Tuesday, 30. August 2016
06.09.2010
 
 

Die dunkle Seite des Internets: Facebook wird immer mehr zum Tummelplatz anonymer Hasstiraden

Mike Adams

Als das Fernsehen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seinen Einzug hielt, wurde es schnell als technologischer Durchbruch gepriesen, der die menschliche Zivilisation inspirieren, bilden und zu ihrer Weiterentwicklung beitragen würde. Bildungsprogramme und nützliches Wissen könnten kostengünstig und zugleich effektiv überall an die Menschen weitergegeben werden, so dachte man. Die 1934 gegründete amerikanische Federal Communications Commission (FCC), die für alle Fragen der Kommunikation zuständig ist, forderte als Vorbedingung von den Fernsehsendern, Nachrichtenprogramme ohne Werbeunterbrechungen zu senden, damit sie überhaupt Frequenzen zur Ausstrahlung bekamen. Diese Fernsehnachrichten, dachte man, seien Bestandteil der Verpflichtung der Fernsehsender, zur Verbesserung der Gesellschaft beizutragen.

Das waren die bescheidenen und von guten Absichten begleiteten Kindertage des Fernsehens, einer »Unruhe stiftenden« Technologie mit weitreichenden Folgen. Heute wissen wir, dieses Medium hat das geistige Niveau unserer Bevölkerung tatsächlich gesenkt und ist zu einer Kloake für manipulative Firmenwerbung und idiotische Unterhaltung verkommen. Statt die menschliche Zivilisation weiterzubringen, hat das Fernsehen sie versklavt, indem es die Bevölkerung in eine Abwärtsspirale aus außer Kontrolle geratenem Konsumdenken, Verschuldung, Krankheiten und allgemein akzeptierter Dummheit hinunterzieht.

Man stößt zwar noch auf einige Bildungsprogramme, wie sie Organisationen und Sender wie Nova, BBC, The Learning Channel, Discovery und andere positive Ausnahmen ausstrahlen, aber der bei weitem größte Teil des Fernsehprogramms stellt einer Beleidigung des menschlichen Intelligenzpotentials dar und trägt nur zum Zusammenbruch jedweder Diskussionskultur bei – was man besonders in allen Wahlkämpfen beobachten kann.

 

Das Internetzeitalter

Das Internet wurde oft als ein weitaus intelligenteres Medium als das Fernsehen dargestellt. Das Fernsehen ist praktisch eine Einbahnstraße: Die Programmdirektoren und die Werbekunden werfen ihre Botschaften den passiven Zuschauern an den Kopf (dem Dauerglotzer oder der berühmten »couch potato«), von denen sich keiner wirklich beteiligen oder reagieren kann.

Das ist beim Internet anders: Die Nutzer können abstimmen, Kommentare abgeben oder Nachfragen stellen. Aus diesem Grunde war man lange der Ansicht, das Internet sei für die Gesellschaft gesund. Menschen dazu zu bewegen, engagiert zu diskutieren und sich mit schöpferischen Beiträgen zu beteiligen, scheint besser zu sein, als wenn sie sich nur vor der Glotze herum lümmeln und sich von einer weiteren geisttötenden Episode der allgegenwärtigen Realityshows hypnotisieren lassen.

Facebook erschien dabei als Wegbereiter, im Internet eine Massenbeteiligung zu eröffnen. Aber die Auswirkungen von Facebook und anderen sogenannten sozialen Netzwerken waren eben nicht die gedankenvollen, vernünftigen Diskussionen und Beiträge, die man sich idealistisch erhofft hatte. Stattdessen förderte aus Gründen, auf die wir noch eingehen werden, Facebook in vielen Menschen das Schlimmste zu Tage und entwickelte sich zu einem verworrenen Netzwerk anonymer Hetztiraden, die sich gegen jeden und alles richten, der in ihre Reichweite gelangt.

Daher auch der neue Spitzname für Facebook … Hassbuch.

