Island: Besitzer von Bankanleihen werden zur Kasse gebeten
Michael Grandt / Alexander Strauß
Es ist noch nicht lange her, da brach Islands Bankensystem zusammen. Doch anders als in Griechenland oder Irland mussten nicht nur die Steuerzahler die Zeche zahlen, sondern auch die Besitzer von Bankanleihen – mit Erfolg.
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Island zwang die Besitzer von Bankanleihen dazu, den Zusammenbruch des Banksystems mitzufinanzieren. Diese Entscheidung scheint sich auszuzahlen, denn die isländische Wirtschaft, die sieben Quartale in Reihenfolge kaum merklich wuchs, legte im dritten Quartal 2010 nun um 1,2 Prozent zu.
Im Oktober 2008 hatte die isländische Regierung die Kontrolle über die drei Großbanken des Landes übernommen und Notstandsgesetze erlassen. Durch ein Referendum legitimiert, hatte die isländische Regierung in Reykjavik bekannt gegeben, die Rückzahlung der Schulden, die einst das Elffache des gesamten Volkseinkommens ausgemacht hatten, zu verweigern.
Aber im Gegensatz zu Irland oder Griechenland ließ die isländische Regierung nicht nur den
Steuerzahler für die Schulden der heimischen Banken bezahlen. Stattdessen wurden auch die Besitzer von Bankanleihen durch drastische Reduzierungen ihres eingesetzten Kapitals zur Kasse gebeten, nachdem der gesamte Bankensektor durch riskante Auslandsinvestitionen über seine Verhältnisse gelebt hatte. Der isländische Präsident Olafur Grimsson hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, private Banken sich nun selbst zu überlassen und nicht mehr mit Steuergeldern zu unterstützen, weil der isländische Staat keine Verantwortung mehr für gescheiterte Banken übernehme. Damit ging Grimsson einen radikal anderen Weg als seine europäischen Amtskollegen, die immer neue Milliarden in ihre maroden Bankensysteme pumpen.
Islands Strategie war sogar noch revolutionärer: Nachdem linke wie auch rechte Ökonomen in ungewöhnlicher Einigkeit zu einer Restrukturierung der Rückzahlungen und eine Beteiligung der Anleihenbesitzer an den Bankenschulden geraten hatten, wurden die privaten Gläubiger ausnahmslos an den Verbindlichkeiten beteiligt und mussten zum Teil drastische Einbußen hinnehmen, was den Steuerzahler schonte.
Seit der Umsetzung dieses Vorhabens ist die Isländische Krone um ein Viertel ihres Wertes gefallen, was den Export des kleinen Inselstaates antreibt. Wie sich herausstellt, war die Rezession Islands bei Weitem schwächer und kürzer, als von Analysten des Internationalen Währungsfonds (IWF) befürchtet. Aber der Weg des Inselstaates ist noch lang und steinig, doch Islands Strategie, nicht nur den Steuerzahler, sondern auch die Gläubiger an den Milliardenverlusten der Zocker-Banken zu beteiligen, scheint aufzugehen.
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Quelle:
http://www.guardian.co.uk/business/2010/dec/07/iceland-exits-recession-third-quarter
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