Portugal – der nächste Crash-Kandidat
Michael Grandt
Die Märkte suchen sich das nächste Euro-Opfer und schießen sich jetzt auf Portugal ein. Es wird nur noch eine Frage von wenigen Wochen sein, dass auch dieses Land unter den Rettungsschirm schlüpfen muss.

Schön und beruhigend klangen die Worte, die Angela Merkel am 10. Mai dieses Jahres vor den Kameras fand: »Der Rettungsfonds ist eine entschlossene und geschlossene Botschaft an diejenigen, die glauben, den Euro schwächen zu können.« Der Kern dieser Botschaft: Jeglicher Angriff auf einen Mitgliedstaat der Eurozone ist zwecklos.
Doch Pustekuchen. Schon rund ein halbes Jahr nach dieser vollmundigen Ankündigung muss nun Irland mit vielen Milliarden vor dem Staatsbankrott gerettet werden. Die Märkte haben sich von dem Rettungsschirm nicht blenden lassen, sondern zerpflücken die volkswirtschaftlichen Kennziffern einzelner schwacher Euro-Staaten. Nächster Kandidat: Portugal. Hier sind die deutschen Banken mit rund 37 Milliarden Dollar engagiert.
Der Markt jedenfalls ist alarmiert und die Renditen der portugiesischen Staatsanleihen steigen
immer weiter. Und wieder das gleiche Verdummungsspiel wie bei Griechenland und Irland: EU-Währungskommissar Olli Rehn beschwichtigt und gibt an, dass der Bankensektor in Portugal »gesund« sei. Das stimmt so einigermaßen, aber er verschweigt andere wichtige Tatsachen: Irland hat nur ein Leistungsbilanzdefizit von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, Portugal hingegen ein Minus von über zehn Prozent. Die Steigerung der Wirtschaftsleistung in Irland wird für 2011 auf 1,5 Prozent prognostiziert, in Portugal geht man hingegen davon aus, dass sie noch um 0,2 Prozent schrumpft.
Schon wirbt die sozialistische Regierung angesichts der prekären Wirtschafts- und Finanzlage für eine parteiübergreifende große Koalition, weil nur so die »nötige politische Stabilität« gesichert werden könne, ansonsten sei sogar das Ausscheiden Portugals aus der Währungsunion nicht mehr auszuschließen.
Dennoch versicherte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos, dass sein Land keine Hilfe aus dem EU-Rettungsfonds brauche und nicht mit Irland zu vergleichen sei. Starke Worte, die übrigens sein irischer Kollege auch noch vor ein paar Tagen in ähnlicher Weise von sich gegeben hat. Experten gehen schon jetzt davon aus, dass Teixeira dos Santos‘ Versprechen eine Halbwertszeit von nur mehreren Wochen haben wird.
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Quellen:
Handelsblatt vom 18.11.2010 und 23.11.2010
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