Wednesday, 25. May 2016
31.07.2012
 
 

Wollen wir diesen Weg wirklich bis zum bitteren Ende gehen?

Michael Morris

Immer mehr Europäer kaufen ihre Lebensmittel nicht mehr in Supermärkten, sondern klauben sie heimlich nachts aus den Mülltonnen hinter den Geschäften. Sie haben nicht mehr genügend Geld, um sich und ihre Kinder zu ernähren. Immer mehr Europäer schlafen auf der Straße, weil sie ihre Arbeit und damit auch ihr Zuhause verloren haben. Wir sprechen hier von teils hoch gebildeten Menschen, die bis vor Kurzem noch mitten im sozialen Leben standen.

In Spanien liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei über 25 Prozent, bei den unter 25-Jährigen sogar bei mehr als 52 Prozent! In Griechenland ist die Lage noch dramatischer. In beiden Ländern flüchten Menschen aus den Großstädten zu Verwandten aufs Land. Akademiker arbeiten als Erntehelfer. Wer kann, verlässt sein Heimatland ganz. Die Euro-Einführung war schlichtweg ein Desaster, ein

ökonomischer Amoklauf. In den letzten zehn Jahren sank sowohl der Lebensstandard als auch die Lebenserwartung der Europäer dramatisch, aber Politiker sind per se nicht dazu bereit, Fehler einzugestehen. Wenn ein Weg einmal eingeschlagen wurde, dann wird er bis zum bitteren Ende weitergegangen.

 

Zehntausende von Spaniern und Griechen strömen derzeit nach Deutschland, in der Hoffnung auf Arbeit. Das soziale Gefüge ist in weiten Teilen Europas bereits völlig auseinandergebrochen. Millionen weiterer Europäer werden in den kommenden Monaten obdachlos sein und verarmen. Wir sitzen auf einem Pulverfass. Die Parallelen zu den 1930er Jahren sind unübersehbar. Die Geschichte wiederholt sich, während die meisten von uns wie kleine Hamster weiter brav in ihren Rädern laufen und darauf hoffen, dass alles irgendwie besser wird. Aber das wird es nicht. Nicht von allein.

 

Die einzelnen Staaten können ihren Bürgern nicht mehr helfen, weil das Geld dafür fehlt! Warum es fehlt? Weil alles Geld an die Banken geht − Geld, das die Bürger in den zurückliegenden Jahren erwirtschaftet haben, das ihnen aber vom Staat in Form von Steuern und Abgaben weggenommen wurde, um es hirnlos den superreichen Bossen der Banken und Großkonzerne in den Rachen zu werfen, also jenen Menschen, die bereits seit Langem ihre Schäfchen im Trockenen haben. Ich erinnere an die Worte von Mahatma Gandhi: »Ziviler Ungehorsam wird zur heiligen Pflicht, wenn der Staat den Boden des Rechts verlassen hat!«

 

Am 20. Juli 2012 gaben die Euro-Finanzminister weitere 100 Milliarden Euro für die Rettung spanischer Banken frei. Am selben Tag wurde bekannt, dass mehrere spanische Provinzen zahlungsunfähig sind und keine Gehälter mehr zahlen können. Würde man diese 100 Milliarden Euro statt den spanischen Banken den spanischen Bürgern schenken, dann wären dies mehr als 2.000 Euro pro Spanier, also über 8.000 Euro für eine vierköpfige Familie. Davon könnten sich diese Menschen – es geht wohlgemerkt um Menschen! – lange gesund ernähren. Aber Menschen sind in unserem System bedeutungslos. Also wird in Spanien die Mehrwertsteuer erhöht, was völlig absurd ist, weil die Masse der Menschen ohnehin kein Geld mehr hat. So kann man aus den Bürgern, wie aus einer Zitrone, auch noch den letzten Tropfen Würde herausquetschen. Man presst sie aus und wirft sie weg. Es ist unvorstellbar, was wir mit uns machen lassen. Aber wie meine Großmutter zu sagen pflegte: Gegen Blödheit ist kein Kraut gewachsen!


»Man«, das sind in diesem Fall – und ich wiederhole mich gerne immer und immer wieder – einige wenige hundert Familien weltweit, die alle Banken (und damit alle großen und wichtigen Konzerne) regieren. Alles, was der Masse der Menschen derzeit weggenommen wird, landet bei diesen Familien und bei ihren Gefolgsleuten.

