Jetzt müssen wir auch noch die Franzosen retten!
Michael Grandt
Bei dem Treffen von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy soll es offiziell um die Lösung von Europas Schuldenkrise gegangen sein. Doch vornehmlich ging es um die Rettung französischer Banken und um die Verhinderung der Herabstufung von Frankreichs Bonität.

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sich treffen, ist Gefahr im Verzug. Genauso war es dann auch, denn es ging um den drohenden Zusammenbruch
des europäischen Finanzsystems. In Politikersprache klingt das so: »Verständigung auf eine Rekapitalisierung der Banken in Europa«.
Eine Lösung soll schon in drei bis vier Wochen gefunden werden. Dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Für andere, viel unbedeutendere Dinge braucht die Politik mitunter mehrere Jahre.
Der Grund für die Eile ist schnell ausgemacht: Griechenlands Pleite rückt immer näher und bedroht die Stabilität der Banken in Europa, vor allem aber die der Franzosen. Ein Schuldenschnitt von 50 Prozent ist wahrscheinlich.
Das wäre der Super-GAU für Frankreich, und nach Einschätzung von Experten könnte Frankreich sogar sein »AAA-Rating« verlieren, was Sarkozy wohl mit der Hilfe deutscher Steuerzahler verhindern will. Wohl nicht umsonst gab er sich so zahm wie ein Schoßhündchen.
Einen ersten Warnschuss gab es bereits: Die belgisch-französische Bank Dexia ist in akuter Notlage.
Bereits am 19. August 2010 habe ich in meinem Content darauf hingewiesen, dass Frankreich seine Top-Bonität verlieren könnte. Jetzt ist es anscheinend fast soweit. Denn Frankreich lebt seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse:
- Milliardendefizite in den Sozialkassen: Alleine in diesem Jahr wird ein Defizit von 18,2 Milliarden Euro erwartet.
- Die Staatsquote liegt bei stolzen 56 Prozent.
- Es gibt fast keinen Mittelstand; rund 10.000 Firmen fehlen.
- Die Jugendarbeitslosigkeit stagniert seit Langem um die 20 Prozent.
- Nur jeder zweite Franzose, der über 50 Jahre alt ist, arbeitet noch.
- Das Renteneintrittsalter lag bis vor Kurzem noch bei 60 Jahren (jetzt 62).
- Das Wirtschaftswachstum wird im kommenden Jahr nur etwa 0,2 Prozent betragen.
- Die Banken sind massiv verschuldet. Allen voran die Dexia, aber auch andere Großbanken wurden erst kürzlich herabgestuft. Eine staatliche Bankenstützung würde Frankreich zusätzlich 360 Milliarden Euro kosten, etwa 17 Prozent der Wirtschaftsleistung.
- Die Staatsverschuldung liegt aber jetzt schon bei über 85 Prozent.
Bei diesen erschreckenden Zahlen ist doch klar, dass Sarkozy die Bankenkapitalisierung (sprich: Bankenrettung) über den europäischen Rettungsfonds EFSF finanzieren will. Und Sie können es sich denken: Hier sind die deutschen Steuerzahler wiederum mit den höchsten Beträgen beteiligt.
Also stellen Sie sich schon einmal darauf ein: Nach Griechenland, Irland und Portugal werden Sie demnächst auch noch die französischen Banken retten können. Danke schon einmal vorab!
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