Wednesday, 27. July 2016
23.11.2010
 
 

Der Irland-Crash

Michael Grandt

Schon im Februar habe ich den irischen Staatsbankrott vorhergesagt. Damals wurde ich belächelt, doch jetzt steht die Insel vor dem Aus. Nach Griechenland ist Irland nun schon der zweite europäische Staat innerhalb von zehn Monaten, der de facto pleite ist. Der Euro ist tot – es lebe die D-Mark!

Noch am 13. November erklärte der irische Premierminister Brian Cowen vollmundig: »Irland ist bis zum kommenden Juli finanziell abgesichert.« Jetzt, nur zehn Tage später, steht die Insel vor dem Staatsbankrott.

Neben der horrenden Staatsverschuldung, die zwischenzeitlich 32 Prozent des BIP ausmacht (mehr als zehnmal so viel, wie die EU-Maastrichtverträge zulassen), sind auch die irischen Banken von einer Pleite bedroht. Das aber wäre vor allem eine Katastrophe für britische sowie deutsche Banken und Versicherungen. Wie desolat die Lage ist, zeigt eine einzige Zahl: Zur Rettung seiner Finanzinstitute bürgt Dublin bereits mit 350 Milliarden Euro, das ist doppelt so viel, wie die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes. Jetzt plötzlich ist auch Großbritannien bereit, den Iren zu helfen, weil es selbst 110 Milliarden Euro Forderungen stellt. Im Falle von Griechenland war London damals nicht bereit, haftbar gemacht zu werden, aber jetzt geht es um den eigenen Kragen.

Am Mittwoch wird nun das europäische Hilfspaket für die Iren vorgestellt. Experten gehen davon aus, dass Dublin mit bis zu 90 Milliarden Euro unterstützt werden wird. Und obwohl doch alles »gut« ist, unterstrich EU-Währungskommissar Olli Rehn, dass die Hilfe für Irland erforderlich sei, um die finanzielle Stabilität in Europa zu wahren.

 

Der wahre Grund für die Irland-Hilfe

Wieder gaukelt man dem Volk vor, es ginge bei der EU-Rettungsaktion vornehmlich um die irische Wirtschaft und den irischen Bankensektor. Doch in Wirklichkeit geht es auch um heimische Banken und Versicherungen, die horrende Kreditausfälle fürchten.

 

In dieser Höhe steht Irland gegenüber anderen Ländern in der Kreide (in Dollar):

Großbritannien: 148,5 Milliarden (andere Quellen nennen die Zahl 230 Milliarden)

Deutschland: 138,6 Milliarden

USA: 68,7 Milliarden

Belgien: 54,0 Milliarden

Frankreich: 50,1 Milliarden

Sonstige: 271,3 Milliarden

 

In dieser Höhe steht Irland bei deutschen Banken in der Kreide (in Euro):

Hypo Real Estate: 10,28 Milliarden

LBBW: 408 Millionen

DZ Bank: 310 Millionen

Deutsche Bank: 309 Millionen

Postbank: 300 Millionen

NordLB: 274 Millionen

WestLB: 244 Millionen

BayernLB: 193 Millionen

Commerzbank: ca. 100 Millionen

Dekabank: 58 Millionen

Helaba: 410 Millionen

HSH Nordbank: kein Engagement

Landesbank Berlin: kein Engagement

 

Der Steuerzahler soll’s wieder richten

Die Banken gehen scheinbar noch immer davon aus, dass der europäische Steuerzahler für die Schulden geradesteht. So stellte die Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) noch in ihrem Quartalsbericht vom September fest: »Die berichtenden Banken erhöhten trotz steigenden Marktdrucks auf Griechenland, Irland, Portugal und Spanien ihr Engagement in diesen Ländern (…).« Demzufolge halten die Eurozone-Banken mittlerweile knapp 54 Prozent aller von ihnen gekauften Staatsanleihen von Euroländern in hoch verzinsten Anleihen »von Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien«.

Als größtes EU-Mitglied wird Deutschland, das heißt der heimische Steuerzahler, auch im Falle Irland wieder die größte Last schultern. Diesmal soll es nicht nur um Bürgschaften gehen, sondern um Bargeld.

Bundesfinanzminister Schäuble betonte noch gestern Abend im ZDF: »Wir verteidigen ja nicht irgendein Mitgliedsland, sondern wir verteidigen die Stabilität unserer gemeinsamen Währung.«

Portugal und Spanien werden folgen: Der Euro ist tot – es lebe die D-Mark!

 

__________

Quellen:

  • Stresstest europäische Aufsicht CEBS (Stand: Juli 2010)
  • BIZ
  • Handelsblatt vom 18.11.2010

 

 

 


 

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