 

Im Grunde hat sich seit dem Mittelalter nicht viel verändert. Einige wenige leben auf ihren Burgen (in Steueroasen) in Saus und Braus, während 99 Prozent der Menschen wie Vieh für deren Luxus schuften und sich von dem ernähren, was die heimlichen Herrscher wegwerfen. Für manche fällt auch gar nichts ab. Die verhungern dann eben. Während einige wenige die Regeln machen und die Wirtschaft steuern, bezahlen die anderen 99 Prozent dafür die Zeche. Ich weiß nicht, was es noch braucht, damit die Menschen aufwachen und selbst eine Veränderung herbeiführen, aber es scheint, als seien sie bereit, sich bis zum letzten Tropfen Blut ausquetschen zu lassen. Es heißt, jeder bekommt das, was er verdient – also gehen wir den Weg ins Verderben trotz aller Widrigkeiten weiter. Die meisten Menschen aus der (ohnehin stark schrumpfenden) Mittelschicht haben noch nicht verstanden, dass sie es sein werden, die am Ende für all die Billionen neuer Schulden geradestehen werden. Sie werden alles verlieren!

 

100 Milliarden sind für die maroden spanischen Banken nichts! Dieses Geld verpufft innerhalb von Wochen. Diese Banken sind nicht zu retten. Aber Banker haben einen gottgleichen Status, sie können tun und lassen, was sie wollen, und genießen komplette Immunität. Erst hatte man die Schöpfung Gott zugeschrieben, dann bekamen die Bankiers das Recht, Geld zu schöpfen, was sie beinahe Gott gleich machte. Sie wirken unantastbar und fordern immer mehr Opfergaben. Und wir opfern ihnen nicht nur die Zukunft unserer Kinder, nein, wir opfern die Kinder selbst. Wie soll Mayer Amschel Rothschild so treffend gesagt haben: »Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht.«

 

Banken regieren diese Welt. Sie entscheiden, wer Kredit bekommt und wer nicht. Sie entscheiden, wer zu essen hat und wer nicht. Täglich verhungern auf dieser Welt 25.000 Kinder – kleine, unschuldige Menschen, die niemandem etwas getan haben, es sind Menschen mit Träumen, Wünschen, Begabungen, Talenten und Sehnsüchten, wie sie jeder von uns hat – oder zumindest einmal hatte.

 

Jedes Jahr werden allein in Deutschland 500.000 Tonnen Brot weggeworfen! Es gäbe definitiv mehr als genug Nahrung für alle Bewohner dieser Erde − aber weil so viel weggeschmissen wird für Tierfutter, für Biosprit oder zur Stromerzeugung, müssen immer mehr Menschen hungern. Arme Länder werden von den Institutionen der reichsten Familien (Weltbank, IWF, UNO) absichtlich in finanzielle Abhängigkeit getrieben und ausgeblutet. All diese unmenschlichen, völlig kranken Zustände auf Erden werden von einer kleinen »Elite« organisiert und von deren Finanz- und Politiksoldaten exekutiert, nur um ihren kranken Hunger nach Macht zu stillen. Es ist diese Sucht nach Macht, nach immer mehr, die unsere Welt an den Abgrund treibt.

 

Weltweit wächst die Zahl der Millionäre und Milliardäre ständig, ebenso wie die Zahl der armen Menschen. Die Schere geht immer weiter auseinander. Wir sind dabei, alle sozialen Errungenschaften der letzten 150 Jahre innerhalb weniger Jahre zu verspielen. Seit 2008 findet die größte Umverteilung von Vermögen von unten nach oben in der gesamten Menschheitsgeschichte statt. Wir bewegen uns mit großen Schritten auf eine Weltdiktatur des vereinigten Kapitals zu, und die Menschen scheinen starr vor Angst zu sein. Man schaut weder nach links noch nach rechts. Mit Scheuklappen laufen alle weiter in ihrem kleinen Hamsterrad auf der Stelle.

 

Der Euro ist nicht zu retten. Trotz unermesslicher Anstrengungen, trotz Billionen von Euro, die innerhalb weniger Monate zum Ausgleich negativer Bankbilanzen ausgegeben wurden, hat der Euro zur Schrottwährung US-Dollar innerhalb des letzten Jahres mehr als 15 Prozent an Wert verloren. Wenn die Schweizer ihre Währung nicht 2011 an den Euro gekoppelt hätten, gäbe es ihn schon längst nicht mehr. So wird der klinisch tote Patient »Gemeinschaftswährung« mit allen nur erdenklichen Tricks und Kniffen, mit Adrenalinspritzen und Elektroschocks, weiter am Leben gehalten, und man tut, als hätte man alles im Griff. All das geschieht nur, weil Politiker Angst haben, Fehler einzugestehen. Sie sind nicht in der Lage, getroffene Entscheidungen rückgängig zu machen. Zum einen, weil es an ihrem Ego kratzen würde, zum anderen, weil ihnen ein Plan B fehlt. Die Bankiers haben ihnen einen Weg vorgezeichnet und den stolpern sie nun orientierungslos, aber mit großem Selbstvertrauen hinunter.

