Thursday, 26. May 2016
11.11.2012
 
 

»Möge die Macht mit uns sein!«

Michael Morris

Die europäische Währungskrise wird immer skurriler. Während in weiten Teilen des Kontinents tagtäglich Hunderttausende von Bürgern demonstrieren und es immer öfter zu blutigen Ausschreitungen kommt, während die Wirtschaft erlahmt, Millionen von Menschen ihre Arbeit, ihre Ersparnisse und immer öfter auch ihr Zuhause verlieren, sieht der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble, der Darth Vader unter den Spitzenpolitikern, ernsthaft das Ende der Krise gekommen!

In einem Gastkommentar schreibt er im Wall Street Journal, dass es positive Nachrichten gebe und die Maßnahmen gegen die Euro-Krise erfolgreich seien! Aber wer meinte, diese äußerst subjektive Wahrnehmung der Euro-Realität sei an Skurrilität nicht mehr zu überbieten, der hatte sich geirrt! Denn in dem Moment, wo jegliches soziales Gefüge in Europa zerbröckelt, erhält die EU dafür als

Belohnung den Friedensnobelpreis! Das wird die Euro-Akteure, die hoch über unseren Köpfen in ihrem eigenen Raumschiff schweben, darin bestärken, so weiter zu machen wie bisher. Und genau das scheint auch der Plan dieser Aktion zu sein.

 

 

»Nach zwei Jahren der gemeinsamen Anstrengungen ist klar, dass die Strategie die richtige ist und dass sie trotz gewaltigen Gegenwindes Früchte treibt«, schreibt Schäuble in einem Kommentar über seine Anstrengungen, das völlig außer Kontrolle geratene Raumschiff Euro auf Kurs zu halten. Das ist kein Gegenwind, Herr Schäuble, das ist ein Meteoritenregen! »Vielleicht noch bedeutender: Die wirtschaftlichen Ungleichgewichte, die sich innerhalb der Euro-Zone in den ersten zehn Jahren ihrer Existenz vergrößerten, verringern sich nun wieder.« Was will er uns damit sagen? Dass wir bald alle gleich arm sein werden? Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, die Mittelschicht verschwindet schleichend, was zusammen mit zahlreichen anderen Faktoren beängstigende Parallelen zu den 1920er-Jahren aufzeigt. Dass die nicht gerade zu einem Frieden in Europa führten, dürfte bekannt sein. Außer vielleicht beim Nobelpreiskomitee... Bestärkt durch den edlen Preis wird die Besatzung des Raumschiffs Euro seinen Kurs halten, koste es, was es wolle. Das bestätigte der deutsche Finanzminister soeben in Mexiko – auf einen gemeinsamen Euro-Finanzminister angesprochen − mit den mittlerweile viel zitierten Worten: »It’s not going to happen quickly, but it has to work.«

 

In meinem im April 2011 erschienenen Buch Was Sie nicht wissen sollen schrieb ich u.a., dass die gesamte westliche Welt einigen wenigen Familien gehört und diese nun nach der absoluten Weltherrschaft streben. Ich erklärte darin, dass der Euro gegen alle Widerstände von den Besitzern der Großbanken durchgepeitscht werden würde, um ihn später zusammen mit dem völlig desolaten US-Dollar – und nach und nach auch mit allen anderen Währungen – zu einer bargeldlosen Weltwährung zu verschmelzen. Ich führte weiter aus, dass es zur Umsetzung eines solchen Plans außergewöhnliche Umstände bräuchte, denn solange es den Menschen gut gehe, sie frei seien und bei klarem Verstand, würden sie eine Weltregierung nie zulassen. Nur wenn die Masse eingeschüchtert und mit dem nackten Überleben beschäftigt ist, hat man als Imperator leichtes Spiel. Dann kann man ihr jede Veränderung als Verbesserung verkaufen. Wer nichts zu essen hat, für den sind Meinungs- und Pressefreiheit, Demokratie und Bildung nebensächlich. Was der Imperator also braucht, ist eine ausufernde Weltwirtschaftskrise oder ein großer Krieg. Et voilà!


