Sunday, 21. September 2014
02.12.2012
 
 

Die Zeit: »Wie guter Journalismus überleben kann« und das Phantom »Die Klimakrieger«

Michael Limburg

Anders als fast alle Zeitungen und Zeitschriften leidet die Wochenzeitung Die Zeit nicht an Leserschrumpfung und damit Verlust an Auflage, Umsatz und Bedeutung. Sie hält ihre verkaufte Auflage seit 2011 stabil. Dies hat sie in erster Linie – wie der Verlag betont – ihrem wachsendem Abonnentenstamm zu verdanken. Diese Stabilität nimmt die Chefredaktion stolz zum Anlass, ihre Konkurrenten darüber zu belehren, wie man das macht: »Wie guter Journalismus überleben kann« schreibt sie ihren Kollegen als Aufmacher (Seite 1) der Ausgabe vom 22.11.12 ins Stammbuch und meint mit »gutem Journalismus« natürlich in erster Linie sich selbst.

Die Zeit, früher das etwas sperrige Leib- und Magenblatt des liberalen Bürgertums mit durchweg ausgewogenen Pro- und Kontra-Darstellungen auch kniffligster Probleme, hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum links-grünen Kampfblatt des öko-industriellen Komplexes entwickelt. Neue Abonnenten aus dem frisch ergrünten satten Bürgertum dankten es ihr. Und die wollen

entsprechend bedient werden. Mit »gutem Journalismus«.

 

Dazu eignet sich besonders die Betonung der Notwendigkeit der Weltrettung, z.B. vor der Klimakatastrophe. Da die aber, trotz aller wiederholten Kassandrarufe, seit Jahrzehnten auf sich warten lässt, weil sich das Weltklima zudem noch total anders entwickelte, als die IPCC- und PIK-Gurus voraussagten, sollte die Neuanfachung des Katastrophenglaubens eine wichtige Zeit-gemäße, erzieherische Aufgabe werden. Und so widmet man sich dieser Aufgabe immer wieder mit Inbrunst. Auf Seite 32 liefern die bereits einschlägig bekannten Redakteure Frank Drieschner und Fritz Vorholz dem Klimakatastrophisten Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die Stichworte für sein heißes Vier-Grad-Szenario – welches uns zum Glück erst in 90 Jahren droht.

 

Weil dieses wahrlich heiße Szenario aus Computermodellen aber eventuell noch nicht genug Panik liefert, mussten zusätzlich investigative SpitzenjournalistInnen ran, um die Gegner dieser Panikmache, »gut bezahlte Söldnertruppe«  genannt, zu »enttarnen« und damit unschädlich zu machen. Was bei dieser Anstrengung herauskam war »..ein Lehrstück über die Kunst des Lügens«, wie die AutorInnen ungewollt selbstironisch zu Protokoll gaben.

 

Und weil die Söldner (wie anders) alles Männer waren, wählte die Chefredaktion trickreich und zudem in politisch sehr korrekter Übererfüllung der Frauenquote  für diese schwierige Aufgabe zwei in investigativem Journalismus trainierte und damit gestählte JournalistInnen aus.

 

Aus dem neugegründeten Ressort »Dossier« durften Frau Anita Blasberg, Jahrgang 1977 (anita.blasberg@zeit.de),  und Frau Kerstin Kohlenberg, Jahrgang 1970 (kerstin.kohlenberg@zeit.de), den Kampf gegen die Söldner aufnehmen. Gewiss keine leichte Aufgabe, denn sie verlangte Mut und Kenntnisse in journalistischer Kampftechnik. Doch sie waren gut vorbereitet. Denn zuvor hatten sie so harte Fächer wie Soziologie, Politik, Psychologie und Germanistik bzw. Soziologie, Volkswirtschaft und Politik studiert und sich anschließend einem Journalismustraining in bekannten Kaderschmieden wie der Henri-Nannen-Journalistenschule unterzogen bzw. als Redakteurin beim Tagesspiegel das investigative Handwerk von der Pike auf gelernt. Die eine bekam dafür bald den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus und den Deutschen Sozialpreis, die andere wurde u.a. für den Henri-Nannen-Preis nominiert.

