Friday, 1. July 2016
16.11.2010
 
 

»Das ist zum Piepen komisch!« – Exklusiv-Interview mit Eva Herman

Michael Grandt

Die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman über die Arbeit der Mainstreammedien, die angebliche Meinungsfreiheit und ihre jetzige Zusammenarbeit mit dem Kopp Verlag.

 

Zur Person:

 

Eva Herman ist Journalistin, Autorin und Moderatorin. Sie war 18 Jahre Tagesschau-Sprecherin bei der ARD. Von 1997 bis 2007 moderierte sie neben zahlreichen ARD-Sendungen ihre eigene monatliche NDR-Talkshow Herman und Titjen und sieben Jahre lang die Kult-Quizshow Wer hat’s gesehen?.

 

Eva Herman wurde mehrmals zur beliebtesten Moderatorin Deutschlands gekürt, sie ist Autorin mehrerer Bücher. Ihr Bestseller Dann kamst Du wurde von der ARD verfilmt. Mit dem Buch Das Eva-Prinzip (2006) stürmte sie unmittelbar nach Erscheinen die Bestsellerlisten und entfachte eine deutschlandweite Debatte. Ihr darauffolgendes Sachbuch Das Prinzip Arche Noah führte zu einem Eklat: Ihre Aussagen wurden von den Medien verfälscht, Eva Herman verlor ihren NDR-Job, ein Besuch in der ZDF-Kerner-Sendung endete mit einem weiteren Skandal. Ihre Erfahrungen mit den Medien hat sie in ihrem neuesten Buch Die Wahrheit und ihr Preis, das im Kopp Verlag erschienen ist, veröffentlicht. Eva Herman lebt in Hamburg, ist verheiratet und hat einen Sohn.

 

 

Michael Grandt: Sie waren 18 Jahre lang Tagesschau-Sprecherin bei der ARD und haben zahlreiche ARD-Sendungen moderiert. Sie sind also ein fester Bestandteil der öffentlich-rechtlichen Mainstreammedien gewesen. Jetzt arbeiten Sie für den Kopp Verlag, der sich gegen den Mainstream wendet. Was sind die größten Unterschiede?

 

Eva Herman: Hätte man mir diese Frage vor fünf Jahren gestellt, wäre die Antwort sicher anders ausgefallen als heute. Denn ich war damals noch weitgehend der Überzeugung, in einem freien, gerechten und journalistisch verantwortungsvollen System zu arbeiten. Diese Sicht hat sich inzwischen geändert. Heute wünschte ich mir, ich hätte im Laufe der fast 20 Jahre zurückliegender Nachrichtentätigkeit bei der Tagesschau nicht immer alles ungeprüft hingenommen und verkündet, sondern öfter mal genauer hingeschaut. Allein die Berichterstattung über den Irakkrieg mit allen seinen üblen Folgen bis zum heutigen Tage bereitet mir heute nicht selten Bauchschmerzen. In anderen Ländern, wie den USA oder Großbritannien, wird inzwischen offen darüber gesprochen, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen besaß – in Deutschland schweigen sich die Medien weiter aus. Ich musste erst lernen, selbst zu prüfen und mir einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Jetzt bin ich in der glücklichen Lage, ohne Scheuklappen recherchieren und berichten zu können. Welch ein Luxus. Zwar werde ich von manchen Leuten als »politisch unkorrekt« bezeichnet, doch werden diese eines Tages vielleicht ebenso wie ich die Chance haben, mehr zu erkennen, als nur den schmalen, erlaubten Ausblick.

 

Michael Grandt: Waren Sie bei Ihrer früheren Tätigkeit an Weisungen »von oben« gebunden bzw. hat man die Nachrichten im Sinne der politischen Ausrichtung des Senders oder Wünsche der Politik »frisiert«?

 

Eva Herman: Als Tagesschau-Sprecherin habe ich nicht journalistisch gearbeitet, sondern genau das vom Blatt abgelesen, was die Nachrichten-Redakteure darauf gedruckt hatten. Welcher von den Mitarbeitern wie viel auf wessen Weisung in welche Richtung frisiert haben mochte, vermag ich nicht zu sagen. Der Begriff »frisieren« ist ja dehnbar wie Kaugummi. Es fängt bereits bei der Nachrichtenauswahl an. Weiterhin kommt es darauf an, wen man in welchem Zusammenhang zitiert und wen eben nicht. Man kann sich entscheiden, bestimmte Informationen zu bringen und andere, die vielleicht in gewissen Zusammenhängen relevant wären, zu unterdrücken. Allein hier kann man ganz konkrete Richtungen verfolgen, wenn man dies tatsächlich beabsichtigt. Diese Form der eher subtileren Manipulation kommt sicher täglich und überall vor.

