Die Rache der Mullahs
Michael Grandt
Irans Antwort auf die neuen europäischen Sanktionen ließ nicht lange auf sich warten: keine Geschäfte mehr mit den »schmutzigen Währungen« Euro und Dollar, eine Strafsteuer auf die »Waren der Feinde« und deutliche Drosselung von der Einfuhr europäischer Waren, was bis zu 200.000 Arbeitsplätze gefährden könnte.
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Nachdem die Europäische Union die bisher schärfsten Sanktionen gegen das iranische Atomprogramm erlassen hatte, droht Teheran nun mit Vergeltung auf dem wirtschaftlichen und finanziellen Sektor.
So wollen die Iraner internationale Geschäfte zukünftig nicht mehr in Euro oder Dollar abwickeln, was insbesondere auch für den Ölmarkt gilt. Zudem sprach sich der Stellvertreter von Präsident Ahmadinedschad, Mohammed-Resa Rahimi für ein Werbeverbot für Produkte aus Deutschland, Großbritannien und Südkorea aus. Die – so wörtlich – »Waren der Feinde« sollen nun mit einer Strafsteuer belegt werden. Wann die Vergeltungsmaßnahmen letztendlich in Kraft treten sollen, ließ Rahimi noch offen.
Der iranische Vizepräsident titulierte den Euro und den Dollar als »schmutzige Währungen« und forderte dazu auf, Geschäfte künftig nur noch in den Währungen befreundeter Länder zu machen. Auch werde sein Land weniger Waren aus Europa einkaufen, was 200.000 Arbeitsplätze in der Europäischen Union gefährden würde, so Rahimi weiter.
Damit geht der Streit um Irans Atomprogramm in eine neue Phase. Die EU hatte ihrerseits jüngst beschlossen, Strafmaßnahmen und Sanktionen gegen die Energie, Finanz- und Transportbranche der Mullahs einzuleiten. Auch Investitionen in die iranische Öl- und Gasindustrie wurden verboten, um so Teheran zu Verhandlungen über sein Atomprogramm zu zwingen.
Sowohl der Westen – vor allem die USA – als auch Israel werfen dem Gottesstaat vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie Atomwaffen zu entwickeln. Doch das ist keinesfalls bewiesen und selbst die US-Geheimdienste sind davon nicht überzeugt.
Die EU hingegen reagierte gelassen auf die Sanktionsankündigungen aus Teheran und bezeichnete sie als »übliche Rhetorik«. Doch die Vergeltung der Mullahs dürfte die Europäer härter treffen, als sie offiziell zugestehen. Denn 2009 hatte der Iran immerhin EU-Produkte im Wert von 10,4 Milliarden Euro eingekauft.
Auch die deutsche Wirtschaft dürfte von der Eskalation nicht gerade begeistert sein, denn die Bundesrepublik ist traditionell einer der wichtigsten Handelspartner des Iran. Deutsche Unternehmen wie BASF oder Siemens haben bisher vor allem Maschinen, Chemieprodukte und Metalle in die islamische Republik exportiert. Geschätzter Gesamtwert der Ausfuhren: 3,7 Milliarden Euro. Die deutsche Einfuhr hingegen betrug nur 538 Millionen Euro. Vor allem Erdöl, Nahrungsmittel, Rohstoffe, Textilien- und Bekleidung sowie chemische Erzeugnisse und Maschinen wurden importiert.
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Quellen:
Handelsblatt, 11. August 2010
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,674451,00.html
https://www.gtai.de/ext/anlagen/MktAnlage_5763.pdf?show=true
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