Thursday, 25. August 2016
29.03.2011
 
 

Bundesagentur für Arbeit lockt Arbeitslose ins Ausland

Michael Grandt

Das »Märchen« vom Fachkräftemangel wird von der Politik, Arbeitgeberverbänden und Unternehmen mantragleich wiederholt. Doch ausgerechnet die Bundesagentur für Arbeit will deutsche Arbeitslose ins Ausland schicken.

»Uns gehen die Fachkräfte aus«, mahnen Unternehmen, Arbeitgeberverbände und Politiker aller Couleur seit Monaten. Es gibt heftige Diskussionen landauf und landab. N-TV-online trieb die Hysterie am 21. Januar dieses Jahres auf die Spitze: »Deutschland hat ein Problem: Weil die Zahl der Deutschen abnimmt und die Menschen immer älter werden, werden hierzulande bald 6,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen (…).« Und auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) warnt vor »drastischen Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Deutschland«, wenn der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften dauerhaft nicht gedeckt wird.

Beinahe paranoid mutet es daher an, wenn ausgerechnet jene Bundesagentur (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung) dann deutsche Arbeitslose ins Ausland locken will. Mit großem logistischen Aufwand und Einsatz versucht man, Menschen für die Arbeit außerhalb Deutschlands zu interessieren. So verschickt die BA beispielsweise Anschreiben mit folgendem Text an Arbeitslose:

 

 

»Arbeiten in Österreich – Jobbörse (…)

 

Sehr geehrter (…),

 

haben Sie schon einmal daran gedacht, vorübergehend im Ausland zu arbeiten? Eine Arbeitsaufnahme im Ausland bietet die Möglichkeit, Arbeitslosigkeit zu beenden, neue berufliche Erfahrungen zu sammeln und später die Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu erhöhen.

 

Wir bieten lhnen die Möglichkeit, sich am (…) im Berufsinformationszentrum (BlZ) der Agentur für Arbeit (…) bei österreichischen Personaldienstleistern vorzustellen und sich in Vorträgen zu Lebens- und Arbeitsbedingungen im Ausland zu informieren (...).

 

Bei lnteresse melden Sie sich bitte telefonisch oder per E-Mail bei uns an.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

lhr Team der ZAV Auslandsvermittlung«

 

 

Ein Informationsblatt mit folgendem Inhalt liegt dem Schreiben bei:

 

 

»Arbeiten in Österreich – Jobbörse (…)

 

Nutzen Sie die Chance, sich auf der Jobbörse der ZAV Auslandsvermittlung (…) bei mehreren Personaldienstleistern aus Österreich persönlich vorzustellen und sich in Vorträgen zu Lebens- und Arbeitsbedingungen im Ausland zu informieren.

 

Gesucht werden folgende Berufe (m/w):

Steinmetz, Bauklempner, Maurer, Trockenbauer, Beton- und Stahlbetonbauer, Betonstahlbieger, Zimmerer, Einschaler, Schalungszimmerer, Dachdecker, Tiefbaufacharbeiter, Fassadenmonteure, Hallenbaumonteur, Sonnenschutzmonteure, Estrichleger, Verputzer, Stuckateur, Maler und Lackierer, Maschinenschlosser, Baumaschinenmechaniker, Zweiradmechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Drehkranführer, Baugeräteführer, Berufskraftfahrer, Fassadenreiniger, Montiererhelfer, Produktionshelfer, Metallhilfsarbeiter, Bauhelfer, Gärtner, Bäcker, Fleischer, Fachverkäufer Nahrungsmittel, Buchbinder, Servicekraft Schutz und Sicherheit, Schornsteinfeger, Raumausstatter, Zimmermädchen, Kellner.

 

Bitte Bewerbungsunterlagen in mehrfacher Ausführung mitbringen!«

 

 

Was aber sind »Fachkräfte«? Oftmals verwechselt wird dieser Begriff mit den Berufen wie Ingenieur, Arzt, Rechtsanwalt oder ähnlichen. Tatsächlich aber werden Fachkräfte folgendermaßen definiert: »Eine Fachkraft ist allgemein eine Person, die eine gewerbliche, kaufmännische oder sonstige Berufsausbildung erfolgreich absolviert hat.« Gemeint sind also genau jene, die die BA ins Ausland schicken will. Doch Menschen mit diesen Kenntnissen werden in manchen Regionen Deutschlands händeringend gesucht. Gerade in Kleinstädten im Süden der Republik suchen viele Bäcker, Fleischer und Handwerker verzweifelt nach Nachwuchs oder Verstärkung. Doch anstatt die Arbeitslosen an jene Betriebe zu vermitteln, versucht die BA offensichtlich ihre Statistik zu beschönigen, indem sie ihre »Kunden« ins Ausland locken will.

 

 


 

 

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