 

Wie Facebook zu einer Hass-Schleuder wurde

Was zu einer Plattform für den Austausch und die Sammlung von Ideen sowie schöpferische Problemlösungen hätte werden können, entwickelte sich von wenigen Ausnahmen abgesehen in eine meist von Jugendlichen frequentierte Hass-Veranstaltung unausgegorener Gedanken. Und die schlimmsten dieser Hassprediger, denen es nur darum geht, jemanden fertigzumachen, stellen beileibe keine Minderheit dieser Onlineplattformen dar. Manchmal dominieren sie die Diskussionen (zum großen Missfallen der intelligenteren und nachdenklichen Personen, die versuchen, einen wirklichen Gedankenaustausch in Gang zu bringen).

Natürlich benutzen auch viele nachdenkliche, positiv eingestellte und intelligente Menschen Facebook. Einige besuchen auch die Internetseite KOPP online. Aber zu oft werden ihre bemerkenswerten Ideen einfach von »geistlosem Hass« übertönt.

Beschäftigen wir uns erst einmal mit dem Unterschied zwischen »vernünftiger Kritik« und »geistlosem Hass«. Bei »vernünftiger Kritik« handelt es sich um einen Kommentar, auch einen kritischen, der sich aus vernünftigen, i.S. von nachvollziehbaren Überlegungen zu bestimmten Problemen ableitet. Vieles von dem, was ich schreibe, fällt in diese Kategorie der »vernünftigen Kritik«, denn ich kritisiere etwas und erläutere dann meine Gründe, die mich zu dieser Kritik geführt haben. Dieser Artikel ist ein gutes Beispiel für vernünftige Kritik.

Bei »geistlosem Hass« dagegen handelt es sich um irrationale, sehr stark emotional befrachtete Hassreden, in denen es nicht um Fakten, Vernunft oder logische Prinzipien welcher Art auch immer geht. Man hat es vielmehr mit einer Art emotionaler Entladung zu tun, einem »geistigen Erbrechen«, das sich über die Internetgemeinde ergießt. Oft findet man in diesen Tiraden die bösartigsten Hassergüsse, die man sich nur vorstellen kann.

Ich las einmal einen Eintrag einer Frau, die nur sagte: »Ich entbiete meine Liebesgrüße jedem Erdenmenschen.« Daraufhin entgegnete ein hasserfüllter Facebook-Nutzer: »Das heißt, Du schließt auch Terroristen da mit ein. Du liebst also Terroristen.“ Diese Äußerung wurde schnell von einem anderen hasserfüllten Nutzer aufgegriffen. Er ereiferte sich: »Unglaublich: Sie liebt Terroristen! Terror-Unterstützerin!« Und so ging es dann weiter, die Einträge verkamen zu immer geistloseren Entladungen giftigen Unsinns gegenüber einer Frau, die lediglich versucht hatte, etwas Positives und moralisch Aufrichtendes beizusteuern.

Ich habe mich dann unter Vertretern alternativer Gesundheitsvorstellungen und unter Prominenten umgehört. Es stellte sich heraus, praktisch jeder, der einen bestimmten Bekanntheitsgrad erreicht hat, ist heute in Internetforen wie Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerke Zielscheibe ständiger Hetzreden und hasserfüllter Angriffe. SchauspielerInnen, angesehene WissenschaftlerInnen, geistige Führungspersönlichkeiten und SchriftstellerInnen - alle werden gleichermaßen Opfer von Hatebook-Tiraden. Keine Persönlichkeit von Rang wird dabei von hasserfüllten Facebook-Nutzern ausgespart, denn diese sind 24 Stunden am Tag im Netz aktiv und agieren, und das ist besonders wichtig, unter dem Schutz völliger Anonymität.

Diese Hassprediger werden durch ihre Anonymität angestachelt. Müsste jeder Facebook-Nutzer seine wirkliche Identität offenlegen, die Zahl der Hasstiraden nähme rapide ab. Denn das meiste dieser Hassausbrüche ist in Stil und Inhalt so bizarr und beleidigend, dass sie sich niemals trauen würden, dies unter ihrem wirklichen Namen zu veröffentlichen. Sie verstecken sich hinter fiktiven Benutzerkonten und -namen, so dass sie dann ihren inneren Hass unter dieser falschen Identität abladen können, ohne das Risiko einzugehen, dem sie sich aussetzten, wenn sie ein solches bizarres Verhalten in der realen Welt an den Tag legten.

