Friday, 1. July 2016
13.08.2010
 
 

Die Rache der Mullahs

Michael Grandt

Irans Antwort auf die neuen europäischen Sanktionen ließ nicht lange auf sich warten: keine Geschäfte mehr mit den »schmutzigen Währungen« Euro und Dollar, eine Strafsteuer auf die »Waren der Feinde« und deutliche Drosselung von der Einfuhr europäischer Waren, was bis zu 200.000 Arbeitsplätze gefährden könnte.

Nachdem die Europäische Union die bisher schärfsten Sanktionen gegen das iranische Atomprogramm erlassen hatte, droht Teheran nun mit Vergeltung auf dem wirtschaftlichen und finanziellen Sektor.

So wollen die Iraner internationale Geschäfte zukünftig nicht mehr in Euro oder Dollar abwickeln, was insbesondere auch für den Ölmarkt gilt. Zudem sprach sich der Stellvertreter von Präsident Ahmadinedschad, Mohammed-Resa Rahimi für ein Werbeverbot für Produkte aus Deutschland, Großbritannien und Südkorea aus. Die – so wörtlich – »Waren der Feinde« sollen nun mit einer Strafsteuer belegt werden. Wann die Vergeltungsmaßnahmen letztendlich in Kraft treten sollen, ließ Rahimi noch offen.

Der iranische Vizepräsident titulierte den Euro und den Dollar als »schmutzige Währungen« und forderte dazu auf, Geschäfte künftig nur noch in den Währungen befreundeter Länder zu machen. Auch werde sein Land weniger Waren aus Europa einkaufen, was 200.000 Arbeitsplätze in der Europäischen Union gefährden würde, so Rahimi weiter.

Damit geht der Streit um Irans Atomprogramm in eine neue Phase. Die EU hatte ihrerseits jüngst beschlossen, Strafmaßnahmen und Sanktionen gegen die Energie, Finanz- und Transportbranche der Mullahs einzuleiten. Auch Investitionen in die iranische Öl- und Gasindustrie wurden verboten, um so Teheran zu Verhandlungen über sein Atomprogramm zu zwingen.

Sowohl der Westen – vor allem die USA – als auch Israel werfen dem Gottesstaat vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie Atomwaffen zu entwickeln. Doch das ist keinesfalls bewiesen und selbst die US-Geheimdienste sind davon nicht überzeugt.

Die EU hingegen reagierte gelassen auf die Sanktionsankündigungen aus Teheran und bezeichnete sie als »übliche Rhetorik«. Doch die Vergeltung der Mullahs dürfte die Europäer härter treffen, als sie offiziell zugestehen. Denn 2009 hatte der Iran immerhin EU-Produkte im Wert von 10,4 Milliarden Euro eingekauft.

Auch die deutsche Wirtschaft dürfte von der Eskalation nicht gerade begeistert sein, denn die Bundesrepublik ist traditionell einer der wichtigsten Handelspartner des Iran. Deutsche Unternehmen wie BASF oder Siemens haben bisher vor allem Maschinen, Chemieprodukte und Metalle in die islamische Republik exportiert. Geschätzter Gesamtwert der Ausfuhren: 3,7 Milliarden Euro. Die deutsche Einfuhr hingegen betrug nur 538 Millionen Euro. Vor allem Erdöl, Nahrungsmittel, Rohstoffe, Textilien- und Bekleidung sowie chemische Erzeugnisse und Maschinen wurden importiert.

 

__________________________

Quellen:

 

Handelsblatt, 11. August 2010

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,674451,00.html

https://www.gtai.de/ext/anlagen/MktAnlage_5763.pdf?show=true

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Iran-Krise: Forscher befürchten langen Krieg

Udo Schulze

Im Falle eines israelischen Angriffs auf den Iran steht der Welt ein unabsehbar langer Krieg bevor. Diese Einschätzung äußerten jetzt hochrangige Mitarbeiter des Think-Tank (Deutsch: Denkfabrik) Oxford Research Group (Forschungsgruppe Oxford) aus der britischen Universitätsstadt.  mehr …

Deutscher Zoll soll verbotenes Iran-Geschäft zugelassen haben

Udo Schulze

Sasan Azodi, österreichischer Kaufmann mir iranischen Wurzeln, hat ein Problem. Es nennt sich Fix 32 von Intellution, stammt aus den USA und nutzt Microsoft Windows NT 4.0. Genau dieses Programm hat er nach eigenen Angaben der deutschen Firma Dräger aus Lübeck zu Testzwecken besorgt. Und plötzlich verfügt der Iran über die Software, die nicht nur  mehr …

