Tuesday, 30. August 2016
29.11.2011
 
 

Junkies enteignen Sparer!

Michael Morris

Am 31. Oktober 2011 meldete das US-Finanzunternehmen MF Global Insolvenz an. Die Tragweite dieses Ereignisses, das mittlerweile als »zweiter Fall Lehmann« bezeichnet wird, ist so unvorstellbar groß, dass erst kaum jemand eingehend darüber berichtete. Kurz zusammengefasst: Mehr als 50.000 Kunden wurden »enteignet«, ihre Einlagen in Höhe von etwa 1,2 Milliarden US-Dollar sind verschwunden. Viele europäische Banken (wie die Deutsche Bank) sind in diesen Skandal verwickelt, und die Gefahr ist groß, dass in Europa bald Ähnliches passiert. Wer also jetzt noch Banken vertraut, dem ist nicht mehr zu helfen!

MF-Global-Chef Jon Corzine, der ehemalige CEO von Goldman Sachs, ehemaliger Gouverneur von New Jersey und guter Freund von US-Präsident Obama, war in den vergangenen Monaten als neuer US-Finanzminister im Falle einer Wiederwahl Obamas gehandelt worden. Corzine war ein Überflieger, der sein Finanzunternehmen zu einem der größten auf dem Markt ausbauen wollte. Er litt ganz offenbar an Größenwahn und hatte jeden Kontakt zur Basisstation verloren. Er verzockte 6,3 Milliarden US-Dollar bei Monopoly-Spielen mit europäischen Staatsanleihen. Davon stammten etwa 1,2 Milliarden von seinen ahnungslosen Kunden. Die Guthaben der etwa 50.000 Menschen, die ihm ihr Geld anvertraut hatten, sind verschwunden! Niemand weiß angeblich, wo sie sind! Im Falle einer Bankenpleite sind Kundengelder und Bankenvermögen normalerweise getrennt, im aktuellen Fall aber hatte MF Global offenbar Kundenvermögen mit Bankvermögen vermischt, um die

gigantischen Verluste der Zockerei zu verschleiern und Zeit zu gewinnen. Alle Aufsichtsbehörden, die solches verhindern sollten, haben versagt, und während Corzine weiter auf freiem Fuß bleibt, werden die Anleger mit ihrem Problem alleingelassen. Das verschwundene Geld soll Gerüchten zufolge an JPMorgan überwiesen worden sein – was mich nicht weiter wundern würde ...

Der berühmteste MF-Global-Geschädigte ist wohl der Trendforscher Gerald Celente, den ich immer wieder in meinem Buch und in meinen Artikeln zitiert habe. Celente ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie jemand, der selbst das System seit Jahren anklagt und über reichlich Insiderwissen verfügt, der Verlockung, aus Geld noch mehr Geld zu machen, erlegen ist. Celente unterhielt ein Konto bei dem kleinen Broker Lind-Waldock, der nach mehreren Übernahmen letztlich 2007 unter dem Dach von MF Global landete, was Celente offenbar nicht wusste. Oder er maß dem keine Bedeutung bei.

Auf Celentes’ Lind-Waldock-Konto sollen sich mehrere Hunderttausend Dollar befunden haben, mit denen er im Dezember einige von ihm gehaltene Gold-Futures (Versprechen auf Gold) ausüben wollte. Anders ausgedrückt: Er wollte im Dezember sein Barvermögen auf dem Konto gegen Goldbarren eintauschen. Nun ist aber sein Konto leer, und er bekam wegen mangelnder Deckung eines abgeschlossenen Goldgeschäftes einen Margin-Call (Nachschussverpflichtung). Denn zur Deckung eines solchen Geschäftes muss immer eine bestimmte Summe als Sicherstellung (Margin) hinterlegt werden. Es ist also nicht nur sein Geld weg, er ist sogar verpflichtet, weiteres Geld nachzuschießen. Sein vertraglich zugesagtes Gold wird er vermutlich nie sehen.

Die Geschäfte von MF Global sollten von dem Clearinghaus CME überwacht werden. Die haben aber entweder gepennt oder das ruchlose Treiben von MF Global gedeckt. Unter Druck hat sich CME nach dessen Versagen nun bereit erklärt, für Termingeschäfte im Wert von 300 Millionen Dollar geradezustehen, was nur einem Viertel der verlorenen Gelder (und versprochenen Waren) entspricht. Theodore Butler bezeichnete all dies als »ein absolutes Desaster« und als ein Ereignis von historischer Tragweite, weil damit jegliches Vertrauen in die Future-Märkte und in alle Aufsichtsbehörden verspielt wird.

Zum einen lernen wir aus diesem Fall, dass die Finanzindustrie aus dem Jahr 2008 nichts gelernt hat und immer so weiter machen wird, solange Kunden blöd genug sind, ihr Geld zur Verfügung zu stellen und Vertrauen entgegenzubringen. Psychologen bezeichnen die führenden Kräfte in der Finanzwelt als »Süchtige nach Geld und Macht«. Diese Menschen haben keinerlei Kontrolle über ihr Handeln, denn sie werden von ihrer Sucht gesteuert. Sie sind gefühllos, können zwischen Spiel und Wirklichkeit nicht unterscheiden und haben keinerlei Skrupel oder Moral im herkömmlichen Sinne. Sie sind Junkies!