 

So trefflich gerüstet flog man zur Recherche mehrere Male ins Lieblings-Reich des Bösen aller deutschen Intellektuellen, die USA. Dort hatte zwar die Lichtgestalt deutscher Gutmenschen Barack Obama erneut – wenn auch mit knapper Not – die Präsidentschaft übernommen, derselbe Obama, der im Wahlkampf 2008 von sich behauptete, dass er – wenn gewählt – den Planeten heilen werde und das Meer veranlassen werde, nicht mehr zu steigen. Nun, der Planet ist zwar so heil oder kaputt wie eh und je, aber das Meer stieg nun prompt nicht mehr an. Wohl angespornt durch diesen unverhofften Erfolg, erklärte sich Obama nach seiner Wiederwahl zum treuen Gläubigen des Märchens vom (anthropogenen) Klimawandel und versprach, mehr Augenmerk als in seiner ersten Amtszeit auf dieses »brennende« Problem zu lenken.

 

Damit voll auf Linie, scheute Die Zeit keine Kosten und Mühen, ihn im Kampf gegen die »Klimaleugner« brav und vorauseilend zu unterstützen. Doch im Eifer, die vermuteten Klimakrieger hart zu treffen, unterlief ihr schon der erste Fehler in »guter journalistischer Arbeit«. Statt den Betreiber des weltweit mit Abstand meist gelesenen und zitierten Klimarealisten-Blogs WUWT von Anthony Watts anzugehen, wählte man als Hauptzielperson Marc Morano aus, den Betreiber des CFACT-Blogs Climate Depot. Der passte doch viel besser ins Gut-Böse-Schema, war er doch nicht nur »Klimaleugner«, sondern zudem noch überzeugter Republikaner und hatte – über allerlei Umwege zwar – indirekt auch für den verhassten George W. Bush gearbeitet. Das hatte zudem den Charme, dass man sich fachlich nicht auseinanderzusetzen hatte, denn Marc Morano ist kein Meteorologe wie Anthony Watts, sondern glücklicherweise nur ein »PR-Stratege« mit dem »bösen« Parteibuch der Republikaner. Um ihn niederzuschreiben, konnte man leichter alte und neue Kamellen nahtlos aneinander reihen. Sie passten allesamt gut ins fest geschlossene Weltbild der Zeit. Zum Beispiel die Behauptung, dass der »PR-Stratege« die weltweite Kampagne der Klimaleugner entfacht hätte (s. Bildbeschriftung und im Text). Dass diese schon seit mindestens 20 Jahren läuft und von Zehntausenden von Wissenschaftlern weltweit unterstützt wird, war den Zeit-InvestigatorInnen in ihrem Eifer, eine Sensation aufzudecken, entgangen oder hätte den schönen Anklagetext gestört.

 

Ein professioneller Fotograf machte dann viele schöne Aufnahmen eines unerbittlich schauenden Marc Morano, wie der das Klima verbissen leugnet. Pate Godfather ließ grüßen. Dabei soll er doch das »wohl aggressivste Mitglied einer gut bezahlten Söldnertruppe« sein. An seiner »guten« Bezahlung kann sein grimmiger Gesichtsausdruck daher wohl nicht liegen.

 

Oder die Behauptung über die vielen Hundert Millionen Dollar, welche die Klimaleugner von der bösen Industrie erhalten hätten. Denn leider vergaßen die AutorInnen eine Quelle anzugeben, welche die Hunderte von Millionen belegen könnte, die – so wird einfach im Text »gut journalistisch und investigativ« behauptet – die Klimaleugner erhalten hätten. Wir von EIKE müssen für uns und auch für CFACT enttäuscht feststellen, dass von diesem Geldsegen bei uns nichts angekommen ist.

