Sunday, 29. May 2016
03.08.2010
 
 

Die Goldverschwörung

Michael Grandt

Manipulieren Notenbanker heimlich den Goldkurs und gibt es ein Notenbankkomplott, um den Preis des Edelmetalls zu drücken? Verfügen die Vereinigten Staaten überhaupt noch über ihre Goldreserven?

Viele Goldbesitzer geben derzeit der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Schuld, dass der Goldpreis sinkt. Die BIZ hält 346 Tonnen des Edelmetalls in ihren Büchern. Aber wie kommt sie zu diesen Mengen?

 

Ein wundersamer Goldschatz

Offenbar hinterlegten Banken das Gold als Sicherheit für Tauschgeschäfte (sogenannte Swaps). Das bestätigt auch Ronald Stöferle, Goldanalyst bei der Erste Group Bank in Wien gegenüber Focus Money: »Es wurden per Januar einjährige Swap-Geschäfte im Ausmaß von 346 Tonnen Gold abgewickelt, was einen Marktwert von rund 14 Milliarden US-Dollar hat.« Dies wurde im Jahresbericht der BIZ jedoch lediglich in einer Fußnote erwähnt, was Stöferle »mehr als mysteriös« findet. Offenbar wollte die BIZ diese brisante Information nicht an die große Glocke hängen.

Aber woher stammt das Gold? Da die BIZ sich bedeckt hält, kommen immer mehr Gerüchte auf: Gibt es eine Goldpreismanipulation oder gar eine Notenbankverschwörung, oder ist das Gold von den fast bankrotten südeuropäischen Zentralbanken, allen voran Griechenland, Spanien und Portugal?

Fakt bleibt jedoch, dass die BIZ 346 Tonnen Gold von Zentral- oder Geschäftsbanken angekauft hat. Handelt es sich um Swap-Geschäfte, müsste eine Rückkaufvereinbarung zu einem bestimmten Termin und Preis festgeschrieben worden sein. Wäre eine der Zentral- oder Geschäftsbanken nicht in der Lage, das Gold wieder auszulösen, könnte es die BIZ auf dem Markt wieder verkaufen. Somit käme höchstwahrscheinlich der Goldpreis wieder unter Druck.

 

Goldpreismanipulationen

Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass über lange Zeit Politiker und Notenbanker heimlich den Goldpreis drückten. In den 1970er Jahren versuchten die Notenbanken den Goldpreis gezielt zu beherrschen. Der US-Dollar war damals noch an den Goldpreis gekoppelt. Das Umtauschverhältnis 35 US-Dollar je Unze Gold wurde schon 1944 festgelegt und über einen festen Wechselkursmechanismus galt ein fester Goldpreis damit auch für die meisten anderen Währungen. Man konnte also US-Dollar in Gold tauschen. Doch dieses System der Goldbindung wies ein folgenschweres Problem auf: War der US-Dollar mit Gold hinterlegt, konnte seine Menge nicht beliebig vermehrt werden. Doch die Länder brauchten gerade eine Vermehrung der Geldbestände, um sich noch höher verschulden zu können. Somit schränkte die Golddeckung die Handlungsfreiheit der Politiker, Regierungen und Notenbanker ein.

Notenbankern kann es aber nicht gelegen kommen, wenn das Gold immer teurer wird und es ist kein Geheimnis, dass sich Alan Greenspan (von 1987 bis 2006 der Chef der US-Notenbank Federal Reserve) während seiner Amtszeit gegen einen starken Goldpreisanstieg stemmte. Er bezeichnete das gelbe Metall sogar als »Thermometer für die Beschaffenheit des Finanzsystems«. Das heißt im Klartext: Steigt der Goldpreis, ist das ein Zeichen des schwächer werdenden globalen Papier- und Buchgeldsystems. Aber das ist nicht alles. Ein höherer Goldpreis bedeutet auch einen höheren Vertrauensverlust in die Weltleitwährung, den US-Dollar. Genau das sagte Greenspans Nachfolger Ben Bernanke, denn er sieht das Vertrauen in den US-Dollar immer mehr schwinden.

Offiziell legitimiert ist auch, dass bei Anleihen und Währungen massiv interveniert wird und ein steigender Goldpreis ein nachlassendes Vertrauen in das Währungssystem signalisiert. Jedem dürfte klar sein, dass daran Politiker und Notenbanker kein Interesse haben dürften. Der Analyst Ronald Stöferle bestätigt dies: »Insofern sind die Motive für das Drücken des Preises klar und plausibel. Es wäre naiv zu glauben, dass dies bei Gold nicht stattfinden würde.«

 

Hat die USA überhaupt noch Gold?

Offiziell besitzen die Vereinigten Staaten mehr als 8.000 Tonnen Gold. Das ist der größte Goldschatz aller Notenbanken. Doch Skeptiker bezweifeln, dass die Amerikaner überhaupt noch über ihr Gold verfügen. Denn in der Zeit von 1967 bis 1968 verließen 1.300 Tonnen des Edelmetalls, immerhin eine Jahresproduktion im Wert von rund drei Milliarden Dollar, die USA, weil viele Länder die Greenbacks in Gold eintauschten. In den Jahren 2007 und 2008 wiesen die Vereinigten Staaten Goldexporte von 5.000 Tonnen aus. Ob diese Bestände von anderen Ländern stammen, die diese lediglich in Fort Knox lagerten, oder ob es sich um US-Gold handelt, ist bis heute nicht geklärt. Die Wahrheit ist jedoch, dass die Goldbestände seit mehreren Jahrzehnten nicht auditiert wurden. Die US-Notenbank begründet dies damit, dass eine solche Überprüfung »zu teuer« wäre.

