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Wem würden Sie im privaten Bereich Ihr Geld borgen? Ich nehme an, demjenigen, dem Sie vertrauen und von dem Sie wissen, er wird den »Kredit« samt Zinsen zurückbezahlen. Aber würden
Sie auch jemandem Ihr Geld leihen, der bereits so viele Kredite aufgenommen hat, dass er schon alleine für die Bezahlung der Zinsen einen neuen Kredit von Ihnen verlangt, weil seine Einnahmen dafür nicht mehr ausreichen? Nun, das ist, vereinfacht ausgedrückt, das Prinzip von Staatsanleihen.
Jetzt warnen Experten vor der nächsten großen Blase, die sich gerade bei Staatsanleihen von vermeintlich solventen Schuldnern wie etwa Deutschland entwickelt. Der Grund für die Blasenbildung: Viele Investoren fürchten Zahlungsausfälle von maroden europäischen Staaten wie Griechenland, Irland oder Portugal und kaufen stattdessen lieber deutsche Staatsbonds.
Doch Vorsicht: Riskant sind vor allem die »Langläufer«, die erst in 30 oder noch mehr Jahren vom Bund zurückgezahlt werden sollen. Auch dafür geben Experten Gründe an: Die Bevölkerungsstruktur wird sich bis 2040 stark verändern. Die Quote der Menschen im erwerbsfähigen Alter wird hierzulande nur noch bei 45 Prozent liegen, so prognostiziert die UN. Derzeit liegt sie bei rund 53 Prozent. Aber wer soll dann die Schulden bedienen? Freuen kann sich der Halter dieser Bonds auch nicht, wenn die Rendite steigt. Denn wenn dieser Anstieg nur ein Prozent betragen würde, verliert die 30-jährige Bundesanleihe 14 Prozent an Wert und der Bund rund 17 Milliarden Euro an Mehrbelastung. Denn der EZB wird in Zukunft nichts anderes übrig bleiben, als die Leitzinsen zu erhöhen, um die steigende Inflation in den Griff zu bekommen. Eine steigende Rendite bedeutet aber auch, dass es für den deutschen Staat immer teurer werden wird, sich auf den internationalen Finanzmärkten Geld zu leihen.
So historisch niedrig, wie die Zinsen momentan sind, werden sie wohl nicht mehr lange bleiben. Die Verschuldung des Bundes ist im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2008 bereits um knapp 19 Prozent gestiegen. Hinzu kommt, dass die Bundesanleihen seit der Irlandkrise nicht mehr als »Schutzburg« dienen und sich die Bonität Deutschlands verschlechtert. Der Zinssatz für zehnjährige Staatsanleihen kletterte von 2,1 Prozent Ende August 2010 auf gegenwärtig rund 3,0 Prozent. Deutschland muss also innerhalb von nur wenigen Monaten 0,9 Prozent mehr Zinsen zahlen. Auch die Bundesbank warnt vor dramatischen Folgen für den Staat, denn der Anstieg des derzeit sehr niedrigen Zinsniveaus sei »sogar relativ schnell mit Haushaltsbelastungen in Milliardenhöhe verbunden«, zudem käme die Bundesregierung wegen der Schuldenbremse zusätzlich unter Druck.
Grund dafür sind die vielfältigen Garantieübernahmen des deutschen Staates: für Griechenland bis
zu 22 Milliarden Euro, für das Irland-Rettungspaket zehn Milliarden Euro, für Portugal 14,5 Milliarden Euro und für den EU-Rettungsschirm 123 Milliarden Euro. Dazu kommen noch viele Milliarden Euro für die Rettung der eigenen Banken. Je stärker also der europäische Rettungsschirm beansprucht wird, umso kritischer werden die Anleger den Hauptbürgen – also Deutschland – bewerten. Dazu kommt auch noch die Angst einiger Investoren, dass sich die bisher hohe Qualität deutscher Anleihen durch die vielen Rettungsmaßnahmen immer mehr verwässern könnte.
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist sich der daraus resultierenden Gefahren wohl bewusst: Er hat vorsorglich für das steigende Defizit und ein höheres Zinsniveau für das Jahr 2014 einen Schuldendienst von insgesamt 48,1 Milliarden Euro eingeplant. Träfe das alles tatsächlich so ein, dann entspräche das einem Anstieg von fast 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2010.
Sollte das EU-Hilfspaket tatsächlich in vollem Umfang abgerufen werden, wird sich die Wahrnehmung der Investoren deutlich verändern. Das Risiko, das Deutschland auf sich genommen hat, würde dann in die Kurse eingepreist.
Deutsche Bonds bergen also unkalkulierbare Risiken. Für dieses wird der Besitzer von Schuldverschreibungen gegenwärtig je nach Laufzeit eine Nettorendite (d. h. abzüglich der Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag) zwischen 0,65 und 2,7 Prozent Jahresrendite (Stand: 19.05.2011) entschädigt. Inflationsbereinigt ist das also ein Null- oder gar Minusgeschäft. Überlegen Sie es sich also gut, ob Sie die »sicheren« Bundesanleihen kaufen oder nicht.
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