
Die Ergebnisse des »gefakten« EU-Banken-Stresstests liegen seit ein paar Tagen vor und enthüllen eigentlich nichts Verwunderliches, außer: Alles ist gut! Die deutschen Banken bestehen den
Stresstest, aber acht von 90 europäischen Großbanken fielen durch (fünf aus Spanien, zwei aus Griechenland und die österreichische Volksbanken AG, kurz ÖVAG).
Natürlich war dieser Stresstest, wie auch der der Versicherungen (siehe meinen Content »EU-Stresstests: Zehn Prozent der Versicherer fallen durch« in KOPP Exklusiv 28/11 wieder einmal beschönigt, indem man »brutale« Szenarien, etwa eine Pleite Griechenlands, gleich gar nicht berücksichtigte. Die europäische Aufsichtsbehörde Eba gibt selbst zu, dass »Erstrunden-Effekte von Staatspleiten vor allem die Geldinstitute in den Heimatländern treffen« werden. Allerdings hat man vergessen weiterzudenken, denn die Eba verweist darauf, dass man die »Zweitrunden-Effekte« bei Staatspleiten »nicht berücksichtigt« habe. Das ist ein (gewollter) Anfängerfehler und soll offenbar die Menschen beruhigen, die wohl bei einem noch schlechteren Ergebnis ihre Ersparnisse von den betroffenen Banken abziehen würden.
Dennoch ist dieser »Stresstest für Dumme« auf den zweiten Blick aussagekräftiger, als die Initiatoren dies vielleicht wollten. Denn er enthüllt, welche Banken wie viele griechische Staatsanleihen in ihrem Portfolio halten. Nach den Daten des Eba-Stresstests und der Bundesbank ergeben sich für deutsche Großbanken folgende Zahlen (in Millionen Euro):
Commerzbank: 3065
Deutsche Bank: 1773
LBBW: 775
DZ Bank: 731
Landesbank Berlin: 448
WestLB: 343
WGZ Bank: 316
NordLB: 150
BayernLB: 145
HSH Nordbank: 100
Dekabank: 87
Zumindest diese Daten waren bislang in der Öffentlichkeit so nicht bekannt. Sie können also auf einen Blick sehen, wie »sicher« Ihre Bank Ihr Geld angelegt hat.
Welche Zahlen stimmen?
Auf die EU verteilt sind fast 30 Prozent der gesamten Staatsschulden der de facto bankrotten Staaten Griechenland, Irland und Portugal im Portfolio europäischer Banken. Können die Regierungen in den betroffenen Ländern also ihre Schulden nicht mehr bedienen, müssten die Banken einen Teil oder sogar die gesamten Verbindlichkeiten abschreiben, mit verheerenden Folgen: Gegen diese neue Bankenkrise wäre die Finanzkrise von 2008 sicherlich nur ein laues Lüftchen – und mitten drin: deutsche Banken, die der größte Auslandsgläubiger von Griechenland sind.
Laut den Zahlen des europäischen Stresstests halten deutsche Banken 8,8 Milliarden an Griechenlandanleihen (s. o.). Vermögensverwalter hingegen rechnen – im Gegensatz zur Eba – die KfW und die HRE dazu und kommen so auf ein Volumen von 17 Milliarden Euro:
Griechische Banken: 50 Mrd.
Deutsche Banken: 17 Mrd.
Französische Banken: 11 Mrd.
Italienische Banken: 2 Mrd.
Übrige europäische Banken: 9 Mrd.
Übrige Banken weltweit: 1 Mrd.
IWF/EU: 53 Mrd.
EZB: 47 Mrd.
Vermögensverwalter,
staatliche Fonds und
Zentralbanken: 151 Mrd.
Unstrittig ist der Wert der griechischen Staatsanleihen: 341 Milliarden Euro.
Doch egal, welche Zahlen nun stimmen, eine irgendwie geartete Umschuldung würde viele Banken in Bedrängnis bringen und am Ende wäre der Kunde dann doch der Dumme.
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Quellen:
BIZ
EBA
Eba-Stresstest
Bundesbank
IWF
Bloomberg
RBC
Barclays Capital
Handelsblatt v. 13. 7. 2011; 18. 7 .2011; 19. 7. 2011
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