Das lässt aufhorchen. Wurden die US-Goldbestände also bereits »verpulvert«, um das Angebot zu steigern und den Preis damit zu drücken? Bereits im Jahr 1998 orakelte Alan Greenspan: »Die Zentralbanken stehen bereit, Gold in zunehmenden Mengen zu verleihen, sollte dessen Preis steigen.«

Doch eine bewusste Manipulation des Goldkurses dürfte immer schwieriger werden, seit auch die asiatischen Zentralbanken das Edelmetall vermehrt aufkaufen. Aber das kann natürlich auch der Beweis dafür sein, dass diese Notenbanken schon gar nicht mehr an die Werthaltigkeit von Papierwährungen glauben.

 

 


 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

 

  • Gefährlicher Zuckerersatz: Aspartam wird heute von Monsanto hergestellt
  • USA will Gold- und Silbermünzen erfassen und besteuern
  • Kampfplatz Klassenzimmer: Wachsende Deutschenfeindlichkeit
  • Ex-Geheimdienstchefin: Die Gründe für den Irak-Krieg waren erlogen
  • Geheim: Neue »Wunder-Laser« der Militärs

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Der EU-Banken-Stresstest – ein großer Schwindel

F. William Engdahl

Vor wenigen Tagen hat der Europäische Ausschuss der Bankenaufseher der EU (Committee of European Banking Supervisors, CEBS) die Ergebnisse seines »Stresstests« der europäischen Banken veröffentlicht. Erstaunlicherweise ist das Bankensystem laut diesem Testergebnis weitaus gesünder als von den Märkten befürchtet. Sofort nach Bekanntwerden des  mehr …

Über wundersame Geldelfen, Fiat Money und Inflation

Michael Grandt

Was wäre, wenn Sie eines Morgens aufwachen würden und wundersame Elfen hätten Ihr Vermögen plötzlich verdoppelt? Sie glauben nicht, dass dies möglich ist? Dann lesen Sie weiter …  mehr …

Warum die USA keine Krise der Staatsverschuldung fürchten müssen: sie sind, anders als Griechenland, wirklich souverän

System

In der vergangenen Woche hat eine chinesische Ratingagentur die US-Staatsanleihen von bisher »AAA« und weltweit an erster Position auf »AA Ausblick negativ« und weltweit nur noch auf Position 13 heruntergestuft. Die Herabstufung hat die Ängste verstärkt, die Krise der Staatsverschuldung [sovereign debt], die in Griechenland begann, werde bald auch  mehr …

Das »Euro-Spiel« geht munter weiter

Michael Grandt

Die Kursrallye des Euro ist noch lange nicht zu Ende. Aber im Gegensatz zu früher folgt sie keiner volkswirtschaftlichen Logik mehr und wird für den Sparer immer unberechenbarer.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

»Loveparade«: Asbest, Computersimulationen und eine Katastrophenübung

Udo Schulze

Die schrecklichen Ereignisse der »Loveparade« von Duisburg und kein Ende. Während die Verantwortlichen in Verwaltung, Politik und beim Veranstalter noch immer ein schamloses Spiel um die Schuldfrage betreiben, kommen derzeit immer mehr Einzelheiten über den »Todessamstag« ans Tageslicht. Die »Qualitätsmedien« schweigen hingegen zu wichtigen  mehr …

Europa: Die Vorboten der kommenden ethnischen Säuberungen

Udo Ulfkotte

Während die meisten Europäer noch mit den Folgen der anhaltenden Wirtschaftskrise beschäftigt sind, verändert sich rasend schnell die uns umgebende politische Bühne, ein Beispiel: Überall in Europa gedeiht auf einmal wieder Nationalismus. Auch ethnische Rivalitäten brechen wieder offen aus. Und auf einmal sprechen europäische Politiker ganz offen  mehr …

Bundespräsident Wulff: Urlaub im Haus eines besonderen Freundes

Udo Schulze

Als Bundespräsident steht man ganz schön unter Dampf. Die Verantwortung als erster Bürger der Bundesrepublik ist nicht von Pappe, die häufigen Treffen mit Frau Merkel und Herrn Koch bestimmt auch nicht und dazu noch die viele Kritik aus der Öffentlichkeit – da braucht auch ein Christian Wulff mal Urlaub. »Familie Bundespräsident« war dieses Mal  mehr …

Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg

Eva Herman

Die Loveparade in Duisburg ist zu einem Sodom und Gomorrha mit katastrophalen Folgen geworden: Mindestens neunzehn Tote, über 340 Verletzte. Bei einer Massenpanik wurden die jungen Menschen zertrampelt, stürzten von meterhohen Gerüsten herunter, über die sie sich hatten retten wollen, sie fielen bewusstlos um und gingen in den wildgewordenen  mehr …

Der EU-Banken-Stresstest – ein großer Schwindel

F. William Engdahl

Vor wenigen Tagen hat der Europäische Ausschuss der Bankenaufseher der EU (Committee of European Banking Supervisors, CEBS) die Ergebnisse seines »Stresstests« der europäischen Banken veröffentlicht. Erstaunlicherweise ist das Bankensystem laut diesem Testergebnis weitaus gesünder als von den Märkten befürchtet. Sofort nach Bekanntwerden des  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.