Das bringt mich zu der neugierigen Frage: Um was für Menschen handelt es sich dabei eigentlich?

 

Der ganz normale Hasser

Wie sich herausstellt, handelt es sich um ganz normale, Allerweltsmenschen. Sie sind zutiefst frustriert – wegen ihrer Arbeit, ihrer Ehe, ihrer wirtschaftlichen Lage und des Lebens im Allgemeinen. In der realen Welt können sie diese Frustration nicht überwinden. Man kann seinen Chef nicht die Meinung sagen und erwarten, seinen Arbeitsplatz zu behalten. Schreit man seinen Ehepartner an, riskiert man die Scheidung. Wenn man in blindwütigem Zorn Menschen erschießt, wird man verhaftet und abgeurteilt.

Aber man kann andere Menschen im Internet fertigmachen. Anonym und unter Schutz der Facebook-Struktur, die scheinbar darauf angelegt ist, Streit zu schüren, denn Streit führt zu mehr Einträgen und ermöglicht höhere Werbeeinnahmen.

Der normale Facebook-Nutzer entspricht dem Typ eines »netten Nachbarn«. Er verhält sich in der Öffentlichkeit ruhig und freundlich in der Öffentlichkeit und achtet gesellschaftliche Regeln. Aber in der Anonymität des Internets wird er zum dunklen Herrscher Sauron, Beherrscher seiner Internetseite der Zerstörung, Zerstörer der Träume …und das ist auch gut so … nehmt Euch in Acht…

Er verwandelt sich sozusagen in eine völlig andere Person. Und man wäre leicht geneigt, angesichts der extremen Positionen, die diese Leute vertreten, eine »multiple Persönlichkeitsstörung« bei ihnen zu diagnostizieren, wenn sie sich im realen Leben so verhielten. Aber in der Welt des Internets scheint das alles »normal«.

Interessanterweise liefert Facebook seinen Nutzern keine Möglichkeit, jemanden, der hasserfüllte Einträge postet, wirksam und dauerhaft von den Seiten auszuschließen, noch bietet es »Hass-Filter« oder andere technische Möglichkeiten an, die Situation zu entschärfen. Ich habe es vorhin schon angedeutet, Facebook scheint sogar Hassreden zu ermutigen, weil das Konflikte hervorruft und Konflikte bringen Aufmerksamkeit. Das wiederum führt zu mehr Zugriffen und damit höheren Einnahmen. Diskriminierungen, Einschüchterungen und Beleidigungen Einhalt zu gebieten, könnte Facebook die Hälfte der Zugriffe kosten (oder sogar mehr). Es gibt also keinen finanziellen Anreiz die Verbreitung von Schmähreden und Hasstiraden in sozialen Netzwerken wie Facebook zu verhindern.

Man könnt auch sagen, Facebook lebt vom Hass.

 

Die Persönlichkeitszerstörung guter Menschen

All‘ dies hat zur Folge, dass Internet-Hassreden das Leben vieler brillanter Menschen zerstören. Ich weiß von einigen hochintelligenten Persönlichkeiten aus der akademischen Welt, die die hasserfüllten Angriffe auf Facebook-Seiten nicht länger ertragen konnten. Sie löschten ihre Benutzerkonten, verließen alle sozialen Netzwerke und zogen sich sozusagen in das Internet-Äquivalent eines Eremitendaseins zurück.

Es ist traurig, dass dies gerade außerordentlich talentierte und intelligente Menschen betrifft, die über wichtiges Wissen und bedeutende Einsichten verfügen, die sie der Menschheit schenken könnten. Stattdessen werden sie systematisch durch idiotische Hasstiraden anonymer Hetzer, die der Welt nun gar nichts zu geben haben und die man getrost als »unnütze Hassprediger« bezeichnen könnte, ausgebuht und aus der Öffentlichkeit verdrängt.

