Enthüllt: Altkleidersammlungen machen Bedürftige ärmer
Niki Vogt
Wer gebrauchte Kleidung in die Altkleidersammlung gibt, der will auch Gutes tun und Bedürftigen helfen. Die Realität ist eine andere.

Rund eine Million Tonnen Altkleider werden pro Jahr in Deutschland aussortiert. Die Hälfte davon wandert in Kleidersammlungen. Im Durchschnitt gibt jeder Bundesbürger 16 Kleidungsstücke jährlich in den Container oder stellt sie im Sack als Kleiderspende an den Straßenrand. Im weltweiten Vergleich liegt der Kleiderkonsum in Deutschland im Spitzenfeld. Wir tragen gern die
neueste Mode. Und mit der Kleidersammlung beruhigen wir ein schlechtes Gewissen. Die Verwertung gebrauchter Textilien ist inzwischen ein extrem profitables Geschäft. Wer diese Waren exportiert, der verdient Millionen. Angebliche Wohltäter werden so schnell zu Millionären.
Schauen wir uns zunächst an, wer wie viel von den Kleidersammlungen bekommt: Etwa 15 Prozent der von Deutschen ausgemusterten Garderobe kommt direkt Bedürftigen zugute. Nur wenig davon landet in den Kleiderkammern des DRK, das Kleidung kostenfrei abgibt. Diese Kleiderkammern sind zwar gut gefüllt. Hier herrscht kein Mangel. Aber nur wenige Menschen nehmen die Hilfe in Anspruch. Besonders gut erhaltene Stücke verkaufen die karitativen Organisationen in eigenen Second-Hand-Shops. Die Erlöse werden für die Finanzierung von sozialen Aufgaben verwendet. Ein anderer kleiner Teil geht über das Deutsche Rote Kreuz in Kriegs- und Krisengebiete und hilft Flüchtlingen und Katastrophenopfern. Der Großteil wird allerdings von gewerblichen Firmen, die keineswegs dem Gemeinwohl verpflichtet sind, mit Gewinn verkauft. Der Spender weiß aber häufig nicht, dass er an ein Industrieunternehmen spendet – denn auf den Containern und Säcken stehen die Namen karitativer Organisationen. Die gespendeten Kleidungsstücke landen auf deutschen Flohmärkten, wo sie von Migranten angeboten werden. Oder sie werden nach Afrika oder Osteuropa exportiert, wo sie Zehntausende von Arbeitsplätzen zerstören. Wer die erschreckenden Details einer weitgehend skrupellosen Branche kennt, der hat ganz sicher kein gutes Gewissen mehr, wenn er Altkleider »spendet«.
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