Der Euro ist schlecht für Deutschland
Michael Grandt
Während politisch korrekte Politiker und Ökonomen mantragleich wiederholen, wie gut der Euro doch für uns Deutschen sei, sieht die ökonomische Realität ganz anders aus.
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Man kann es schon fast nicht mehr hören, was politisch korrekte Politiker, Ökonomen und
»Finanzexperten« allenthalben in Talkshows oder Interviews von sich geben: Der Euro sei gut für Deutschland, denn ohne ihn würde es unserer heimischen Industrie viel schlechter gehen. Ohne die Gemeinschaftswährung wäre die D-Mark so stark geworden, dass unsere Exporteure große Schwierigkeiten hätten, ihre Produkte ins Ausland zu verkaufen; Deutschland sei ein Profiteur des Euro. Zudem bringe er Preistransparenz und planbare Handelsbeziehungen.
Das ist jedoch nur Schönfärberei, denn vergleicht man diese Aussagen mit den ökonomischen Realitäten, kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Fakten:
- Die Börsen in der Eurozone haben sich in diesem Jahr schlechter entwickelt als die übrigen Märkte weltweit.
- Der EuroStoxx 50 stieg seit Einführung des Euro um 56 Prozent (3,2 Prozent Jahresertrag); der Jahresertrag des DAX lag bei 6,2 Prozent; der Schweizer SMI stieg aber im gleichen Zeitraum um 172 Prozent (7,5 Prozent Jahresertrag) und der schwedische OMX erzielte ein Plus von 234 Prozent (9,1 Prozent Jahresertrag).
- Auf der Liste der 20 finanzschwächsten Nationen der Welt stehen schon sechs von 16 Staaten aus der Europäischen Währungsunion.
- Die Nicht-Euro-Währungen blieben stabiler: Die Schwedische Krone notiert zum Euro fast auf dem gleichen Stand wie 1997 und der Schweizer Franken hat sich sogar um 28 Prozent gegenüber der Gemeinschaftswährung verteuert.
- Dass eine starke Währung ein Problem für den Export darstellt, stimmt nicht. Beispiele Schweden und Schweiz: Trotz auffallend starker Währungen erzielen die beiden Länder große Erfolge im Außenhandel, ihre Exportüberschüsse sind sogar noch höher als die Deutschlands.
- Das Wirtschaftswachstum des Euro-Verweigerungslandes Schweden stieg seit 1997 im Durchschnitt um 2,5 Prozent; beim Nicht-EU-Mitglied Norwegen waren dies 2,2 Prozent. Deutschland als größte Ökonomie und als Wirtschaftsmotor der EU kam gerade mal auf kümmerliche 1,3 Prozent.
- Obwohl die Zinsen in der Europäischen Währungsunion immer weiter gesunken sind und damit auch die Finanzierungskosten für die einzelnen EU-Staaten, ist deren Schuldenquote seit 1997 nie merklich zurückgegangen. Hingegen reduzierte die Schweiz ihre Schuldenlast auf 40 Prozent, die Schweden ebenfalls von 70 auf 40 Prozent; für Deutschland wird für 2011 eine Schuldenquote von knapp 80 Prozent prognostiziert.
Fazit:
Die Europäische Währungsunion lädt dazu ein, höhere Schulden zu machen und erweist sich immer mehr als Risikogemeinschaft:
- Beispiel Griechenland: übermäßige Verschuldung
- Beispiel Spanien: gefährlich expandierender Immobilienmarkt
- Beispiel Irland: halsbrecherische Geschäftsmodelle
Für Ratingagenturen wird die Mitgliedschaft in der Eurozone demnach immer mehr zu einem Punkt der Schwäche, da die einzelnen Länder entgegen dem Maastrichter Vertragstext für die Schulden anderer haftbar gemacht werden können. Die europäischen Länder ohne Euro stehen bei fast allen Kennzahlen besser da. Die von der Politik so propagierten Euro-Vorteile erweisen sich im Vergleich mit den ökonomischen Realitäten also als Nebelkerzen und verkehren deren Aussage ins Gegenteil: Der Euro ist schlecht für Deutschland.
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Quellen:
- Welt am Sonntag vom 28.11.2010
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