 

Völlig außen vor ließen die AutorInnen hingegen die jährlichen Hunderte bis Tausende von Milliarden, die von staatlicher wie privater Seite an die Klimakatastrophisten bezahlt wurden. Die folgende Tabelle holt dies für alle Leser nach und gibt einen Überblick:

 

Organisation

USD

Quelle

Greenpeace

300m

2010 Annual Report

WWF

700m

2010 Annual Review (524m Euro)

Pew Charitable Trust

360m

2010 Annual Report

Sierra Club

56m

2010 Annual Report

NSW Climate Change Fund (ein Beispiel für eine staatliche Einrichtung)

750m

NSW Gov (A$700m)

UK University Climate Fund (ein weiteres Besipiel für eine staatliche Einrichtung)

360m

UK Gov (£234 m)

Heartland Institute

7m

(tatsächlich $6,4m)

US-Etat für »climate science and technology«

7.000m

Climate Money 2009

US -Etat für »climate related appropriations«

1.300m

USAID[E1] 2010

Jährlicher Umsatz im weltweiten CO2-Emissionsmarkt

120.000m

2010 Point Carbon

Jährliche Investition in erneuerbare Energien

243.000m

2010  BNEF

US–Etat für skeptische Wissenschaftler

0

 

Das sind jährliche Beträge und jährliche Etats. »m« steht für »Million«;  Quelle: Joanne Nova Blog

 

Im Gegensatz zum harten Hund Morano wurde hingegen bei Michael Mann der journalistische Weichzeichner eingesetzt. Er ist bekannt geworden als der Erfinder der schnell als Fälschung entlarvten Hockeystickkurve und größter Trickser in der Klimawissenschaft.

 

Da wird von einem »scheuen, etwas rundlichen Wissenschaftler in ausgetretenen Schuhen« erzählt, der davon »träumte, die Schwankungen des Klimas zu erklären, und sich noch immer im Labor« (in welchem wird nicht gesagt, vermutlich im Klimalabor?) »wohler fühlt als unter Menschen. Er mag es auch sehr, in den Wäldern Pennsylvaniens zu wandern.« Doch wie er wirklich tickt, lässt er – zum Entzücken der InterviewerInnen – auch alle wissen:  »›Der Hockeyschläger war das Schlimmste, was der Industrie passieren konnte‹«, sagt er und dass er es liebt, dass sein Strom für sein »kleines« Haus durch Windkraft erzeugt wird. Und er findet auch – liefert aber natürlich keinen Beweis –, dass »›seit Jahren industriefinanzierte Kampfgruppen versuchen, mich zu diskreditieren, mit einem einzigen Ziel: politisches Handeln zu verhindern‹«.

 

Aufgrund dieser Aussagen, so lassen uns  die AutorInnen wissen, seien seine Ergebnisse völlig unstrittig,  auch wenn einer der besten Statistikexperten Amerikas – Eduard Wegman – belegte,  dass die Mannsche Methodik und damit seine Ergebnisse[i] schlicht falsch ist und zudem nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema auch enthüllte, dass Mann als Mittelpunkt und Treiber einer ganzen Wissenschaftlertruppe des hehren »Weltklimarates« agierte, die wegen ihrer Tricksereien und Betrügereien um den Anstieg der Welttemperatur wenig später durch den Climategate-Skandal zu trauriger Berühmtheit gelangten. Auch das IPCC bemühte sich später nach Kräften, die Hockeystick-Kurve  – nach der Entlarvung durch McIntyre und McKitrick 2006 – im nächsten Bericht (AR4) vergessen zu machen und versteckte ihn deshalb unter einer Fülle von anderen Temperaturkurven anderer Forscher, was als Spaghetti-Diagramm zu trauriger Berühmtheit gelangte.

 

Dies alles sei natürlich nur eine Verschwörung der Klimaleugner, lassen uns die AutorInnen wissen, zumal doch Michael Mann, edel wie er und auch seine Kollegen vom »Weltklimarat« sind, nur von der Luft und von der Liebe leben, weil sie doch »unentgeltlich« arbeiten. Während die bösen Seitz, Singers etc. nicht nur für die Tabaklobby, sondern auch noch für die Raketen- und Atomindustrie gearbeitet hätten und sich für ihr schändliches Treiben auch noch mit 5.000 Dollar pro Monat (Singer!) entlohnen ließen. Ja, die Welt ist schlecht, da muss der Leser den AutorInnen Recht geben.

 

Den Kampf um die Öffentlichkeit geben die AutorInnen für die USA verloren, aber in Europa seien die Klimaleugner noch in der Defensive, denn hier – in Deutschland – glauben die meisten Leute noch an die Ergebnisse der Wissenschaft. Nur der richtigen, natürlich!

