Thursday, 17. May 2012
17.08.2011
 

2011 = 2008: Weltwirtschaftskrise?

Michael Grandt

Die Situation an den Aktienmärkten der vergangenen Wochen bewertete EZB-Präsident Trichet als »schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg«. Dennoch wird die Lage von sogenannten »Experten« (wieder einmal) schöngeredet.

 

Kommt eine neue Weltwirtschaftskrise auf uns zu? »Nein«, meinen »Experten«, da man die jüngsten Aktienkursstürze nicht überbewerten dürfe. Wirklich?

Innerhalb von nur zwei Wochen hatten die an den Börsen notierten Unternehmen weltweit rund acht Billionen (!) US-Dollar an Marktkapitalisierung verloren. Dies entsprach fast 15 Prozent ihres Wertes.

Das DAX-Hoch betrug am 1. August 2011 7.224,63 Punkte, am 5. August rutschte er auf 6.236,16 Punkte, verlor also knapp 1.000 Punkte. Panik ging um. Alle wollten raus aus deutschen Aktien, weil sie die Gewinne der vergangenen Monate noch sichern wollten. So rutschte der DAX immer

weiter in die Tiefe, der Markt drehte durch. Investoren flüchteten in Bargeld und deutsche Staatsanleihen, in den USA ging es weiter, denn auch dort rauschten die Kurse in die Tiefe. Eine solche schwarze Serie erlebten die Anleger zuletzt 1987. Der Markt reagierte in »Panik« und Computerprogramme, die beim Unterschreiten bestimmter Kursschwellen Verkäufe generierten, verstärkten die Schwankungen auch noch. Anleger verkauften so viele Aktien, dass die Banken mit Bargeld überschwemmt wurden. Selbst EZB-Präsident Trichet bewertete den Börsenabsturz als »schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg«.

 

Die Turbulenzen resultierten aus Konjunktursorgen und den dramatischen Schuldenproblemen in den USA und in Europa. Eigentlich sollten die Staaten ihre Schulden abbauen, aber ein weltweiter Konjunkturaufschwung ist nicht in Sicht, stattdessen geht die Angst vor einer Rezession und neuen Staatspleiten um.

Kann es 2011 also wieder zu einer Weltwirtschaftskrise kommen, so wie im Jahr 2008? Auch damals stellten hohe Verbindlichkeiten die zentrale Ursache dar und es gab eine hohe Anfälligkeit systemrelevanter Banken. Damals waren die Schulden des Privatsektors das Problem, heute die hohen Staatsschulden. Dies ist meiner Ansicht nach noch gefährlicher, denn die meisten Banken maroder EU-Staaten müssen sich Geld von der EZB leihen, weil sie auf dem freien Kapitalmarkt keines mehr erhalten. Die Lage ist so bedrohlich, dass die Europäische Zentralbank nun wieder Anleihen aufkauft, sogar von Italien und Spanien. Ein Tabubruch, der mittelfristig sogar zu einer Inflation führen könnte. So werden die Risiken immer mehr auf den Steuerzahler übertragen.

Wenn die Unsicherheit an den Finanzmärkten weiter steigt, kann diese sehr schnell auf den Unternehmenssektor übergreifen. Jetzt schon flaut die Konjunktur weltweit ab und Experten rechnen mit einer Drosselung der Wachstumsdynamik.

Was noch gefährlicher ist als 2008: Die Politik ist am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt, denn die Staatskassen sind leer und die Leitzinsen bereits im Keller. Die Regierungschefs sehen in Eurobonds, also gemeinsame Anleihen, für die alle Euro-Staaten haften, die letzte Hoffnung. Doch dieser Schuss kann schnell nach hinten losgehen und die schöngeredete Schuldenkrise um ein Vielfaches verschlimmern.

 

 


 

 

 

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