Man stelle sich einmal vor, es hätte Facebpook schon zu Zeiten Alfred Einsteins oder des berühmten Physikers Richard Feynman gegeben. Diese brillanten Physiker, die unser Verständnis der Welt revolutioniert haben, wären von der vorherrschenden Ahnungslosigkeit der Massen schonungslos als Betrüger und Quacksalber gebrandmarkt worden. »Zeit ist relativ? Was für ein Unsinn. Nur ein hoffnungsloser Idiot würde einen solchen Schwachsinn glauben.« Und diesen Tiraden hätten sich dann tausende Einträge hasserfüllter Menschen angeschlossen, die weder über die geistigen Kapazitäten verfügten, Einsteins Spezielle Relativitätstheorie zu verstehen, noch überhaupt bereit wären, sich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen, bevor man sich abschätzig dazu äußert.

 

Der Sprachstil eines Denkens im Niedergang

Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke sorgen so dafür, dass der Großteil der Gespräche der Menschen untereinander in geistlose Hasstiraden abgleitet. Robert hasst Sherry. Sherry kann Cindys Kleidung nicht leiden. Cindy verabscheut Roberts dummes Grinsen … und Robert schläft in der folgenden Nacht mit Sherry, obwohl er sie hasst, nur um davon einen Schnappschuss zu machen und den im Internet zu platzieren, um sie bloßzustellen.

Zum anderen werden im Internet die alltäglichsten und uninteressantesten Nichtigkeiten breitgetreten: »Heute morgen ist mir mein Toast angebrannt, und das erinnerte mich daran, was für ein Ekel du bist.« Aber wahrscheinlich habe ich das orthographisch und stilistisch viel zu gut formuliert. In der Hatebook-Welt läse sich das wahrscheinlich so: »Heut morgn verbrennte ich mein toast + ich erinerte mich was für ein A… bist du.«

Und so geht es immer weiter. Ein Chor allgemeinen Wahnsinns, getragen von einer geistigen Verwirrung, die von einem alarmierenden Teil der Internet-Nutzer Besitz ergriffen hat.

Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch: Ich behaupte keineswegs, dass jeder, der sich im Internet bewegt, sich so verhält. Aber ich behaupte, dass die intelligenten und nachdenklichen Menschen, die zu den Diskussionen etwas wichtiges beitragen könnten, immer häufiger von hasserfüllten Menschen übertönt werden, die einfach immer lauter schreien als derjenige, den sie angreifen.

 

Aber wir brauchen soziale Netzwerke

Warum ist das überhaupt wichtig? Facebook, Twitter und andere soziale Netzwerke sind heute so verbreitet, dass praktisch der Erfolg jedes Internet-Auftritts davon abhängt, ob man dort integriert ist. Entweder schließt man sich ihnen an, oder man verpasst eine wichtige Chance, andere Menschen anzusprechen. Aber wenn man sich dort betätigt, setzt man sich automatisch den Tiraden der geistig Verwirrten aus. Das erzeugt nicht nur emotionalen Stress, sondern belastet einen auch mit administrativen Aufgaben, wie dem Bemühen, derartiger Ergüsse zu entfernen und den falschen und irreführenden hasserfüllten »Lügnern« etwas entgegen zu setzen, die absichtlich Informationen ausstreuen, von denen sie wissen, dass sie falsch sind.

Dabei spielt es keine Rolle, welche Position man in einer bestimmten Angelegenheit vertritt. Ob man Republikaner oder Demokrat ist, ob man Naturmedizin oder Schulmedizin den Vorzug gibt, ob man an die globale Erwärmung glaubt oder nicht… Egal welche Auffassung man vertritt, man wird Zielscheibe idiotischer Hasstiraden seitens geistloser Nutzer sozialer Netzwerke, deren Hassausbrüche einer Art »geistiger Selbstbefriedigung« gleichkommen. Sie wollen alles und jeden zerstören und würdigen vernünftige Gespräche zu linguistischen Krämpfen herab, die mit Gehässigkeit durchtränkt sind.

Im größeren Zusammenhang gesehen führt das dazu, dass Menschen, die das Internet benutzen, in zunehmendem Maße ihrem Leben negativ und angespannt gegenüberstehen. Die Gesellschaft leidet darunter, wenn zugelassen wird, dass anonyme Hasstiraden das Internet beherrschen. Heutzutage gibt es kaum noch Möglichkeiten für vernünftige verbale Diskussionen. Der gesunde Menschenverstand, so scheint es, lässt sich eben nicht in nur 140 Twitter-Buchstaben einzwängen. Vergessen Sie die markanten Sprüche des Fernsehens, die Internetfloskeln sind nur Gedankenfragmente, die oft aus anscheinend zufällig aneinandergereihten Worten bestehen, die mit Beleidigungen und Nichtigkeiten gespickt sind.

