Tuesday, 28. June 2016
27.11.2012
 
 

Goldman Sachs festigt seine wirtschaftliche Übernahme Europas

Paul Joseph Watson

Mit seiner »überraschenden« Ernennung zum neuen Gouverneur der Bank of England festigt der Kanadier Mark Carney, der 2012 am Treffen der Bilderberger teilnahm, den beherrschenden Einfluss der Investmentbank Goldman Sachs auf alle größeren europäischen Volkswirtschaften.

Diese Ernennung war für viele, die davon ausgegangen waren, der derzeitige stellvertretende Gouverneur der britischen Zentralbank, Paul Tucker, würde den Chefposten übernehmen, ein Schock. Aber bereits im April dieses Jahres wurde berichtet, dass man hinter den Kulissen dabei sei, Carney , der noch im November 2011 für weitere drei Jahre zum kanadischen Zentralbankchef

ernannt worden war und zugleich Vorsitzender des so genannten Financial Stability Board der G20 ist, für diese Funktion in Position zu bringen.

 

Carney gehörte früher 13 Jahre zur Führungsriege bei Goldman Sachs und spielte 1998 in der russischen Finanzkrise eine wichtige Rolle. Diese Krise wurde von Goldman Sachs noch dadurch verschärft, dass das Unternehmen Russland einerseits beriet, andererseits aber an Finanzwetten beteiligt war, die darauf setzten, Russland werde seine Schulden nicht bezahlen können.

 

Vor knapp sechs Monaten hatte Carney an einem Treffen der Bilderberg-Gruppe in Chantilly im US-Bundesstaat Virginia teilgenommen. Auf diesen mindestens alljährlich stattfindenden informellen Treffen kommen mehr als 100 der einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt zusammen. Dort geht es natürlich auch um Absprachen zur personellen Besetzung wichtiger Positionen in Politik, Wirtschaft und Finanzwelt. Möglicherweise wurde die »Causa Carney« hier schon diskutiert.

 

Die britische Tageszeitung The Guardian berichtete, Carney sei außerhalb der abgeschiedenen Kreise der Zentralbanker und der Finanzaufsicht nur wenig bekannt. Aus diesem Grunde sei seine Ernennung auch für viele eine Überraschung gewesen. Das gilt auch für Malcolm Barr von JPMorgan, für den Paul Tucker als sicherer Favorit für den Posten galt.

 

Als einer der Gründe für den Überraschungseffekt der Ernennung Carneys wurde auch dessen kanadische Staatsbürgerschaft angeführt, aber auch als Kanadier ist er Untertan der britischen Königin, die seine Ernennung bestätigte, nachdem er ihr vom Premierminister David Cameron vorgeschlagen worden war.

 

Seine Teilnahme am diesjährigen Treffen der Bilderberger hat sicherlich dazu beigetragen, sein Ansehen innerhalb der weltweiten Elite zu stärken und ihm damit die Position als Chef der Bank of England zu sichern. Auch andere Personen profitierten in ihrem Karrierestreben von ihrer Aufnahme in diesen illustren Kreis. So stieg Herman Van Rompuy nur wenige Tage nach seiner Teilnahme an einem Abendessen der Bilderberg-Gruppe zum ersten ständigen Präsidenten des Europäischen Rates auf.

 

Die Ernennung Carneys zum britischen Zentralbankchef markiert auch den vorläufigen Abschluss der Bemühungen von Goldman Sachs, in praktisch jeder wichtigen europäischen Volkswirtschaft über die Besetzung von Schlüsselpositionen die Kontrolle an sich zu reißen.

 

Erst im vergangenen Jahr wurde der frühere EU-Kommissar Mario Monti dazu auserlesen, den demokratisch gewählten italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zu ersetzen. Monti gehört zur internationalen Beratergruppe von Goldman Sachs und ist europäischer Vorsitzender der u.a. von David Rockefeller gegründeten Trilateralen Kommission und ebenfalls ein führendes Mitglied der Bilderberg-Gruppe. »Hier handelt es sich um eine Bande von Kriminellen, die uns diese finanzielle Katastrophe beschert haben. Genauso gut könnte man Brandstifter auffordern, das Feuer zu löschen«, kommentierte der Il-Journale-Chefredakteur Alessandro Sallusti.

