Thursday, 17. May 2012
24.07.2010
 

Das »Euro-Spiel« geht munter weiter

Michael Grandt

Die Kursrallye des Euro ist noch lange nicht zu Ende. Aber im Gegensatz zu früher folgt sie keiner volkswirtschaftlichen Logik mehr und wird für den Sparer immer unberechenbarer.

Nimmt man den bisherigen Höchststand im Jahr 2010 zum Maßstab, hat der Euro massiv an Wert verloren. Am 13. Januar 2010 lag der Kurs EUR/USD bei 1,46, aktuell etwa bei 1,30. Seit dem bisherigen Rekordstand des Kurses Mitte April 2008 von 1,60 USD hat die Einheitswährung in dieser vergleichsweise kurzen Zeit rund 20 Prozent an Wert verloren. Dessen unbeachtet verkünden die Mainstream-Medien jedoch schon munter das Ende der Euro-Krise.

Für die exportabhängige Wirtschaft ist ein niedriger Euro-Kurs von Vorteil. So ist die Nachfrage nach deutschen Gütern im Ausland wieder spürbar gestiegen. Besonders in der Automobilindustrie wird deutlich mehr gearbeitet als im vergangenen Jahr. Von einem schwächeren Euro profitiert aber nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder wie etwa Griechenland oder Portugal. Denn aufgrund des schwachen Euro lassen sich deren Güter im Ausland besser absetzen.

Doch ein niedriger Eurokurs hat nicht nur Vorteile. Gestiegene Preise für Energie, Roh- und Treibstoffe sowie Lebensmittel lassen den wirtschaftlichen Aufschwung nicht beim Endverbraucher ankommen. Etwas für schlechte Zeiten zurückzulegen, wird immer schwieriger. Auch der Wert des gesparten Kapitals ist in Gefahr. Allein in den letzten 20 Jahren hat unser Geld, einer Analyse der Allianz zufolge, 47 Prozent seiner Kaufkraft durch die Inflation verloren.

So wird eine Bevölkerungsschicht trotz des Gesundbetens und der scheinbar guten Nachrichten zunehmend nervöser: die Sparer. Was ist das, was auf der hohen Kante liegt, am Ende des Jahres wirklich noch Wert? Was kann ich mir von meiner Ersparnissen in zehn Jahren oder 20 Jahren überhaupt noch leisten?

Die Verunsicherung ist groß. So verwundert es nicht, dass viele Sparer ihr Geld immer noch auf dem guten alten Sparbuch oder dem Festgeldkonto anlegen – damit aber aktive Geldvernichtung betreiben. Denn die Zinserträge liegen gerade einmal zwischen einem und zwei Prozent und die Inflation hat in den letzten 50 Jahren durchschnittlich 2,8 Prozent der Vermögen aufgefressen. Somit verloren die Sparer in der Vergangenheit zwischen 0,8 und 1,8 Prozent ihres Vermögens durch die Geldentwertung, obwohl sie zusätzlich Zinsen einstrichen.

Die Turbulenzen um die Wechselkurse entbehren jeglicher volkswirtschaftlichen Logik, sondern folgen schon seit längerer Zeit eher den Entscheidungen der Notenbanker und der Liquiditätslage von Banken und Staaten. Eine gefährliche Entwicklung, die nicht einmal mehr Devisenexperten durchschauen.

Ein derzeit »stärkerer« Euro ist sicherlich dem schwachen Dollar und der Fiskalpolitik der amerikanischen Notenbank geschuldet, die erneut darüber nachdenkt, neue Dollarscheine zu drucken. Postwendend decken sich die internationalen Marktakteure wieder mit Euro ein. Aber das ist ein munteres Wechselspiel: Erst geriet das britische Pfund unter Druck, weil die Befürchtung da war, das Vereinigte Königreich könnte Pleite gehen, dann der Dollar, weil er den Status als weltweite Reservewährung zu verlieren drohte, dann der Euro, weil die Währungsunion vor dem Zerfall stand. Jetzt ist wieder der Dollar dran.

Für den »einfachen« Sparer stellt sich deshalb die Frage, wie lange er die Politik-Banken-Spekulanten-Rallye des Papiergeldes noch mitmachen will, oder nicht doch darüber nachdenken sollte, in Sachwerte zu investieren.

 

Mitarbeit: Alexander Strauß

 

 

__________

Quellen:

  • Welt am Sonntag vom 18.07.2010

 

 


 

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