ausfallen.

 

In den anderen Krisenstaaten wächst die Wut ebenfalls. Die harten Sparprogramme stürzen die Staaten immer tiefer in die Rezession, während die Rettungsmilliarden auf die Konten der Gläubigerbanken fließen. Der Euro müsse gerettet werden, koste es, was es wolle. Es kostet nicht nur unvorstellbar viel Geld, sondern auch Millionen von Arbeitsplätzen in Europa. Die Situation ist bereits heute höchst explosiv. Nicht nur meteorologisch droht ein heißer Sommer.

 

Während das Bruttoinlandsprodukt Spaniens im ersten Quartal 2013 weiter schrumpft, liegt die offizielle Arbeitslosenquote bei mindestens 25 Prozent. Auch die Immobilienkrise scheint noch nicht überwunden. Unlängst meldete der Immobilienkonzern Reyal Urbis Insolvenz an. Die spanische Großbank Bankia – ebenfalls stark im Immobiliengeschäft tätig – berichtete vor Kurzem über einen atemberaubenden Verlust von rund 19 Milliarden Euro.

 

Im benachbarten Portugal ist die Lage ähnlich dramatisch. Das Land steckt in der tiefsten Rezession seit den 1970er Jahren, als Portugal nach der so genannten Nelkenrevolution innenpolitisch höchst turbulente Zeiten durchlebte und zeitweise sogar ins kommunistische Lager abzudriften schien. Heute ist es in erster Linie die Initiative »Zum Teufel mit der Troika«, die Hunderttausende von Menschen mobilisiert, um gegen die EU, die EZB und den Internationalen Währungsfonds (Troika) zu demonstrieren.

 

Auch in Griechenland wird die Regierung nur noch als willfährige Marionette der Troika wahrgenommen. Die Arbeitslosenquote ist auf knapp 30 Prozent gestiegen, bei den unter 24-Jährigen suchen sogar 62 Prozent einen Job. Inoffiziellen Schätzungen zufolge können sich rund 40 Prozent der Griechen keine Krankenversicherung mehr leisten. Krebskranke werden nicht mehr behandelt – es sei denn, das ehrenamtliche Gesundheitssystem springt ein, oder aber, die Patienten können ihre Therapie aus noch vorhandenen Ersparnissen bezahlen.

 

Derweil dringt das Krisenvirus aus dem Süden in den Norden vor. Die französische Neuverschuldung dürfte auch in diesem Jahr deutlich über drei Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Experten erwarten derzeit mindestens 3,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote könnte in den nächsten Wochen auf über elf Prozent klettern. Mit Rainer Brüderle warnte dieser Tage erstmals ein führendes Mitglied der Regierungskoalition vor einem »grandiosen Absturz« Frankreichs.

 

Sogar in den Niederlanden – bisher ähnlich wie Deutschland und Österreich scheinbar ein Fels in der Brandung – läuten die Alarmglocken. Der dortige Immobilienmarkt schlitterte in die tiefste Krise seit Jahrzehnten. Allein im vergangenen Jahr fielen die realen Immobilienpreise um rund sieben Prozent. Vielfach ist die Schuldenlast der Eigenheimbesitzer höher als der tatsächliche Wert ihrer Immobilien – ein gefährliches Pulverfass. Die Banken des Landes haben Hypothekendarlehen in einem Gesamtvolumen von 670 Milliarden Euro in ihren Büchern. Die viertgrößte Bank des Landes, die SNS Reaal, musste Anfang Februar für 3,7 Milliarden Euro verstaatlicht werden. Und Besserung ist nicht in Sicht. Laut einer aktuellen Prognose des Amtes für wirtschaftliche Analysen (CPB) wird das niederländische Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr weiter schrumpfen.

 

Der nächste Akt der Euro-Tragödie hat gerade erst begonnen.

 

 

 


 

 

 

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