 

Und damit kommt das lange, lange Dossier doch noch auf Deutschland und damit EIKE und all die anderen Bösen. Zum Beispiel auf Fritz Vahrenholt, Mitautor des Bestsellers Die kalte Sonne. EIKE, dem man immerhin nicht absprechen kann, die wichtigste deutsche Plattform der »Klimaleugner« zu sein, versucht man im spätjugendlichen Hochmut als »Rentnerverein« zu diskreditieren,  ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass offensichtlich nur finanziell unabhängige Leute wie z.B. Rentner in Deutschland sich objektiv dieser Thematik annehmen können, weil alle anderen sonst erhebliche Schwierigkeiten im beruflichen Umfeld zu erwarten haben. Eine insbesondere staatliche Repression – das Beispiel Dött wurde sogar erwähnt –, der sich viele nicht aussetzen wollen.

 

Wie richtig diese Erfahrung ist, belegen die AutorInnen später, wo sie in bewährter grün-roter Manier Fritz Vahrenholt seine vermutete Nähe zur Industrie bei Ölkonzernen wie Shell und später RWE als belastend auslegen. Obwohl er – das wurde irgendwie empört festgestellt – doch eigentlich zu den Guten gehört, so als SPD-Mitglied und ehemaliger Umweltsenator! Wie kann der nur? Und weil sie ihm sachlich nichts entgegensetzen konnten, auch weil seine Interviewerin nichts von dem verstand, was er ihr sagte und zeigte, behaupteten die beiden dann :

„»Vahrenholt behauptet nicht, die Klimaforscher seien Betrüger, aber er suggeriert, sie seien dümmer als er!«

Wer Fritz Vahrenholt kennt, weiß, dass dieser gebildete Mann niemals zu so plumpen Methoden, wie ihm die AutorInnen unterstellen, greifen würde. Er hat sich aber des Verbrechens schuldig gemacht, von seiner Interviewerin – Frau Blasberg – mehr zu erwarten, als sie verstehen konnte, indem er ihr die entsprechenden offiziellen Temperaturgraphen zeigte, die seine Feststellungen – für jeden, der klar im Kopf und guten Willens ist – deutlich untermauern. Frau Blasberg hat diese Graphen leider nicht so recht deuten können und schloss deshalb messerscharf von sich auf »dümmeren Klimaforscher«.  So was kann einem passieren, Shit happens!

 

Das lange Dossier endet dann mit dem denkwürdigen Absatz: »Als Fritz Vahrenholt in Dresden spricht, liegt der Tag, an dem Michael Mann und seine Kollegen das ›Hockeyschläger-Diagramm‹ veröffentlichten, 14 Jahre zurück. In diesem Zeitraum ist der jährliche Ausstoß von Kohlendioxid auf der Welt um mehr als 40 Prozent gestiegen.« Das die globale Mitteltemperatur im selben Zeitraum aber nicht mit stieg, wie es die These von der Wirksamkeit des CO2 zwingend verlangt, sondern sogar leicht fiel, war den AutorInnen in ihrem Eifer glatt entgangen, obwohl das deutlich auf den offiziellen Graphen, die Vahrenholt zeigte, zu erkennen war. Blinder Eifer ist leider kein Ersatz für guten Journalismus, darf hier getrost festgestellt werden, auch wenn er bei der Zeit wohl dafür gehalten wird.

 

Unser Fazit: Nur für die Wahrheit blinde (oder unwillige) JournalistInnen sind für Die Zeit gute Journalisten. Ein Lehrstück in Orwellscher Rhetorik.

 

Michael Limburg, EIKE

 

 


[i] Prof. McKitrick: Das Wegman-Komitee stellte eigentlich fest, dass »die Darstellungen, dass die 90er-Jahre das wärmste Jahrzehnt im Jahrtausend und 1998 das wärmste Jahr im Jahrtausend gewesen seien, durch die Analyse von Mann et al. nicht gestützt werden«. Und Wegman im Original:  »Ganz allgemein finden wir die Kritik (von McIntyre und McKitrick) berechtigt und ihre Argumente überzeugend. Wir konnten ihre Ergebnisse reproduzieren und sowohl theoretische Erklärungen wie auch Simulationen bieten, die verifizieren, dass ihre Beobachtungen korrekt sind.«

 

 

 

 


 

 

 

 

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