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In der Euro-Krise ist ein harter Franken für die Schweizerische Nationalbank Fluch und Segen zugleich. Kurz vor Weihnachten ist der Wechselkurs zum Euro auf weniger als 1,25 Franken gefallen. Zu Beginn des Jahres 2010 hatte das Verhältnis noch 1,50 Franken betragen. Der Euro hat in dieser Zeit also über 16 Prozent gegenüber der eidgenössischen Währung verloren. Nur durch die Drohung der Schweizerischen Notenbank (SNB), notfalls in den Markt einzugreifen, konnte eine noch höhere Aufwertung verhindert werden.
Zwischenzeitlich mutiert der Franken zu einer Art »Ersatz-D-Mark«, weil Investoren einen sicheren Hafen suchen. Wenn sich die Euro-Krise in diesem Jahr noch verschärft, könnte die
Gemeinschaftswährung sogar auf 1,10 Franken verfallen. Davon gehen jedenfalls Experten aus, denn gemessen an der Kaufkraftparität ist der Euro im Vergleich zum Franken jetzt schon um mehr als zehn Prozent unterbewertet.
Doch nicht nur zum Euro, auch zu allen anderen wichtigen Währungen hat die Schweizer Währung in den vergangenen Monaten zugelegt. Innerhalb eines Jahres haben deshalb Investoren ihre Anlagen in kurzfristigen Geldmarktpapieren von drei auf 30 Milliarden Franken verzehnfacht.
Aber der harte Franken bringt die SNB immer mehr in Bedrängnis, denn ihre Euro-Bestände verlieren massiv an Wert. In nur neun Monaten beliefen sich die Wechselkursverluste auf 21 Milliarden Franken und noch immer notieren mehr als 50 Prozent der Devisenbestände auf den Euro.
Auch die Einhaltung der Ziele der SNB wird zunehmend schwieriger, weil die expansive Geldpolitik angesichts einer immer größer werdenden Inflationsgefahr wohl nicht wie geplant bis zum Jahr 2013 auf dem gegenwärtigen niedrigen Niveau fortgeführt werden kann. Momentan liegen die Leitzinsen zwischen null und 0,75 Prozent. Ein Anstieg der Zinsen würde weitere Investoren in die Schweiz locken und den Aufwertungsdruck für den Franken noch erhöhen.
Aus konjunktureller Sicht müsste die SNB jedoch die Zinsen im Frühjahr anheben, doch die Notenbank zögert aus oben genannten Gründen. Dennoch droht sie in ihrem jüngsten Bericht »alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen«, sollte der starke Franken das Preisniveau weiter nach unten drücken. Gemeint damit sind wohl weitere Interventionen auf den Währungsmärkten, etwa Euro-Käufe, um den Anstieg des Frankens aufzuhalten.
Davon unbeeindruckt melden große und kleine Bankinstitute einen anhaltenden Zufluss von Kundengeld aus dem Euro-Raum. Der Franken ist für viele Investoren zur Ersatz-D-Mark geworden.
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Quellen:
Bloomberg
Welt am Sonntag vom 27.12.2010
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