Tatsächlich sprechen zahlreiche Ökonomen und Analysten schon längst davon, dass wir uns bereits mitten im Dritten Weltkrieg befinden. Momentan noch wird dieser Krieg in weiten Teilen auf der Währungsebene geführt. Aber die »Revolutionen« im Nahen Osten sind längst zu Bürgerkriegen ausgeufert, und der Traum der Bevölkerungen von Freiheit und Demokratie wurde durch viel Geld aus dem Ausland im Keim erstickt. Auch die unentwegte Drohung einzelner Mächte, den Iran militärisch zu unterwerfen, spielt sehr anschaulich mit der Möglichkeit eines großen militärischen Krieges, der jederzeit vom Zaun gebrochen werden kann. Der Iran ist im Moment der »Feind«. Einen solchen braucht es, um die angebliche Bedrohung unserer Werte am Lodern zu halten. Wo kämen wir hin, wenn wir keinen Feind mehr hätten? Angst ist immer das effektivste Mittel, um Menschen klein und willenlos zu halten.

 

Es wird immer wieder darüber berichtet, dass das griechische Militär bereit steht, um wieder die Macht im eigenen Land zu übernehmen. In Spanien bereitet sich die Armee offenbar auf einen Einmarsch in Katalonien vor, um einer möglichen Abspaltung der großen und wirtschaftlich wichtigen Provinz Einhalt zu gebieten. Guido Westerwelle, der in den vergangenen Monaten dank einwandfreier Tarnkappe kaum noch in Erscheinung trat, fordert nun mit einem Mal eine Freihandelszone zwischen Europa und den USA, also eine wirtschaftliche Union der beiden bisherigen vermeintlichen Kontrahenten. Angesichts der Tatsache, dass die USA erst kürzlich gemeinsam mit Kanada und Mexiko die NAU (nordamerikanische Union) gestärkt und auch auf dem militärischen Sektor vorangetrieben haben, entspricht all das leider genau meinen Befürchtungen, wie im Buch geäußert. Der Tag, an dem der Imperator uns die bargeldlose Weltwährung und die eine, alles kontrollierende Weltarmee vorstellen wird, rückt offenbar näher. Mit Hilfe von Vader und dessen Mitstreitern – wie etwa Supermario vom Sternbild Goldman Sachs − wird der Imperator auch noch die letzten Widerständler versklaven und unterwerfen.

 

»Das Norwegische Nobelkomitee hat entschieden , dass der Friedensnobelpreis 2012 an die Europäische Union (EU) vergeben wird. Die Union und ihre Vorgänger haben über sechs Jahrzehnte zur Förderung von Frieden und Versöhnung beigetragen. Seit 1945 ist diese Versöhnung Wirklichkeit geworden. Das furchtbare Leiden im Zweiten Weltkrieg zeigte die Notwendigkeit eines neuen Europas. Über 70 Jahre hatten Deutschland und Frankreich drei Kriege ausgefochten. Heute ist Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar. Das zeigt, wie historische Feinde durch gut ausgerichtete Anstrengungen und den Aufbau gegenseitigen Vertrauens enge Partner werden können.«

 

Ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland ist momentan tatsächlich nicht sehr wahrscheinlich, dafür aber findet bereits längst ein Krieg zwischen Arm und Reich statt, ein Krieg zwischen einer gebildeten Elite und einer immer weniger gebildeten Masse. Die Tatsache, dass in ganz Europa nationalistische und radikale Gruppen im sozialen wie im politischen Bereich auf dem Vormarsch sind, scheint noch nicht bis nach Norwegen durchgedrungen zu sein. Spannend an der Erklärung des Nobelpreiskomitees ist aber auch, dass die EU offenbar nur aus Frankreich und Deutschland besteht. Zwar wird in einem Satz auch noch kurz auf drei weitere Mitglieder hingewiesen, aber sie scheinen keine wirklich bedeutende Rolle zu spielen: »In den 80er-Jahren sind Griechenland, Spanien und Portugal der EU beigetreten. Die Einführung der Demokratie war Voraussetzung für ihre Mitgliedschaft...«

 

Es stellt sich also die Frage, warum genau diese Demokratie, die einst angeblich wichtig war, nun wieder abgeschafft wurde. Wäre der Übergang von einer Diktatur zu einer anderen für die Bürger denn nicht einfacher gewesen? Oder geht es etwa bei der EU nicht um die Bürger? Vielleicht sollen wir auch nur systematisch permanent verwirrt werden, um den Überblick zu verlieren? »Die EU erlebt derzeit ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten und beachtliche soziale Unruhen. Das Norwegische Nobelkomitee wünscht den Blick auf das zu lenken, was es als wichtigste Errungenschaft der EU sieht: den erfolgreichen Kampf für Frieden und Versöhnung und für Demokratie sowie die Menschenrechte; die stabilisierende Rolle der EU bei der Verwandlung Europas von einem Kontinent der Kriege zu einem des Friedens.«