Zum anderen drängt sich die Frage auf, warum das angeblich sehr reiche Clearinghaus CME einen gigantischen Schaden für die Futures-Märkte riskiert und freiwillig das eigene Ansehen bei den Anlegern verspielt? Gerald Celente vermutet, dass das Geld nicht erstattet wird, weil das Material für die Lieferung der Futures nicht vorhanden ist − also das Gold. Nun rät Celente: Räumen Sie ihre Bankkonten ab, belassen Sie darauf nur das, was für die Tagesgeschäfte nötig ist. Kaufen Sie Gold, trauen Sie den Banken nicht!

Was er damit sagen will, ist das, worauf Kenner schon seit Jahren verweisen und worauf ich sowohl in meinem Buch als auch in mehreren Artikeln aufmerksam gemacht habe.

Der Goldpreis (der aktuell wieder gefallen ist) spiegelt nicht den aktuellen Wert von Gold wider, weil er massiv manipuliert wird. Gold ist derzeit sowohl von privater Seite als auch von Notenbanken so gefragt wie noch nie und müsste eigentlich bereits ein Vielfaches kosten. Da ein Anstieg des Goldpreises aber den Wertverlust unserer Papierwährungen offenbaren würde, die wiederum den Besitzern der größten Banken gehören, wird der Goldpreis von eben jenen Banken durch Leerverkäufe gedrückt. Vereinfacht formuliert: Sie verkaufen einander Gold hin und her, das sie nicht haben, das es gar nicht gibt. Es wird auf dem Papier viel mehr Gold und Silber verkauft und versprochen, als auch nur ansatzweise auf diesem Planeten existiert. Diese regen Verkäufe drücken den Preis, denn solange alle glauben, dass genug Gold vorhanden sei – was die Verkäufe suggerieren –, sinkt der Preis. All das geschieht nur, um das Ende des Dollars und des Euros möglichst lange hinauszuzögern, weil die Melkkuh Steuerzahler immer noch Milch gibt und sich nicht dagegen wehrt, bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt zu werden.

Der Fall MF Global wird mittlerweile nicht nur von den US-Aufsichtsbehörden, sondern auch vom FBI untersucht. Es ist jedoch wenig wahrscheinlich, dass das Geld je wieder auftauchen wird. Zudem hat die Pleite der US-Finanzfirma für die Deutsche Bank ein juristisches Nachspiel. Zwei US-Pensionsfonds verklagen Abteilungen des Bankhauses sowie sechs weiterer Geldhäuser, die MF Global bei der Erstellung von Angeboten für europäische Staatsanleihen unterstützt haben. Die Kläger werfen den Banken vor, in den Prospekten Probleme verschwiegen zu haben, die schließlich zum Kollaps des Brokerhauses führten. Auch französische und amerikanische Institute stehen im Visier der Kläger, darunter auch die Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan und RBS. Mit einer Bilanzsumme von 41 Milliarden Dollar ist die Pleite von MF Global die achtgrößte der US-Geschichte und die größte Pleite eines Finanzhauses seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008. Die EU hindert dies jedoch nicht daran, weiter neue Staatsanleihen aufzulegen und die Finanzwelt weiter Monopoly spielen zu lassen. Weitere Pleiten großer Banken und Investmentfirmen sind zu erwarten – und das schon in den nächsten Monaten. Aber Politiker und Spitzenbanker machen weiter, als sei nichts passiert − Junkies eben. Sie sind immer auf der Suche nach dem nächsten Kick.

Was ist also der Schluss daraus? Wer an Gold als Absicherung gegen die kommende Hyperinflation glaubt, der sollte echtes Gold kaufen, und zwar jetzt, wenn er es nicht schon längst getan hat − was ich aber für jeden Leser allerdings hoffe. Nur Münzen oder Barren, die man jederzeit in Händen halten kann, haben einen Wert. Wo man diese deponiert, ist jedermanns Fantasie überlassen. Der Tresor einer Bank ist dabei die schlechteste aller Varianten. Wer sein Geld nach all dem noch einer Bank anvertraut, dem ist nicht mehr zu helfen. In Zeiten wie diesen gilt das alte Sprichwort: »Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach!« Das hat jetzt wahrscheinlich auch Gerald Celente begriffen. Die europäischen Banken werden bald umfallen wie die sprichwörtlichen Fliegen.

Ich weiß, dass viele Menschen solche Hiobsbotschaften nicht hören wollen, sie haben genug von den schlechten Nachrichten. Aber die Augen vor der Wahrheit zu verschließen und den Kopf in den Sand zu stecken, wird weder Sie noch Ihre Lieben weiterbringen. Wir müssen endlich aufhören, uns wie Idioten zu verhalten. Wir dürfen die Junkies mit unseren Geldern nicht weiter in ihrer Sucht unterstützen. Weltweit verbringen viele Bankangestellte derzeit ihre Wochenenden an ihrem Arbeitsplatz, um wie früher in der Schule beim Feueralarm das richtige Verhalten im Falle des Zusammenbruchs der europäischen Wirtschaft zu trainieren. Ich rate Ihnen: Tun Sie das Gleiche, wenn Sie es noch nicht getan haben. In Krisenzeiten braucht man seine Familie und seine Freunde dringender als jemals sonst. Tun Sie sich mit den Ihren zusammen, arbeiten Sie Pläne aus, rüsten Sie sich für die kommende Hyperinflation und die darauf folgende Währungsreform.

Diejenigen, die all das gesteuert haben, tun es bereits. Das sollte jedem zu denken geben! Im Moment regieren die Junkies unsere Welt. Das muss ein Ende haben!

 

 


 

 

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