 

Michael Grandt: Gibt es Ihrer eigenen Erfahrungen nach die viel zitierte und im Grundgesetz verankerte Meinungs- und Pressefreiheit?

 

Eva Herman: Ich würde hier voll und ganz das unterstützen, was der Berliner Tagesspiegel-Journalist Harald Schumann kürzlich über die Medien im Allgemeinen sagte. Er übte scharfe Kritik an der viel gepriesenen Pressefreiheit deutscher Medien. Er betonte, wenn Journalisten einen Bericht hervorragend recherchiert und geschrieben hätten, sei es noch lange nicht so, dass er dann automatisch auch so im Blatt erscheine. Vielmehr würden die Berichte sehr häufig zurechtgebogen, wenn der Inhalt den jeweiligen Gesinnungen, Absichten und Interessen ihrer Vorgesetzten nicht entspreche. Die Kollegen dürften sehr häufig nicht die Wahrheit schreiben. Das habe er selbst viele Jahre am eigenen Leibe beim Spiegel erlebt und wisse es auch aus anderen Redaktionen. Die Wahrheit werde oft verbogen, weil Chefs und Verleger ihre eigene Weltsicht widergespiegelt sehen wollen. Er vermisse die innere Pressefreiheit, so der Wirtschaftsjournalist. Das ist doch ein klares Wort! Es ist immer wieder belustigend, mit welcher Empörung hierzulande über die fehlende Pressefreiheit Chinas oder Russlands berichtet wird. Und was ist hier los? Hier werden jene, die öffentlich die Wahrheit sprechen, mit Schimpf und Schande durchs Land gejagt, man denke nur an Thilo Sarrazin oder aktuell an die deutsche Bundesfamilienministerin. Es gibt ein paar politisch überkorrekte Sheriffs vom Dienst wie Alice Schwarzer oder Renate Künast. Wehe, da geht ein Wind in die antifeministische Ecke: Der Empörungsschrei schallt durchs ganze Land, die Bandagen werden immer gnadenloser. Es muss eine tief sitzende Angst sein, die Wahrheit könne doch langsam ans Licht kommen. Die gespielte Betroffenheit, mit der Journalisten und Bürger aufgehetzt werden, nervt jedoch glücklicherweise zunehmend immer mehr Menschen. Die Bürger der ostdeutschen Bundesländer kennen sich da, ehrlich gesagt, viel besser aus. Aufgrund 40 langer Jahre Leidens durch Medienmanipulation, Politpropaganda und Überwachung erkennen sie die Mechanismen schneller, die sich derzeit mit rasender Geschwindigkeit im Land verbreiten. Die Wessis allerdings träumen vielfach immer noch davon, in einem System von Meinungs- und Pressefreiheit zu leben. Das ist zum Piepen komisch!

 

Michael Grandt: Glauben Sie, dass unsere Mainstreammedien ihrem Auftrag nach sachgerechter Information der Bürger noch gerecht werden?

 

Eva Herman: Nein, das glaube ich schlicht und einfach nicht! Es herrschen Denkverbote und Tabus, die tunlichst nicht durchbrochen werden sollten. Wenn doch, knallt es! Die meisten Medienvertreter, Chefredakteure wie auch ihre weisungsgebundenen Mitarbeiter, krallen sich an ihren wackeligen Stühlen fest, um bloß im Spiel zu bleiben. Sie verbiegen sich und schreiben und berichten notfalls auch die Unwahrheit, um nicht gefeuert zu werden. Wer will schon im Hartz-IV-Schicksal enden in diesen unsicheren Zeiten? Fast alle Redaktionen bauen jedes Jahr mehr Arbeitsplätze ab, der klassische Journalismus neigt sich seinem Ende zu. Das spüren Redakteure und Reporter natürlich. Wer heute noch vorbehaltlos Zeitung liest und ungeprüft Nachrichten schaut sowie alles treuherzig glaubt, ist nicht mehr zu retten. Er wird sich nie ein Bild machen können und ist als Gesprächspartner untauglich.

 

Michael Grandt: Gibt es Ihrer Einschätzung nach Themen, die Mainstreammedien scheuen oder über die gar nicht berichtet wird?