 

Demokratie und Menschenrechte? Genau die werden derzeit lautlos, aber umso konsequenter abgeschafft. Mit eiserner Faust ist Vader unermüdlich dabei, die Europa-Diktatur voranzutreiben. Schäuble, wie er sich auch oft nennt, wird nicht müde uns einzureden, dass die wirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb der Euro-Zone sich verringert hätten. Jeder halbwegs vernünftige Mensch kann erkennen, dass das Gegenteil der Fall ist! Vader fordert immer vehementer die Abschaffung der nationalen Finanzhoheit und somit die Abschaffung der demokratisch gewählten nationalen Parlamente. Sollten diese keinen Zugriff mehr auf die Finanzen ihres Landes haben, dann kann man sie gleich völlig abschaffen. »It’s not going to happen quickly, but it has to work.« Aber wen interessieren heute noch Wahlen? Solange das Smartphone und die EC-Karte funktionieren, ist den meisten Erdlingen ohnehin alles egal.

 

Für diejenigen unter Ihnen, die nicht mit den Star Wars-Filmen vertraut sind, sei nur kurz erklärt, dass Darth Vader in der Filmreihe das Symbol des Bösen ist. Vader wurde als Jedi-Ritter Anakin auf der Seite des Lichts geboren, verschrieb sich dann aber dank eines einschneidenden Erlebnisses der dunklen Seite der Macht und wurde die rechte Hand des Imperators. Brutal, kalt und unerbittlich vernichtet er alle, die sich der Weltherrschaft seines Meisters entgegenstellen. Warum nur bin ich beim Schreiben meines Buches noch nicht auf diese auffälligen Parallelen zwischen der Filmreihe und unserer Euro-Farce gestoßen? Das Offensichtliche liegt oft so fern. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass im Film am Ende doch das Gute siegt, weil Vaders Sohn, Luke Skywalker, in seinem Vater den letzten, tief verschütteten Rest von Mitgefühl und Liebe hervorkitzelt und ihn so dazu bringt, sich wieder der Seite des Lichts anzuschließen. Nein, nein, keine Angst, natürlich wird am Ende das Gute gewinnen. Ist das nicht immer so?

 

Schäuble hat gemeinsam mit den anderen schwarzen Goldman-Sachs-Rittern erfolgreich den heimtückischen und harmlos anmutenden ESM durchgefochten, ein Husarenstück, das bislang deutlich unterschätzt wird. Er sieht im Friedensnobelpreis den Lohn für seine Bemühungen, die »Vereinigten Staaten von Europa« gegen den Willen der Bevölkerung − und offenbar auch gegen den Willen und die Vorstellungskraft mancher Politiker − durchzusetzen, wie dieser Link anschaulich belegt. Vader ist fürwahr ein treuer Diener des Imperators. Wer unter Ihnen, liebe Leser − wie übrigens die meisten Politiker auch − noch nicht verstanden hat, was der ESM eigentlich ist, für den gibt es hier eine hübsche, anschauliche und leicht verständliche Erklärung in Bild und Ton.

 

In den USA darf Barack Obama für weitere vier Jahre die Rolle des vermeintlich »mächtigsten Mannes der Welt« spielen. Für die Amerikaner mag dies von Vorteil sein, für den Rest der Welt aber war es im Grunde belanglos, wer diese gigantische Castingshow gewinnt, die man uns als demokratische Veranstaltung verkaufen möchte. Ein System, das nur zwei Parteien zulässt, die alle acht Jahre abwechselnd den Präsidenten stellen und sich sonst permanent gegenseitig behindern, sollte man wohl eher als »Farce« bezeichnen. Wie auch immer. Nun sitzt Obama wieder im Kapitänssessel. Er wird das amerikanische Raumschiff mit dem schönen Namen Fiat-Money durch das Sternbild Inflation steuern. Romneys Route hätte hingegen wohl durch den Sternennebel der Deflation geführt. Die Endstation ist in beiden Fällen die gleiche: »Werte Fahrgäste! Sie haben nun all Ihre Freiheit und Ihren Wohlstand verloren! Wir haben unser Ziel erreicht! Bitte alle aussteigen!«

 

In Deutschland stehen 2013 Bundestagswahlen an, und da wird vermutlich Angela Merkel gemeinsam mit Vader gegen Peer Steinbrück, den Liebling der Banken, antreten. Das wird eine ebenso harte und spannende Wahl: Pest oder Cholera? Welches Übel wäre Ihnen persönlich lieber? Kein westlicher Spitzenpolitiker scheint gegenwärtig zu erfassen, dass unser Schuldgeldsystem, das privaten Banken uneingeschränkte Macht verleiht, der Kern aller Probleme ist. Zumindest traut sich keiner, diesen Umstand anzusprechen...

