Deutschlands Bonität verschlechtert sich
Michael Grandt
Hilfsbereitschaft mit schlimmen Folgen: Immer neue deutsche Milliardenhilfen für bankrotte EU-Staaten, die nicht mit Geld umgehen können, verschlechtern unsere Kreditwürdigkeit.
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Seit Wochen schon steigen die Renditen für deutsche Staatsanleihen. Hält dieser Trend an, wird es immer teurer für Deutschland (das heißt für die deutschen Steuerzahler), sich auf den internationalen Finanzmärkten Geld zu leihen. So historisch niedrig, wie die Zinsen momentan sind, werden sie wohl nicht mehr lange bleiben. Doch wenn die Durchschnittszinsen auch nur um ein Prozent steigen, dann muss der deutsche Steuerzahler 17 Milliarden Euro Mehrbelastungen
schultern. Die Verschuldung des Bundes ist im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2008 bereits um knapp 19 Prozent gestiegen. Hinzu kommt, dass die Bundesanleihen seit der Irland-Krise nicht mehr als »Schutzburg« dienen und sich die Bonität Deutschlands verschlechtert. Der Zinssatz für zehnjährige Staatsanleihen kletterte von 2,1 Prozent Ende August auf 2,85 Prozent. Deutschland muss also innerhalb von nur drei Monaten 0,75 Prozent mehr Zinsen zahlen. Experten gehen davon aus, dass sich die Renditen bis Ende 2011 auf 3,2 Prozent erhöhen und danach sogar noch deutlicher steigen können. Auch die Bundesbank warnt vor dramatischen Folgen für den Staat, denn der Anstieg des derzeit sehr niedrigen Zinsniveaus sei »sogar relativ schnell mit Haushaltsbelastungen in Milliardenhöhe verbunden«, zudem käme die Bundesregierung wegen der Schuldenbremse zusätzlich unter Druck.
Grund dafür sind die vielfältigen Garantieübernahmen des deutschen Staates: für Griechenland bis zu 22 Milliarden Euro, für das Irland-Rettungspaket zehn Milliarden Euro, für den EU-Rettungsschirm 123 Milliarden Euro. Dazu kommen noch viele Milliarden Euro für die Rettung der eigenen Banken. Je stärker also der europäische Rettungsschirm beansprucht wird, umso kritischer werden die Anleger den Hauptbürgen – also Deutschland – bewerten. Dazu kommt auch noch die Angst einiger Investoren, dass sich die bisher hohe Qualität deutscher Anleihen durch die vielen Rettungsmaßnahmen immer mehr verwässern könnte.
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist sich der daraus resultierenden Gefahren wohl bewusst: Er hat vorsorglich für das steigende Defizit und ein höheres Zinsniveau für das Jahr 2014 einen Schuldendienst von insgesamt 48,1 Milliarden Euro eingeplant. Träfe das alles tatsächlich so ein, dann entspräche das einem Anstieg von fast 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2010.
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