Sonntag, 4. Dezember 2016
12.06.2014
 
 

Wie Draghi uns die Altersversorgung raubt

Michael Brückner

Die Finanzminister dürfen sich die Hände reiben: Nachdem Draghi den Schlussverkauf für Billig-Geld eröffnet hat, können die Staaten neue Schulden zum Schnäppchenpreis machen. Die Bürger aber stehen vor einem echten Dilemma: Entweder sie lassen sich durch Spareinlagen schleichend enteignen, oder sie investieren in spekulative Blasen. Auf der Strecke bleibt die private Altersversorgung. Die Politiker interessiert das nur mäßig. Denn für deren Renten werden bekanntlich die Steuerzahler abgezockt.

 

Waren das noch Zeiten: Wer früher bei einem durchschnittlichen Zinssatz von vier Prozent 100 000 Euro für 20 Jahre anlegte, durfte sich am Ende über fast 220 000 Euro freuen. Selbst nach Abzug von Inflation und Steuern blieb noch ein Nettogewinn zwischen 50 000 und 70 000 Euro – je nach persönlichem Steuersatz und der durchschnittlichen Inflationsrate. Der Zinseszinseffekt half dem Sparer, ein finanzielles Polster für den Ruhestand aufzubauen.

 

Wenn sich aber die Verzinsung nahe der Nulllinie bewegt, gibt es auch keinen Zinseszinseffekt mehr. In diesem Fall raubt sogar die offiziell geringe Inflationsrate den Sparern bares Geld. Selbst wenn es gelänge, die Inflationsrate in den nächsten zehn Jahren bei durchschnittlich zwei Prozent per annum zu halten, müsste ein Sparer, der heute 100 000 Euro einzahlt, am Ende über 121 900 Euro verfügen, um die heutige Kaufkraft seiner Ersparnisse zu erhalten. Mit den derzeitigen Minizinsen ist das kaum zu machen. Der Sparer verliert also beinahe 22 000 Euro.

 

 

Schon heute büßen die deutschen Anleger durch Draghis lockere Geldpolitik pro Jahr schätzungsweise 15 Milliarden Euro ein. Während die Pleitestaaten zu Super-Konditionen neue Schulden machen können, werden die Sparer ausgeplündert. Die Rücklagen für’s Alter schmelzen wie Schnee in der Sonne. »Der Zins- und Zinseszinseffekt kommen nicht mehr zustande. Deshalb werden wir uns darauf einstellen müssen, später etwas kleinere Brötchen zu backen«, räumt der Ökonom Markus Spiwoks ein. Man kann es auch zugespitzter formulieren: Extrawürste für die Pleitestaaten, Sparbrötchen für deutsche und österreichische Anleger.

 

Auch die einfachsten Grundregeln einer erfolgreichen Geldanlage sind längst außer Kraft gesetzt. »Lege nie alle Eier in ein Nest«, lautet eine dieser simplen Maximen. Doch Sparer und Anleger haben heute gar keine Möglichkeit mehr, eine möglichst breite Streuung für ihr Geld zu wählen. Sparkonten, Anleihen oder Lebensversicherungspolicen kommen in Zeiten der faktischen Nullzins-Politik nicht mehr in Betracht. Spekulative Produkte wie Genussscheine oder gar Derivate erscheinen zum Aufbau einer soliden Altersversorgung viel zu riskant.

 

Kein Problem, beruhigen uns die Mainstreammedien und die Aktienlobby. Hat nicht der Gipfelsturm des Dax gerade gezeigt, dass man an der Börse noch richtig Geld scheffeln kann? Und die Hausse soll weiter anhalten, sagen uns jene, die damit ihr Geld verdienen. Ihre Begründung: Es gebe keine Alternative in Zeiten extrem niedriger Zinsen.

 

Alternativlos? Das haben wir doch schon einmal gehört im Zusammenhang mit der Euro-Rettung. Und dann folgt die angeblich bewährte Faustformel: 100 minus Lebensalter = Aktienanteil im Vermögensportfolio. Ein 60-Jähriger hätte wenige Jahre vor seinem Ruhestand somit rund 40 Prozent seiner Rücklagen in Aktien angelegt.