 

Die meisten Bürger haben mittlerweile verstanden, dass Politiker nicht mehr ihre Interessen vertreten, sondern Spielbälle eines globalen Machtkampfs geworden sind – ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht. Wir alle stecken bereits mitten drin im Dritten Weltkrieg, auch wenn die meisten Gewehre noch schweigen. Auf dem Finanzparkett werden längst große Schlachten geschlagen, und dabei kommt es immer wieder zu Kollateralschäden. In unserem Fall werden für den großen Endkampf etwa die Freiheit des Einzelnen und die Demokratie im Allgemeinen geopfert. Wo gehobelt wird, fliegen Späne. Krieg ist eine unschöne Sache, deren Opfer immer die einfachen, ehrlichen Menschen sind, weil sie zuletzt davon erfahren. Wenn sie sich in Sicherheit bringen wollen, ist es bereits zu spät. Je geringer die Bildung, desto später weiß man die Zeichen zu deuten. Ist es Zufall, dass unser Bildungssystem in den vergangenen zehn Jahren komplett zerstört wurde? Ist es Zufall, dass heute in Deutschland bereits mehr unqualifizierte Quereinsteiger als ausgebildete Lehrer unterrichten?

 

Es bleibt nicht bei Währungskriegen. Sie sind immer nur der Anfang. Der gesamte Nahe und Mittlere Osten ist bereits Opfer eines Machtspiels einiger alter, kalter, steinreicher Männer geworden, die nichts anderes im Sinn haben, als noch mehr Geld und somit noch mehr Macht anzuhäufen. Es ist ein Spiel, das viele unschuldige Menschen tagtäglich das Leben kostet und immer mehr Hass zwischen einzelnen Volksgruppen und Religionen schürt. Solange der Imperator uns weismachen kann, dass unsere Feinde lange Bärte tragen und Gott einen anderen Namen geben, so lange weiß er sich selbst in Sicherheit.

 

Die Star Wars-Saga ist eine Parabel für den Kampf zwischen Gut und Böse. Im Zuge der Recherche zu meinem Buch hatte ich festgestellt, dass es im Internet viele Tausende von Einträgen und Foren zu Themen wie Nesara gibt. Sehr viele Menschen hängen all ihre Hoffnung an einen Messias, an positive fremde Mächte, an das Auftauchen weißer Ritter, die unser aller Traum von einer besseren Welt in Frieden und Gerechtigkeit erfüllen sollen. Das erinnert ein wenig an die Fantasiewelt von Kindern und deckt sich nur wenig mit dem, was ich gegenwärtig in der Außenwelt so beobachte. Ich fürchte, wir werden das selbst rocken müssen! Ich fürchte, wir werden uns noch ein wenig mehr anstrengen müssen! Wir müssen selbst zu Rittern werden, die das kleine bisschen an Werten und Freiheiten, die wir noch besitzen, mit all ihrer Entschlossenheit verteidigen. Wer etwas macht, hat Macht! Wer nichts macht, ist ohn-mächtig!


Wir leben in einer sehr unruhigen und ungewissen Zeit, in der Millionen von Europäern mit Armut, Angst, Verlust und Wut zu kämpfen haben. Die subjektive Wahrnehmung des Einzelnen widerspricht meist der Propaganda des Imperators, was den Einzelnen verunsichert und verwirrt. Genau so ist es gewollt! Lassen Sie sich nicht verrückt machen! Vertrauen Sie Ihren eigenen Gefühlen – unabhängig davon, was andere sagen. Zwischen all dem Wahnsinn ist es wichtig, nicht die Freude am Leben zu verlieren und das Positive und Schöne im Kleinen zu sehen. Daher hoffe ich, dass alle diejenigen, die mit Star Wars vertraut und des Englischen mächtig sind, ein wenig Freude an Eddie Izzards Vader-Parodie haben. Es gibt nichts Befreienderes als zu lachen. Ich hoffe immer noch, dass sich die Vernunft, das Mitgefühl und die Liebe eines Tages durchsetzen und über die Dunkle Seite triumphieren werden. Oder wie ein echter Jedi es ausdrücken würde: »Möge die Macht mit uns sein!«

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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