Klare Sicht für einen Schlag der USA gegen Iran

Niki Vogt

Victor Kotsev ist freier Journalist und politischer Analyst mit Schwerpunkt Mittlerer Osten. Am 3. Juli veröffentlichte er untenstehend übersetzten Artikel in der »Asia Times«. Wir wollen unseren Lesern diese Analyse und Einschätzung nicht vorenthalten. In den bundesdeutschen Medien wird das bedrohliche Szenario des möglichen dritten Weltkrieges –  mehr …

Möglicher Atomkrieg Iran? Deutschland sendet eindeutige Signale!

Redaktion

Während Deutschland im Fußballfieber liegt, wird ein Krieg zwischen dem Iran und Israel immer wahrscheinlicher. Während die bundesdeutschen Medien bunte Interviews mit Bundestrainer Löw auf die Titelseiten ihrer Magazine hieven und gleichzeitig  das Sommerfest mit ihrem neuen Bundespräsidenten feiern, verlieren die Nachrichten kaum ein Wort über  mehr …

Iran-Konflikt: Fidel Castro fürchtet weltweiten Atomkrieg

Udo Schulze

In einem offenen Brief an die Bevölkerung Kubas hat der ehemalige Staatschef der Insel, Fidel Castro, vor einem Atomkrieg der Amerikaner und Israelis gegen den Iran gewarnt.  mehr …

USA entsenden weiteren Flugzeugträger Richtung Iran

Udo Schulze

Wie aus Militärquellen verlautet, haben die USA einen weiteren Flugzeugträger Richtung Iran entsandt – neben der USS Harry S. Truman und der Dwight D. Eisenhower ist das inzwischen der dritte seiner Art in den arabischen Gewässern.  mehr …

Bundeswehr: Verstrickt in heimliche Kriegsvorbereitungen?

Udo Schulze

Gut getarnt hinter der Alltagspolitik bereiten sich die Bundesregierung und Teile der Bundeswehr offenbar auf eine erneute kriegerische Auseinandersetzung vor. Ziel der heimlichen Bemühungen, die vom Einsatzführungskommando in Potsdam vorangetrieben werden, ist – zusammen mit den USA und Israel – ein militärischer Sieg im arabischen Raum. Der  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Iran-Krise: Forscher befürchten langen Krieg

Udo Schulze

Im Falle eines israelischen Angriffs auf den Iran steht der Welt ein unabsehbar langer Krieg bevor. Diese Einschätzung äußerten jetzt hochrangige Mitarbeiter des Think-Tank (Deutsch: Denkfabrik) Oxford Research Group (Forschungsgruppe Oxford) aus der britischen Universitätsstadt.  mehr …

Loveparade: Interne Unterlagen belasten Sicherheitsexperten

Udo Schulze

Der Loveparade-Skandal nimmt kein Ende. Während sich die öffentliche Diskussion um die Verantwortlichen inzwischen gelegt hat und »Qualitätsmedien« die Sache weitestgehend ruhen lassen, kommen immer mehr unrühmliche Tatsachen ans Licht. Eine davon: Sicherheitsexperte Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen spielt eine  mehr …

Mit Japan geht es weiter bergab

Michael Grandt

Um das »Land des Lächelns« ist es nicht gut bestellt. Harte Fakten zeigen, warum auch in den nächsten Jahren mit keiner Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zu rechnen ist und es sogar noch schlimmer kommen könnte.  mehr …

Klare Sicht für einen Schlag der USA gegen Iran

Niki Vogt

Victor Kotsev ist freier Journalist und politischer Analyst mit Schwerpunkt Mittlerer Osten. Am 3. Juli veröffentlichte er untenstehend übersetzten Artikel in der »Asia Times«. Wir wollen unseren Lesern diese Analyse und Einschätzung nicht vorenthalten. In den bundesdeutschen Medien wird das bedrohliche Szenario des möglichen dritten Weltkrieges –  mehr …

Flut in Pakistan: Die »Ungläubigen« müssen bezahlen

Udo Ulfkotte

In Pakistan leben Menschen, die regelmäßig aus reinem Hass auf den Westen Flaggen europäischer Staaten verbrennen. Als Gutmenschen haben wir das stets ignoriert. Um unsere große Toleranz zu bekunden, haben wir stattdessen die Entwicklungshilfe erhöht. Von diesem Geld hat man in keinem Falle Dämme gegen die alljährlichen Folgen des Monsunregens  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.