Samstag, 19. August 2017
26.08.2011
 
 

»Wenn die Krise weitergeht, wäre auch Deutschland pleite«

Michael Grandt

Euro-Bonds als Allheilmittel für die europäische Schuldenkrise? Für Deutschland jedenfalls wären sie die schlechteste Lösung. Experten warnen deshalb schon im Vorfeld vor einer Pleite der Bundesrepublik im Falle der Einführung.

Natürlich lehnt Angela Merkel es bis heute ab, Eurobonds einzuführen, weil nach Umfragen 76 Prozent der Deutschen dagegen sind.* Doch nicht einmal mehr die regierungstreue Mainstreampresse glaubt der Bundeskanzlerin noch. Zu oft hat sie während der Euro- und

Schuldenkrise schon ihr Wort gebrochen. Auch die aktuellen Äußerungen »Euro-Bonds sind nicht die richtige Antwort auf die Krise in Europa« von Merkel und »Wir lehnen dies einhellig ab« ihres Generalsekretärs Hermann Gröhe klingen nicht wirklich glaubwürdig. Jeder erwartet ein erneutes Einknicken.

Seltsamerweise ist die Opposition da schon ehrlicher, auch wenn dies zulasten der deutschen Steuerzahler geht. Für SPD und Grüne sind die Euro-Bonds das »einzig effektive Instrument« und »der beste, nachhaltigste und günstigste Weg aus der Schuldenkrise«, so die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, der man mit dieser Aussage nicht gerade wirtschafts- und finanzpolitischen Sachverstand bestätigen kann. Denn: Mit der Einführung der Bonds fiele bei den hoch verschuldeten Staaten der Druck weg, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen. Zwar würden die EU-Anleihen die Refinanzierungskosten der schlecht wirtschaftenden Länder verringern, aber für produktivere Staaten wie Deutschland, Österreich, die Niederlande und Finnland würden sich diese Refinanzierungskosten erhöhen.

Die Nachteile von Euro-Bonds:

 

  • Schwache Staaten werden mit der gemeinsamen Bonität finanzstarker EU-Länder gestützt, was nicht gerade zur Verbesserung derer Haushaltspolitik führen dürfte.
  • Eine gemeinsame Haftung entlässt die Schuldner aus der Verantwortung.
  • Die Kosten für die Steuerzahler wären gigantisch: bis zu 1.400 Euro je Bundesbürger pro Jahr.**
  • Die Rating-Bestnote für Deutschland wäre gefährdet.
  • Eine Transferunion ist von den Bürgern nicht gewünscht und würde noch mehr zur Ablehnung der EU führen.
  • Durch die leichten Kredite würde die Inflation steigen, die wiederum Lohnsteigerungen herbeiführen könnte, was die Wettbewerbsfähigkeit gerade jener Staaten schwächen würde, die ein Wirtschaftswachstum brauchen.
  • Mit Euro-Bonds würde das Schuldenmachen nicht aufhören, sondern sogar noch verstärkt werden.
  • Durch die Geldschwemme könnten neue Blasen im Immobilien- und Finanzsektor entstehen.
  • Jedes Land wäre von der Kreditwürdigkeit her »gleich«, egal wie effektiv es wirtschaftet.
  • Euro-Bonds könnten die Finanzmärkte also nervöser machen, anstatt sie zu beruhigen.
  • Abgeordnete, die eigentlich deutsche Interessen vertreten sollten, müssten dann auch griechische, italienische oder andere europäische Interessen vor ihren Wählern vertreten.

 

Für mich sind Euro-Bonds also eine Scheinlösung, die das Sterben des Euro-Patienten nur in die Länge ziehen wird. Daniel Gros, der Direktor des Brüsseler Centre for European Policy Studies (CEPS) brachte das Dilemma gegenüber der Welt am Sonntag (Ausgabe 34 vom 22.08.2010) auf den Punkt: »Wenn Euro-Bonds eingeführt werden und die Krise trotzdem weitergeht und Italien und Spanien den Euro verlassen müssten, wäre auch der deutsche Staat pleite.«

 

* Dies ergab die neueste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid (vgl. Handelsblatt vom 23.08.2011)

** Welt am Sonntag vom 21.08.2011

 

 


 

 

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