 

Selbst in einstmals reichen Ländern wie Österreich und Deutschland sinkt der Lebensstandard rapide. Die Qualität der Bildung und des Gesundheitswesens ist katastrophal und jedes Jahr werden weitere Milliarden aus den Budgets dieser Säulen einer Gesellschaft gestrichen, um sie Banken zu schenken. Mit dem ESM, der vor Kurzem gegen jedes geltende Recht von völlig ahnungs-, skrupel- und willenlosen Politikern verabschiedet wurde, wird die ohnehin eingeschränkte Demokratie in Europa weiter abgeschafft, weil nun die gewählten Parlamente der einzelnen Mitgliedsstaaten keine Gewalt mehr über ihre Staatshaushalte haben. Zum Glück aber regt sich nun massiver Widerstand gegen die EU-Politik. Es ist leider zu erwarten, dass das Bundesverfassungsgericht den ESM am 12. September absegnen wird, aber es ist auch zu erwarten, dass dann sogar die braven Deutschen und Österreicher aus ihren kleinen Käfigen kriechen und auf die Straße gehen. Der kommende Herbst könnte in jeder Hinsicht turbulent werden!

 

Das Schlimmste an der gegenwärtigen Wirtschaft und Politik ist aus meiner Sicht, dass es schon lange nicht mehr um den Menschen geht. Es geht bei allem, was derzeit getan wird, darum, ein System zu retten, Firmen zu retten, einen Status quo aufrechtzuerhalten. Es geht um Zahlen und Bilanzen, aber es geht nicht darum, was für die Menschheit und für den Einzelnen das Beste wäre!

 

Alle drei Sekunden stirbt ein Kind an Hunger. Wenn irgendwo auf dieser Welt jemand Amok läuft, dann schlachtet die Presse dies groß aus. Dann herrscht Entsetzen, man nennt die Namen des Amokläufers und der Opfer, und alles fragt: »Warum?« Aber niemand nennt die Namen der 25.000 Kinder, die täglich verhungern. Niemand stellt die Frage, warum sie sterben müssen. Dabei ist die Antwort einfach: »Weil wir nichts dagegen unternehmen!«

 

Jeder von uns trägt Mitschuld, jeder von uns hat Verantwortung für alles, was um uns herum passiert − egal, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Am Ende werden wir alle dafür geradestehenmüssen − hier auf Erden oder wo auch immer. Mit jedem Euro, den ich zur Bank trage, mit jedem Dollar, den ich als Kredit von ihr nehme, stütze ich das gegenwärtige Finanzsystem und seine Hintermänner. Mit jedem Billigprodukt, das ich kaufe, unterstütze ich Kinderarbeit und Lohndumping. Mit jedem Billigfleischkonsum mache ich mich der Tierquälerei und der Umweltzerstörung schuldig. Es ist wirklich an der Zeit, dass wir erwachsen werden und Verantwortung übernehmen!

 

Wir können alles verändern, in jedem Moment unseres Seins. Ein Funke reicht, um ein Feuer zu entfachen. Ein Feuer kann alles niederwalzen, was sich ihm in den Weg stellt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. »Ziviler Ungehorsam wird zur heiligen Pflicht, wenn der Staat den Boden des Rechts verlassen hat!«

 

Der Euro ist Geschichte. Die EU ist in ihrer jetzigen Form längst Geschichte. Na und? Jeder macht Fehler. Was ist so schlimm daran? Die wichtige Frage lautet: »Wie soll unsere Zukunft aussehen?« Wollen wir in unserem vertrauten Hamsterrad bleiben und dasselbe Spiel (von Wachstum und Zerstörung) ewig weiterspielen, wie wir es seit Jahrhunderten tun? Oder wollen wir uns aufschwingen und Neues wagen? Können wir unsere Angst überwinden, unsere Angst vor dem Neuen, dem Fremden, dem Unbekannten? Können wir das Wagnis eingehen zu vertrauen – auf uns selbst, die Schöpfung, die Natur in ihrer unermesslichen Weisheit? Es ist genug für uns alle da. Wir müssen es nur richtig verteilen. Wir müssen es nur wollen! Wir müssen endlich Verantwortung übernehmen!

 

Es ist Zeit für große Veränderungen. Sie kommen so oder so. Noch hätten wir die Chance, ihren Ausgang in unserem Sinne zu beeinflussen. Wir können den Ausgang aber auch anderen überlassen, den Macht-Junkies etwa, die derzeit alles gegen die Wand fahren. Wer weiter in seinem Hamsterrad läuft, wird darin verenden. Wer aussteigt und sich aus dem Käfig wagt, weiß nicht, was ihn erwartet. Aber wer seine Angst vor dem Unbekannten überwindet, dem steht das ganze Universum offen. So wie man Politiker wählt, so kann man sie absetzen. So wie Mauern aufgebaut wurden, kann man sie wieder einreißen. Nur weil man mir in der Schule eingetrichtert hat »zu funktionieren«, heißt das noch lange nicht, dass ich es tue! Oder um es erneut mit Mahatma Gandhi zu sagen: »Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst!«

 

 

 


 

 

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