Verkehrte Welt: Wird der Euro zum Spielgeld?
Niki Vogt
Die Zeiten, in denen Westeuropäer über die angeblichen Spielgeldwährungen ehemaliger Ostblockstaaten lächelten, sind vorbei. Heute belächeln die Polen und Tschechen die Euro-Währung. Und sie wehren sich mit allen Mitteln, diese zu übernehmen.
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Siebzig Prozent der Tschechen haben sich inzwischen gegen einen Beitritt ihres Landes zur Euro-Zone ausgesprochen. Und Staatspräsident Vaclav Klaus sagte öffentlich, es sei nicht länger im tschechischen Interesse, den Euro als Währung zu übernehmen. Es gebe heute weder in der Regierung, noch im Parlament, noch bei der Nationalbank oder in der Bevölkerung Sehnsucht nach dem Euro. Mit allen Mitteln wehren sich die Tschechen dagegen, den Euro einzuführen. Und nicht nur die Tschechen: Zehn europäische Länder sind derzeit Euro-Beitrittskandidaten. Sie haben sich schriftlich dazu verpflichtet, den Euro zu übernehmen. Dem Euro haftet allerdings nicht mehr der Duft der großen, weiten Welt an – an ihm haften jetzt Moder und Verfall. Den Tschechen geht es gut. Sie haben eine niedrige Inflationsrate, kaum Arbeitslosigkeit, eine geringe Staatsverschuldung und keine Schwierigkeit, ihre Staatsanleihen auf dem Weltfinanzmarkt unterzubringen. Die Tschechen haben nun auf einmal keine Eile mehr, den aus ihrer Sicht zur Weichwährung mutierenden Euro zu übernehmen.
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