 

Eva Herman: Aber natürlich, ganz klar gibt es diese Tabuthemen. Sarrazin und Ulfkotte sind Eisbrecher der Nation. Sie haben lang gehütete Denk- und Sprechverbote in Sachen unkontrollierte Zuwanderung gesprengt! Auch ich bin in der Situation, als Tabubrecherin zum Thema Feminismus und Gender Mainstreaming durchs Land gepilgert zu sein. Die Quittung: Ich wurde ebenso von der Platte geputzt. Damals tat es weh, heute danke ich dem Himmel dafür. Denn er hat mich aus der Medienmeute herausgelöst und mich auf das freie Feld, direkt unter den blauen Himmel, gestellt. Ich bin sehr glücklich, beim Kopp Verlag arbeiten zu können. Hier sind einige Leute beschäftigt, die Format, Wissen, Mut und geistige Beweglichkeit haben. Der Verleger selbst ist allen sicher ein großes Vorbild, denn er lebt genau nach seinem freien Geist und ohne jedwede Gehirn- und Denkblockaden. Wenn es neue Themen gibt, bei denen die politisch-korrekten Mainstreammedien-Vertreter in aller Regel nervös abwinken würden, lehnt man sich hier in Ruhe zurück und sagt: Erzähl mal. Dann wird zugehört, recherchiert und geprüft, und erst dann traut man sich eine erste Einschätzung der Lage zu. Niemand wird hier mit vorgefertigten Gedanken einen Artikel zusammenschreiben und die Leser täuschen. Natürlich nimmt diese Art, zu arbeiten, mehr Zeit in Anspruch, als einfach ein paar Agenturmeldungen abzutippen und eine reißerische Schlagzeile oben drauf zu montieren, aber man schaut dabei jeden Morgen fröhlich in den Spiegel und freut sich.

 

Michael Grandt: Werden und wurden Sie wegen Ihrer Mitarbeit beim Kopp Verlag schon angegriffen?

 

Eva Herman: Ja, leider geschieht das hin und wieder. Die fruchtbarste Zeit für diesen außergewöhnlichen Verlag kommt erst noch, sie steht kurz bevor. Immer mehr Journalisten wollen nicht mehr unter dem Druck der Denkverbote arbeiten, immer häufiger kommen deutliche Signale in unsere Richtung. Der Kopp Verlag ist ein Unikat, hier wird Pionierarbeit geleistet. Pionierarbeit in Sachen Mut und Wahrhaftigkeit! Und jetzt dürfen Sie dreimal raten, von wem ich zumeist angegriffen werde? Klar, von einem Großteil der politisch-korrekten Mainstreammedien-Vertreter, den Gutmenschen der Nation. Es ist abenteuerlich, was sie dem Kopp Verlag schon alles unterjubeln wollten: Ein rechter Verlag sollte er sein, ein Verschwörungs-Verlag usw. Dieser Verlag ist jedoch in Wirklichkeit nur eins: unabhängig. Und das stört eine ganze Menge sogenannter Journalisten. Vielleicht, weil sie selbst tagein, tagaus vorgegebene Melodien pfeifen müssen, die ihnen, wie man immer häufiger hört, längst zum Halse heraushängen? Weil viele von ihnen unfrei sind? Diese Leute haben sich die Finger wund geschrieben, warum der Kopp Verlag angebliche Verschwörungstheorien verbreiten würde: weil er schon Ende des vergangenen Jahrhunderts vor einer weltweiten Börsenkrise warnte – bis sie Anfang 2000 schließlich kam. Die Autoren des Kopp Verlags warnten vor der Einführung des Euro – heute wissen wir, warum. Auch dafür mussten sie sich den Verschwörungsvorwurf gefallen lassen. Ob es dämpfende Worte und ernste Warnungen in der weltweiten Obama-Euphorie waren, oder die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Iraks, über die die Tagesschau hoch und runter berichtete, die es jedoch nach heutigem Kenntnisstand niemals gab, ob es die pharmagesteuerte, weltweite Schweinegrippe-Impfung oder die aktuelle Weltfinanzkrise waren, immer warnte der Kopp Verlag rechtzeitig – und immer wurde er als Verschwörungsbecken bezeichnet. Dass die Dinge alle eintreffen, darüber muckt keiner mehr auf. Mir ist längst klar, dass man bei dem Verschwörungsbegriff enorm aufpassen muss: So wie unliebsame Thesen zur Familien- und Migrantenpolitik nicht selten mit »Naziparolen« in einen Topf geworfen werden, so bemühen sich die politisch korrekten Kollegen, die in Wahrheit unter dem ausgelatschten Medienpantoffel stehen, früh erkannte Wahrheit als »Verschwörungstheorien« vom Tisch zu kriegen. Das gelingt ihnen zum Glück allerdings immer seltener, denn die Menschen im Land erkennen nicht erst seit der Affäre »Sarrazin«, wie der Hase läuft. Der Geist der Wahrheit bricht allmählich durch! Die Dinge im Land ändern sich. Das Leben antwortet.

 

Michael Grandt: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

 


 

Publikationen von Eva Herman im Kopp Verlag:

 

 

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