Montag, 26. Juni 2017
25.05.2016
 
 

Wird die Deutsche Bank die gegenwärtigen Turbulenzen überleben oder wird sie wie Lehman Brothers untergehen?

Michael Snyder

Wenn Sie befürchten, es könnte schon bald zu einem neuen Lehman Brothers-Fiasko kommen, das das weltweite Finanzsystem erneut in eine tiefe Massenpanik stürzt, sollten Sie die weitere Entwicklung der Deutschen Bank, gemessen an ihrer Bilanzsumme immerhin die größte deutsche Bank und eine der mächtigsten Banken weltweit, genau beobachten. Die Deutsche Bank ist mit einer Bilanzsumme von 1,629 Billionen Euro (Dezember 2015) fast dreimal so groß, wie die Investmentbank Lehman Brothers zum Zeitpunkt ihrer Pleite im September 2008 war (616 Mrd. Euro, 2007). Und sollte die wichtigste Bank in der stärksten Volkswirtschaft Europas tatsächlich in existenzielle Schwierigkeiten geraten, würde dies weltweit Schockwellen auslösen.

 

Diejenigen, die meine Arbeit regelmäßig verfolgen, wissen, dass ich bereits seit vergangenem September die Lage der Deutschen Bank als sehr kritisch einschätze. Seit damals tauchen immer wieder schlechte Nachrichten über die Deutsche Bank auf. So verzeichnete die Bank 2015 in ihrer Bilanz einen Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro; die Ratingagentur Moody‘s stufte die Bonität der Bank (bei vorrangigen, unbesicherten Verbindlichkeiten) auf »Baa2«, und damit nur noch zwei Stufen über Ramsch-Status, herab.

 

Und die Bank wird immer wieder von neuen Skandalen heimgesucht. In den letzten Monaten wurde die Bank der Manipulation von Edelmetallpreisen, Zinsmanipulationen (Libor und Euribor) und des »betrügerischen Aktienhandels« beschuldigt. Auch ihre Geschäfte mit hypothekengesicherten Wertpapieren gerieten in die Kritik. Der Finanzblog ZeroHedge schreibt dazu:

»Nachdem die Deutsche Bank vor einem Monat Manipulationen von Edelmetallpreisen zugegeben hatte, wird der Bank heute gleich in zwei Fällen weiteres betrügerisches Verhalten vorgeworfen, und zugleich bricht der Aktienkurs ein. Zunächst berichtete Reuters, die Bank habe ein Strafgeld in Höhe von 450 Mio. Euro für ›betrügerischen Wertpapierhandel‹ akzeptiert. Und dann hieß es in einer Bloomberg-Meldung, die amerikanische Börsenaufsicht SEC untersuche den Hypothekenbestand der Deutschen Bank in der Zeit nach der Finanzkrise.«

Die Deutsche Bank musste bereits Rekordsummen wegen ihrer unsauberen Machenschaften zahlen, und Druck von Aufsichtsbehörden ist derzeit das Letzte, was die Bank gebrauchen kann. Aber zum Unglück für die Deutsche Bank ist die amerikanische Börsenaufsicht SEC entschlossen, noch einmal nachzutreten, obwohl die Bank schon am Boden liegt:

»Gegen den in Schwierigkeiten geratenen Wall-Street-Riesen Deutsche Bank wird erneut ermittelt, diesmal von der SEC im Zusammenhang mit der Preisfestsetzung und Dokumentierung bestimmter hypothekenbesicherter Wertpapiere.

Die SEC will wissen, ob die Deutsche Bank 2013 den Wert hypothekenbesicherter Wertpapiere künstlich erhöht und die daraus entstandenen Verluste über einen längeren Zeitraum verschwiegen hat, berichtete zuerst Bloomberg unter Berufung auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien.«

Aber auch ohne diese ganzen Skandale und Ermittlungen seitens der Aufsichtsbehörden steckt die Deutsche Bank in erheblichen Schwierigkeiten. Im Februar dieses Jahres beliefen sich die Verpflichtungen aus Derivatkontrakten der Deutschen Bank auf die astronomische Summe von 64 Billionen Dollar. Dieser Wert beträgt etwa das 16-Fache des gesamten Bruttoinlandsprodukts Deutschlands.