Zu mehr sind wir nicht in der Lage? Wirklich nicht? Unsere Zivilisation hat Menschen zum Mond geschickt, Teilchenbeschleuniger gebaut, die schon viele Geheimnisse der Biochemie entschlüsseln halfen und dazu beitragen könnten, bald einmal den Weltraum zu kolonisieren. Aber wer soll dann die neuen Generationen technologischer Innovationen hervorbringen, wenn unsere Jugendlichen zu sehr damit beschäftigt sind, bei Prüfungsarbeiten zu pfuschen anstatt Mathematik zu lernen? Werden unsere Demokratien überleben können, wenn vernünftige Diskussionen über politische Kandidaten und deren Vorstellungen nicht mehr geduldet werden und es letzten Endes nur darauf ankommt, wer der größten Zahl der Wahlberechtigten die meisten Lügen auftischen kann?

 

Lösungen?

Wie kann es uns gelingen, im Internet wieder zu einem positiveren und verantwortlicheren Sprachstil zurückzufinden? Dies ist eine der entscheidenden Fragen unserer Zeit, deren Bedeutung aber erst langsam erkannt wird.

Spontan wird oft gefordert, es müsse eine Art Internet-Führerschein geben und man dürfe nur seinen tatsächlichen Namen benutzen. Auf den ersten Blick scheint das eine vernünftige Idee zu sein, aber bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass dies das Internet praktisch in einen virtuellen Polizeistaat verwandelte, wo Regierungen Internetdiskussionen beobachten, kontrollieren und zensieren. Jeder, der sich etwa gegen Pflichtimpfungen ausspräche, könnte dann von der weiteren Nutzung des Internets ausgeschlossen werden.

Aus naheliegenden Gründen sollte keine Regierung die freie Meinungsäußerung einschränken können. Polizeistaaten wie China setzen derartige Bestimmungen bereits um, und sie sind erfolgreich dabei, Internetdiskussionen zu zensieren und zu kontrollieren. In Nationen wie den USA, in denen die Redefreiheit noch allgemein respektiert wird, sind derartige drakonische Maßnahmen sinnlos.

Aber es gibt andere Lösungsmöglichkeiten. Soziale Netzwerke wie Facebook könnten allermindestens einiges mehr dazu beitragen, die Lage zu verbessern. Sie könnten den Nutzern bessere Möglichkeiten an die Hand geben, Personen, die nur beleidigen und Hass schüren, zu sperren oder Einträge mit offen diskriminierendem oder beleidigendem Tonfall automatisch herauszufiltern. Facebook könnte ein Bewertungssystem einführen, durch das Benutzer automatisch gesperrt werden, die einen geringen Leumund aufweisen.

Ein solches Bewertungssystem auf der Grundlage des Ansehens könnte das Internet auch dann wieder etwas zivilisierter machen, wenn sich die Leute weiter hinter ausgedachten Benutzernamen verstecken können.

Ein findiger Geschäftsmann könnte sicher eine Menge Geld verdienen, wenn es ihm gelänge, ein im gesamten Internet akzeptiertes Reputation-Punkte-System zu entwickeln, das es ermöglicht, sozusagen das Ansehen eines beliebigen Nutzers zu erfassen und dann davon abhängig zu machen, inwieweit dessen Beiträge für alle sichtbar sind.

Bereits vor beinahe zehn Jahre erkannte ich die Notwendigkeit eines solchen Systems und ließ damals viele Domain-Namen eintragen wie ReputationMonitor.com, ReputationGuard.com und ReputationServices.com. Wenn ein Leser daran interessiert ist, ein solches Reputations-System zu entwickeln und zur Einsatzreife zu bringen, das dazu beitragen könnte, das Problem der Hasstiraden zu lösen, wäre ich sehr interessiert, daran mitzuarbeiten und eine entsprechende Lösung voranzubringen.