 

Solche Empfehlungen sind nicht nur brandgefährlich und unseriös, sie sind geradezu kriminell. Denn angesichts der irrational überhitzten Märkte scheint ein Crash programmiert zu sein. Niemand weiß, ob er schon in den nächsten Wochen oder erst in einem Jahr kommen wird – aber er wird kommen. Wenn die Aktienkurse dann im Schnitt um 25 Prozent kollabieren sollten, was eine vergleichsweise günstige Annahme ist, bleiben einem Anleger von 50 000 Euro gerade einmal 37 500 Euro. Um diesen Verlust wieder auszugleichen, müssen die Aktienkurse um mehr als 33 Prozent steigen. 30- oder 40-Jährige, die nicht auf ihr Vermögen zugreifen müssen, können damit vielleicht leben. Ältere Menschen, die das Geld für ihren Ruhestand brauchen, haben jedoch keine Zeit, um viele Jahre auf die nächste Aktien-Hausse zu warten.

 

Doch was soll’s, wem Aktien zu gefährlich erscheinen, der kauft eben solides Betongold – und steckt sein Geld in völlig überteuerte und eiligst zusammengeschusterte Immobilien. Weil damit viel Geld zu verdienen ist, werden vielerorts neue Objekte förmlich aus dem Boden gestampft. Schnelligkeit geht vor Qualität. Seriöse Handwerker berichten über unglaublichen Baupfusch. Feuchtigkeits- und Wasserschäden, schadhafte Dächer und haarsträubende Mängel am Mauerwerk – das sind längst keine Ausnahmen mehr.

 

Viele Immobilieneigentümer trifft fast schon der Schlag, wenn nach zehn oder 15 Jahren fünfstellige Summen in die Beseitigung von Baupfusch investiert werden müssen. In größeren Eigentumsanlagen kann der finanzielle Aufwand schnell auch sechsstellige Größen erreichen, wenn etwa am Dach gepfuscht wurde. Den Gesamtschaden, der den deutschen Immobilieneigentümern durch Pfusch am Bau entsteht, beziffert die Stiftung Warentest auf jährlich 1,4 Milliarden Euro.

 

Und obendrein gibt es dann noch eine Baufinanzierung, die sich in Zeiten extrem niedriger Zinsen als gefährliches Pulverfass erweist. Wer heute ein Baudarlehen von 200 000 Euro zu 2,2 Prozent Zinsen p.a. und einer Standardtilgung von einem Prozent aufnimmt, hat nach zehn Jahren fast noch 178 000 Euro Schulden. Platzt bis dahin die Immobilienblase, kann der Verkehrswert der Immobilie schon mal um 20 oder 30 Prozent sinken – was nicht einmal ein Worst-Case-Szenario wäre.

 

Fazit: Wer bereits eine Immobilie besitzt und diese weitgehend oder komplett entschuldet hat, ist in einer vergleichsweise guten Position. Aber heute noch in überteuerte Objekte zu investieren in der Hoffnung, sich damit eine solide Altersversorgung aufzubauen, ist nicht mehr zu empfehlen.

 

In den 1990er Jahren hieß es noch: »Die Rende is sischäää.« Wenig später erfuhren die Bürger, dass die Rente eben nicht mehr sicher und private Vorsorge ebenso notwendig ist wie eine Betriebliche Altersversorgung. Kaum steckten die Bürger ihr Geld in Sparverträge und Policen, wurden die Sparerfreibeträge immer weiter abgesenkt und das Steuerprivileg der Lebensversicherung abgeschafft. Stattdessen drehte man den Bürgern die sogenannte Riester-Rente an, die sich für viele als Reinfall erwies. Und angesichts extrem niedriger Zinsen geraten auch die Betriebsrenten in Gefahr.

 

Es ist also gewiss keine Panikmache, wenn der Generalsekretär der OECD, José Ángel Gurría, warnt, Deutschland könne »in den nächsten Jahren ein erhebliches Problem mit Altersarmut bekommen«. Betroffen sind vor allem die heute 40- bis 60-Jährigen. Sie dürften die indirekten Folgen der angeblichen Euro-Rettung im Ruhestand deutlich spüren. Die dafür Verantwortlichen aber werden dann längst ein auskömmliches Rentnerdasein auf Kosten der Steuerzahler führen.

 

 

 

 


 

 

 


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