 

Niemand hat also ein Interesse daran, dass die Deutsche Bank untergeht, denn dies wäre eine finanzielle Katastrophe, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat.

 

Aber bereits jetzt sieht die Zukunft nicht gerade rosig aus. Wie man in dieser Grafik erkennen kann, nimmt der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie eine frappierend ähnliche Entwicklung wie der Aktienkurs von Lehman Brothers in den Monaten vor der endgültigen Insolvenz. Bereits in den ersten Monaten dieses Jahres ist der Aktienkurs auf ein neues Rekordtief abgesunken und hat sich seitdem nur wenig erholt.

 

Es ist sicherlich kein Geheimnis, dass die Deutsche Bank erhebliche Probleme hat und die Aussichten für die unmittelbare Zukunft nicht gerade gut sind. Das folgende Zitat des Analysten James Chappell von der ältesten Privatbank Deutschlands, Berenberg, habe ich bereits in einem früheren Artikel angeführt, aber meiner Ansicht nach lohnt es sich, ihn erneut zu zitieren:

»Immer noch zu viele Probleme: Das größte Problem der Deutschen Bank besteht darin, dass sie ein extremes Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital aufweist. Nach unseren Schätzungen liegt das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital bei mehr als 40 zu eins. Die Deutsche Bank kann nun entweder Vermögenswerte abbauen oder das Eigenkapital erhöhen, um [dieses Ungleichgewicht] zu korrigieren. Was die erste Möglichkeit betrifft, so existieren weder Märkte dieser Größe noch eine entsprechende Preisbildung, um diesen Weg einzuschlagen. Aber auch die zweite Möglichkeit scheint gegenwärtig praktisch nicht realisierbar, da die Profitabilität des Kerngeschäfts unter Druck geraten ist. Nach Fremdkapital zu suchen, dürfte sich als sehr schwierig erweisen, da die Unternehmensführung für das neu investierte Kapital keine Rendite anbieten kann.«

Angesichts all dieser Probleme gehe ich inzwischen davon aus, dass die Deutsche Bank letztlich untergehen wird – aber sie wird nicht die einzige Bank sein, der dieses Schicksal widerfährt.

 

Auch aus Asien kommen sehr beunruhigende Nachrichten. Laut Bloomberg sind die japanischen Exporte nun seit sieben Monaten in Folge rückläufig:

»Im April sind die japanischen Exporte aufgrund des stärkeren Yen nun seit sieben Monaten in Folge gesunken. Dies erschwert die Bemühungen des japanischen Ministerpräsidenten Shinzō Abe, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

Der Überseeversand nahm im April gegenüber dem Vorjahr um 10,1 Prozent ab, wie das Finanzministerium am Montag berichtete. Die von Bloomberg beobachteten Prognosen der Ökonomen waren im Mittel von einem Rückgang von 9,9 Prozent ausgegangen. Die Importe brachen um 23,2 Prozent ein, was zu einem Handelsüberschuss von 823,5 Mrd. Yen (7,5 Mrd. Dollar), dem höchsten Stand seit März 2010, führte.«

Wenn die Importe eines Landes im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent gesunken sind¸ ist dies ein klares Anzeichen dafür, dass die Verbrauchernachfrage massiv eingebrochen und die betreffende Volkswirtschaft dabei ist, zu kollabieren.

 

Ich wiederhole deshalb hier noch einmal, was ich schon viele Male gesagt habe: Wir müssen die Entwicklungen in Deutschland und Japan genau im Auge behalten. Diese beiden Länder werden meiner Ansicht nach im Zentrum der Ereignisse stehen, wenn die neue weltweite Finanzkrise zuschlägt.




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