
Medienberichten zufolge drängt die Europäische Zentralbank (EZB) die beteiligten Notenbanken zu einer Kapitalaufstockung, weil sie wegen der Schuldenkrise mehr Grundkapital braucht. Offenbar haben die europäischen Währungshüter jetzt selbst Angst vor drastischen Verlusten der von ihnen aufgekauften maroden Staatsanleihen in Milliardenhöhe.
Um deren Refinanzierungsnot zu lindern, kauft die EZB seit Monaten Staatsanleihen krisengeplagter Länder wie Griechenland, Portugal und Irland auf. Diese erhalten auf dem freien Finanzmarkt entweder gar kein Kapital mehr oder nur noch zu überteuerten Zinsen. Bisher hat die EZB für rund 72 Milliarden Euro Staatsanleihen erworben.
Der Hilferuf der EZB ist ein neuer Höhepunkt in der Schuldenkrise, ging man doch bisher davon aus, dass sie Anleihen in nahezu unbegrenzter Höhe aufkauft. Doch jetzt geht den Währungshütern selbst das Geld aus.
Betrachtet man die nackten Zahlen, sieht die Bilanz der EZB tatsächlich verheerend aus: Das Grundkapital beträgt 5,8 Milliarden Euro. Aber durch zahlreiche Hilfsmaßnahmen ist ihre Bilanz auf fast 140 Milliarden Euro angeschwollen – und das ohne reale Deckung. Die Bilanzsumme der EZB zusammen mit den nationalen Notenbanken des Euro-Raums beträgt rund 1,9 Billionen Euro und ist ebenfalls überproportional aufgebläht.
Rund 70 Prozent des Kapitals der EZB halten die Notenbanken der 16 Euro-Länder, der Rest verteilt sich auf andere EU-Länder, die nicht in der Währungsunion sind, etwa Schweden, Dänemark oder Großbritannien.
Würde sich das EZB-Grundkapital verdoppeln, müsste der deutsche Steuerzahler wieder den größten Teil dazu beitragen, etwa eine Milliarde Euro. Die sowieso schon angeschlagenen PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) dürften bei ihrer Beteiligung wohl mit einem blauen Auge davon kommen. Insider vermuten, dass der Zeitraum der Nachschusspflicht für diese Länder wohl gestreckt werden wird.
Die EZB in Schwierigkeiten: Das europäische Boot beginnt zu sinken.
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Quelle:
Financial Times Deutschland vom 14.12.2010
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