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Eine Anleihe (Bond) ist eine Art Schuldverschreibung. Der Käufer (Gläubiger) einer Anleihe »leiht« einem Unternehmen (Unternehmensanleihe), einer Bank (Bankanleihe) oder einem Staat (Staatsanleihe) Geld. Es wird der Zeitpunkt festgelegt, wann das Geld (mit Zinsen) zurückbezahlt werden muss. Der Gläubiger muss die Anleihe aber nicht bis zur Fälligkeit behalten, sondern kann sie auch vorher an der Börse verkaufen. Anleihen sind also ein klassisches Instrument, um
Fremdkapital ohne Bereitstellung zusätzlicher Sicherheiten (wie etwa bei einem Bankkredit) zu beschaffen.
Schon im 14. Jahrhundert liehen sich die italienischen Stadtstaaten Geld bei ihren Bürgern, damit sie Kriege führen konnten. Das Prinzip der Anleihe war geboren, aber auch das der Staatsverschuldung, denn um neue Kriege bezahlen zu können, lösten die Stadtstaaten einfach ihre alten Anleihen mit immer neuen ab. So wurden also Schulden mit Schulden bezahlt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Zunächst einmal verschulden sich Bund und Länder dadurch, dass sie Anleihen verkaufen, die sogenannten Bundes- und Länderanleihen oder Staatsanleihen. Jeder Bürger und jedes Unternehmen im In- und Ausland kann diese Schuldverschreibungen kaufen. Das geht direkt beim Staat oder durch eine dazwischengeschaltete Bank.
Bei der Ausgabe von Staatsanleihen findet ein auktionsähnliches Verfahren statt, in dem die Bank den Zuschlag erhält, die vom Ausgeber der Anleihe den niedrigsten Zins verlangt. Dabei muss sich die Bank dazu verpflichten, die gesamte Anleihe zu übernehmen. Da die Beträge auch Milliardengrenzen übersteigen können und das Volumen für eine einzelne Bank zu hoch wäre, bilden sich Konsortien, Koalitionen oder ganze Bietergruppen.
2010 wurden laut Finanzagentur kurzlaufende deutsche Geldmarktpapiere über knapp 5,7 Billionen Euro umgesetzt. Für Zinspapiere mit einer Laufzeit von drei Monaten bis 30 Jahren stehen gegenwärtig über 1,1 Billionen Euro aus. Nur allein für die Anschlussfinanzierung für auslaufende Zinspapiere muss Deutschland jedes Jahr rund 270 Milliarden Euro aufbringen.
Am 26. September 2011 fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf ein historisches Tief von 1,64 Prozent bei einer Inflationsquote von rund 2,5 Prozent. So boten/bieten Bundesanleihen also nicht einmal mehr einen Inflationsausgleich. Real (Zins abzüglich Inflationsrate) sind die Bonds also unverzinst, ja schlimmer noch, negativ verzinst.
Riskant sind vor allem die »Langläufer«, die erst in 30 oder noch mehr Jahren vom Bund zurückgezahlt werden sollen. Das jedenfalls meinen Experten und geben dafür folgende Gründe an: Die Bevölkerungsstruktur wird sich bis 2040 stark verändern. Die Quote der Menschen im erwerbsfähigen Alter wird hierzulande nur noch bei 45 Prozent liegen, so prognostiziert die UN. Derzeit liegt sie bei rund 53 Prozent. Aber wer soll dann die Schulden bedienen? Freuen kann sich der Halter dieser Bonds auch nicht, wenn die Rendite steigt. Denn wenn dieser Anstieg nur ein Prozent betragen würde, verliert die 30-jährige Bundesanleihe 14 Prozent an Wert und der Bund hat rund 17 Milliarden Euro an Mehrbelastung. Denn der EZB wird in Zukunft nichts anderes übrig bleiben, als die Leitzinsen zu erhöhen, um die steigende Inflation in den Griff zu bekommen. Eine steigende Rendite bedeutet aber auch, dass es für den deutschen Staat immer teurer werden wird, sich auf den internationalen Finanzmärkten Geld zu leihen.
Grund dafür sind die vielfältigen Garantieübernahmen des deutschen Staates: für Griechenland bis zu 22 Milliarden Euro, für das Irland-Rettungspaket zehn Milliarden Euro, für Portugal 14,5 Milliarden Euro und für den EU-Rettungsschirm 123 Milliarden Euro. Dazu kommen noch viele Milliarden Euro für die Rettung der eigenen Banken. Je stärker also der europäische
Rettungsschirm beansprucht wird, umso kritischer werden die Anleger den Hauptbürgen – also Deutschland – bewerten. Dazu kommt auch noch die Angst einiger Investoren, dass sich die bisher hohe Qualität deutscher Anleihen durch die vielen Rettungsmaßnahmen immer mehr verwässern könnte.
Sollte das EU-Hilfspaket tatsächlich in vollem Umfang abgerufen werden, wird sich die Wahrnehmung der Investoren deutlich verändern. Das Risiko, das Deutschland auf sich genommen hat, würde dann in die Kurse eingepreist. Wie schnell das gehen kann, zeigte die Reaktion der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P), die auch Deutschland ins Visier nahm. Ende September 2011 warnte sie davor, dass eine Ausweitung des EU-Rettungsschirms EFSF sich negativ auf die deutsche Kreditwürdigkeit auswirken könnte. Die Begründung klang ernst: »Man erreiche den Punkt, wo der Garantie-Ansatz an seine Grenzen stoße«, hieß es. S&P warnte Deutschland ausdrücklich davor, die eigene Wirtschaftskraft zu überschätzen. Die Erweiterung des Rettungsschirmes von 440 auf 780 Milliarden Euro mit einer deutschen Haftung von insgesamt 211 Milliarden Euro stand dabei im Mittelpunkt der Einschätzung der Ratingagentur.
Am 12. Oktober 2011 fanden denn auch 30-jährige Bundesanleihen nicht mehr so viele Abnehmer, wie nötig gewesen wären. Bei einer Aufstockung um zwei Milliarden Euro gaben die Banken nur Kaufgebote über 1,78 Milliarden Euro ab. Kein gutes Zeichen.
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Quellen:
- Sebastian Grebe/Sascha Grundmann/Frank Philipps: Crashkurs Börse, Kulmbach 2008, S. 47
- Handelsblatt vom 19.08.2011, 22.09.2011, 27.09.2011, 28.09.2011, 13.09.2011
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