Friday, 1. July 2016
17.01.2011
 
 

Unsichere Versicherungen

Michael Grandt

Eine Lebensversicherung hat (fast) jeder Deutsche abgeschlossen. Bisher galt sie als unverzichtbar für den Vermögensaufbau und die Altersabsicherung. Aber diese Zeiten sind vorbei. Ein immer weiter sinkender Garantiezins, eine immer schmälere Überschussbeteiligung, Inflation und die Anlage in unsicheren Staatsanleihen machen den einstigen Klassiker mehr und mehr zum Risikogeschäft.

Es ist in der Branche kein Geheimnis mehr: Die garantierte Verzinsung von Lebensversicherungen soll ab 2012 sinken. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) hatte dem Finanzministerium empfohlen, den Garantiezins für Neuverträge ab dem 1. Januar 2012 von derzeit 2,25 auf 2,0 Prozent herabzustufen. Das Bundesfinanzministerium hatte sogar darüber nachgedacht, die Garantie auf nur noch 1,75 Prozent abzusenken.* Aber dann bestünde sogar die Gefahr, dass Kunden nach Ablauf ihrer Versicherung weniger zurückerhalten, als sie einbezahlt haben. Und auch die so hochgelobten Riesterverträge wären noch unattraktiver, denn um die staatliche Förderung zu erhalten, müsste man dann 15 bis 20 Jahre lang einbezahlen. Der Grund: Der Gesetzgeber verlangt, dass der Sparer nach Renteneintritt mindestens Leistungen in Höhe seiner einbezahlten Beträge erhält. Doch der Kunde zahlt in den ersten Jahren vor allem die Kosten und so dauert es bei einer niedrigen Verzinsung deutlich länger, bis die vom Staat vorgeschriebene Summe angespart ist.

Versicherungsunternehmen dürfen ihren Kunden keine höhere als die Garantieverzinsung** zusagen. So soll – zumindest in der Theorie – verhindert werden, dass die Unternehmen wegen zu hoher Zinsversprechen in Niedrigzinsphasen in Schwierigkeiten geraten. Aber eine noch niedrigere Garantieverzinsung wird den Verkauf von Lebens- und Rentenversicherungen erschweren, weil die Produkte nach Abzug von Kosten und der Inflationsrate wohl Minusgeschäfte sein werden, jedenfalls bei allen nicht fondsgebundenen Policen. So fürchtet die Assekuranz um das dringend benötigte Neugeschäft.

Die Begründung der DAV zur Senkung des Garantiezinses ist beunruhigend: Die Rendite der Anleihen von Staaten mit guter Bonität ist deutlich gesunken und gerade sie sind ein wichtiger Pfeiler bei der Kapitalanlage von Lebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen. Ups! Genau das habe ich in meinem Buch »Der Crash der Lebensversicherungen« bereits vor eineinhalb Jahren prognostiziert und musste mir damals den Vorwurf, ich sei ein unseriöser Crashprophet, gefallen lassen.

Noch halten die Deutschen rund 95 Millionen Lebensversicherungen, doch die bringen seit Jahren tendenziell sinkende Erträge. Die Garantiezinsen, aber auch die Überschussbeteiligung werden immer niedriger. Waren es vor zehn Jahren noch etwa sieben Prozent, die Policen an Rendite erwirtschafteten, sind es derzeit nur noch rund vier Prozent, Tendenz fallend. Das kann bei einem Vertrag mit längerer Laufzeit einige Zehntausend Euro Verlust bedeuten. Hoffentlich wird so eine Lebensversicherung nicht zur Tilgung eines Darlehens oder einer Hypothek benutzt, denn dann könnte es ein böses Erwachen geben.

Doch um die, im Vergleich am Markt, relativ hohen Garantiezinsen älterer Verträge, die im Jahr 2002 noch 3,25 Prozent betragen haben, noch bezahlen zu können, müssen die Versicherer immer mehr Kapital auf die Seite legen. Die Lage scheint ernst zu sein, denn die Finanzaufsicht BaFin hatte die Anbieter bereits Ende letzten Jahres dazu aufgefordert, die Rückstellungen für einen Teil der Verträge schon 2011 zu erhöhen. Das meldete die Financial Times Deutschland. Begründung auch hier: Die anhaltend niedrigen Zinsen, die Versicherer in Anleihen erhalten, denn die Erträge daraus könnten nicht ausreichen, um die garantierten Ansprüche der Kunden zu befriedigen.

Die Niedrigzinsphase und die Unsicherheit bei Anleihen treiben die Versicherer immer mehr in die Enge. Einerseits wollen sie nicht noch mehr Kapital in Anleihen maroder Staaten oder Banken investieren, andererseits bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, weil hohe Zinsen am Kapitalmarkt derzeit nur mit unsicheren Papieren zu machen sind. Aber gerade Banken wiederum haben viel Geld in Immobilien investiert, z. B. in den zusammengebrochenen Märkten in den USA und in Spanien. Auch die Inflation birgt Gefahren für die Assekuranz, denn dann steigen auch die Zinsen und für Kunden würden kurzfristige Geldanlagen der Banken attraktiver. Dies dürfte das Neugeschäft der Lebensversicherer nicht gerade ankurbeln. So wird das Risiko immer höher. Anleger sollten sich also keine falschen Illusionen mehr machen, denn sicher ist nur eines: Lebensversicherungen sind nicht mehr sicher.

 

 

* Altverträge bleiben davon unberührt, die dort bereits gewährte Garantieverzinsung ist nicht betroffen.

** Die Garantieverzinsung wird unabhängig wie viele Überschüsse eine Versicherung erwirtschaftet gewährt und an alle Kunden ausbezahlt. Allerdings wird der Garantiezins nur den Guthaben gutgeschrieben, die sich nach Abzug der Kosten ansammeln.

 

 


 

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