
Viele Goldbesitzer geben derzeit der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Schuld, dass der Goldpreis sinkt. Die BIZ hält 346 Tonnen des Edelmetalls in ihren Büchern. Aber wie kommt sie zu diesen Mengen?
Ein wundersamer Goldschatz
Offenbar hinterlegten Banken das Gold als Sicherheit für Tauschgeschäfte (sogenannte Swaps). Das bestätigt auch Ronald Stöferle, Goldanalyst bei der Erste Group Bank in Wien gegenüber Focus Money: »Es wurden per Januar einjährige Swap-Geschäfte im Ausmaß von 346 Tonnen Gold abgewickelt, was einen Marktwert von rund 14 Milliarden US-Dollar hat.« Dies wurde im Jahresbericht der BIZ jedoch lediglich in einer Fußnote erwähnt, was Stöferle »mehr als mysteriös« findet. Offenbar wollte die BIZ diese brisante Information nicht an die große Glocke hängen.
Aber woher stammt das Gold? Da die BIZ sich bedeckt hält, kommen immer mehr Gerüchte auf: Gibt es eine Goldpreismanipulation oder gar eine Notenbankverschwörung, oder ist das Gold von den fast bankrotten südeuropäischen Zentralbanken, allen voran Griechenland, Spanien und Portugal?
Fakt bleibt jedoch, dass die BIZ 346 Tonnen Gold von Zentral- oder Geschäftsbanken angekauft hat. Handelt es sich um Swap-Geschäfte, müsste eine Rückkaufvereinbarung zu einem bestimmten Termin und Preis festgeschrieben worden sein. Wäre eine der Zentral- oder Geschäftsbanken nicht in der Lage, das Gold wieder auszulösen, könnte es die BIZ auf dem Markt wieder verkaufen. Somit käme höchstwahrscheinlich der Goldpreis wieder unter Druck.
Goldpreismanipulationen
Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass über lange Zeit Politiker und Notenbanker heimlich den Goldpreis drückten. In den 1970er Jahren versuchten die Notenbanken den Goldpreis gezielt zu beherrschen. Der US-Dollar war damals noch an den Goldpreis gekoppelt. Das Umtauschverhältnis 35 US-Dollar je Unze Gold wurde schon 1944 festgelegt und über einen festen Wechselkursmechanismus galt ein fester Goldpreis damit auch für die meisten anderen Währungen. Man konnte also US-Dollar in Gold tauschen. Doch dieses System der Goldbindung wies ein folgenschweres Problem auf: War der US-Dollar mit Gold hinterlegt, konnte seine Menge nicht beliebig vermehrt werden. Doch die Länder brauchten gerade eine Vermehrung der Geldbestände, um sich noch höher verschulden zu können. Somit schränkte die Golddeckung die Handlungsfreiheit der Politiker, Regierungen und Notenbanker ein.
Notenbankern kann es aber nicht gelegen kommen, wenn das Gold immer teurer wird und es ist kein Geheimnis, dass sich Alan Greenspan (von 1987 bis 2006 der Chef der US-Notenbank Federal Reserve) während seiner Amtszeit gegen einen starken Goldpreisanstieg stemmte. Er bezeichnete das gelbe Metall sogar als »Thermometer für die Beschaffenheit des Finanzsystems«. Das heißt im Klartext: Steigt der Goldpreis, ist das ein Zeichen des schwächer werdenden globalen Papier- und Buchgeldsystems. Aber das ist nicht alles. Ein höherer Goldpreis bedeutet auch einen höheren Vertrauensverlust in die Weltleitwährung, den US-Dollar. Genau das sagte Greenspans Nachfolger Ben Bernanke, denn er sieht das Vertrauen in den US-Dollar immer mehr schwinden.
Offiziell legitimiert ist auch, dass bei Anleihen und Währungen massiv interveniert wird und ein steigender Goldpreis ein nachlassendes Vertrauen in das Währungssystem signalisiert. Jedem dürfte klar sein, dass daran Politiker und Notenbanker kein Interesse haben dürften. Der Analyst Ronald Stöferle bestätigt dies: »Insofern sind die Motive für das Drücken des Preises klar und plausibel. Es wäre naiv zu glauben, dass dies bei Gold nicht stattfinden würde.«
Hat die USA überhaupt noch Gold?
Offiziell besitzen die Vereinigten Staaten mehr als 8.000 Tonnen Gold. Das ist der größte Goldschatz aller Notenbanken. Doch Skeptiker bezweifeln, dass die Amerikaner überhaupt noch über ihr Gold verfügen. Denn in der Zeit von 1967 bis 1968 verließen 1.300 Tonnen des Edelmetalls, immerhin eine Jahresproduktion im Wert von rund drei Milliarden Dollar, die USA, weil viele Länder die Greenbacks in Gold eintauschten. In den Jahren 2007 und 2008 wiesen die Vereinigten Staaten Goldexporte von 5.000 Tonnen aus. Ob diese Bestände von anderen Ländern stammen, die diese lediglich in Fort Knox lagerten, oder ob es sich um US-Gold handelt, ist bis heute nicht geklärt. Die Wahrheit ist jedoch, dass die Goldbestände seit mehreren Jahrzehnten nicht auditiert wurden. Die US-Notenbank begründet dies damit, dass eine solche Überprüfung »zu teuer« wäre.
Das lässt aufhorchen. Wurden die US-Goldbestände also bereits »verpulvert«, um das Angebot zu steigern und den Preis damit zu drücken? Bereits im Jahr 1998 orakelte Alan Greenspan: »Die Zentralbanken stehen bereit, Gold in zunehmenden Mengen zu verleihen, sollte dessen Preis steigen.«
Doch eine bewusste Manipulation des Goldkurses dürfte immer schwieriger werden, seit auch die asiatischen Zentralbanken das Edelmetall vermehrt aufkaufen. Aber das kann natürlich auch der Beweis dafür sein, dass diese Notenbanken schon gar nicht mehr an die Werthaltigkeit von Papierwährungen glauben.
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