Ein solches Reputationssystem ist nur eine Idee, wie man den Sprachstil und das Auftreten dieser geistlosen, von Hass erfüllten Menschen verändern könnte. Es gibt sicherlich viele andere genauso wirksame Konzepte, an die wir jetzt noch gar nicht gedacht haben. Computerprogramme, die nach bestimmten Stichworten suchen, wären leicht in der Lage, Einträge nach ihrer positiven oder negativen Grundstimmung zu bewerten. Internetportale wie Twitter oder Facebook könnten ihren Nutzern auch die Möglichkeit einräumen, eigene Filter zu entwickeln, wie es sie beispielsweise schon für Eltern gibt, die den Internetzugriff ihrer Kinder einschränken wollen. So könnten negative Einträge herausgefiltert werden. Spam-Filter, die vor unerwünschter Werbung schützen, arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip.

Auf diese Weise könnte eine Art »Brandmauer« gegen Hassreden aufgebaut werden, die das Ausmaß dieser geistlosen Tiraden erheblich verringern könnte. Es gibt solche »Firewalls« bereits gegen Viren und Hacker… warum nicht auch gegen Personen, die Hass verbreiten?

Noch eine weitere interessante Idee: Ein linguistisches Analyseprogramm könnte dem Datenverkehr etwa eines Unternehmens vorgeschaltet werden und alle eingehenden und aktuellen E-Mails oder allgemeine Texte darauf hin untersuchen, ob bestimmte Schlüsselwörter vorkommen, die auf extrem negative Einstellungen hindeuten. Für das Inhaltsverwaltungssystem (CMS) unserer Internetseite NaturalNews.com haben wir bereits eine ähnliche Lösung entwickelt. Die eingestellten Artikel werden nach bestimmten Stichworten, die die wichtigsten Konzepte des Artikels abbilden, eingestuft. Diese Stichworte werden dann mit den Stichworten anderer Artikel auf Übereinstimmungen hin untersucht, so dass man dem Leser sinnvolle Vorschläge zu weiterführenden Artikeln unterbreiten kann. Das gleiche könnte auch für den Inhalt von E-Mails oder Texteinträgen funktionieren.

Aber um zu diesen Lösungen zu gelangen, muss sich innerhalb der Internet-Gemeinschaft die Erkenntnis durchsetzen, dass die Herangehensweise von »Hatebook« nicht hinzunehmen ist. Wenn wir zulassen, dass sich anonyme Hasstiraden weiterhin im Internet ausbreiten, zerstört das unsere allgemeine Lebensqualität, ohne zur Gesellschaft etwas Wertvolles beizusteuern.

Wenn wir daran gehen, die Anonymität der Hassprediger aufheben wollen, müssen wir andererseits darauf achten, die Redefreiheit zu schützen, die das Internet als Ganzes zu einem wertvollen Werkzeug gemacht hat, um Wissen, Kreativität und Lösungsmöglichkeiten mit möglichst vielen zu teilen.

Das ist offensichtlich ein schwieriger Balanceakt, und ich erhebe keineswegs den Anspruch, alle Antworten zu haben. Aber ich weiß, dass was Facebook, wie ich es gesehen habe, hervorbringt, gehört zu den dunkelsten, hasserfülltesten und verkommensten Beispielen für »Redefreiheit«, die ich jemals erlebt habe. Darüber hinaus zerstört sie den guten Willen der herausragenden Menschen, denen wir eigentlich Dank schulden.

Wir können es besser. Und wir müssen es besser schaffen, wenn wir als Zivilisation überleben wollen. Ungehindert Ideen austauschen zu können, trägt entscheidend dazu bei, Lösungen für die großen Probleme zu finden, denen wir uns heute gegenübersehen: Wie soll die Erde die zerstörerische Vorherrschaft der Menschen überleben? Werden wir in der Lage sein, andere Planeten zu kolonisieren, um uns gegen Katastrophen abzuschirmen? Wie können wir die Gesamtheit des menschlichen Wissens erhalten und ausweiten, so dass zukünftige Generationen weiser sind als wir? Wie können wir zu wahrer Glückseligkeit gelangen?

Diese Fragen können in einer Umgebung, in der geistloser Hass und anonyme Dummheit gegenüber entwickelten Ideen und vernünftigen Argumenten vorherrschen, nicht diskutiert oder beantwortet werden.

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