 

Und als der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou auch nur erwog, das griechische Volk in einer Volksabstimmung [über die drakonische Sparpolitik] entscheiden zu lassen, wurde er innerhalb weniger Tage durch den früheren stellvertretenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Harvard-Gastprofessor und ehemaligen Chefvolkswirt der amerikanischen Notenbank Federal Reserve in Boston, Loukas Papadimos, ersetzt. Papadimos stand an der Spitze der griechischen Zentralbank (1994-2002), als diese fragwürdige Derivatgeschäfte mit Goldman Sachs abwickelte, mit denen Griechenland das tatsächliche Ausmaß seiner Schulden verschleierte, was dann letztlich mit zur europäischen Schuldenkrise führte.

 

Sowohl Papadimos als auch Monti sind nicht durch demokratische Wahlen legitimiert. Der eigentliche Grund dafür hängt damit zusammen, wie Stephen Faris vom Times Magazine festhielt, dass sie »der Öffentlichkeit gegenüber nicht unmittelbar verantwortlich sind«. Dies ist nur ein weiterer Beweis für die grundlegend diktatorische und undemokratische Grundlage der Europäischen Union.

 

Wenig später wurde dann der frühere stellvertretende Vorstandschef von Goldman Sachs International – Mario Draghi – zum Präsidenten der Europäischen Zentralbank gewählt. Zu Beginn der internationalen Finanzkrise 2008 war der frühere Goldman-Sachs-Vorstandschef  Hank Paulson amerikanischer Finanzminister. Als Timothy Geithner schließlich Paulson ablöste, wurde der Goldman-Sachs-Lobbyist Mark Patterson zu seinem Chefberater ernannt. Der derzeitige Vorstandschef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, hat bereits mindestens zehnmal das Weiße Haus aufgesucht. Goldman Sachs gehört zu den größten Spendern für den Wahlkampf Obamas und hat so maßgeblich zu dessen Wiederwahl beigetragen.

 

Das Internetportal Zero Hedge hatte ebenfalls vorhergesagt, Carney würde allen Widerständen zum Trotz neuer Chef der britischen Zentralbank  werden und schrieb nun am 26. November: »Um zu erkennen und zu verstehen, wie die Dinge laufen, muss man sich nur eines klar machen und darf es nie vergessen: Goldman Sachs schmeißt den Laden; alles andere ist zweitrangig.«

 

Die untenstehende Abbildung verdeutlicht, wie die Volkswirtschaften Frankreichs, Irlands, Deutschlands und Belgiens ebenfalls von Personen kontrolliert werden, die über direkte Verbindungen zu Goldman Sachs verfügen. Dieser internationale Bankenriese, der für seine Korruption und seinen Insiderhandel berüchtigt ist, verfügt nun über immensen Einfluss auf praktisch jede größere westliche Volkswirtschaft weltweit.

 

 

Bildtexte:

Belgien: Karel Van Miert: früherer EU-Wettbewerbskommissar und internationaler Berater von Goldman Sachs

Deutschland: Otmar Issing: ehemaliges Mitglied des Direktoriums der Bundesbank (Chefvolkswirt) und EZB-Ratsmitglied

Irland: Peter Sutherland; früherer Generalstaatsanwalt von Irland, war maßgeblich an den Rettungspaketen für Irland beteiligt, gehört  als so genannter »Non-Executive Director« zum Goldman-Sachs-Vorstand

Frankreich: Antonio Borges leitet bis zu dieser Woche die Europa-Abteilung des Internationalen  Währungsfonds (IWF), früherer stellv. Vorstandschef von Goldman Sachs International

Italien: Mario Monti. Der italienische Regierungschef gehört zum internationalen Beratergremium von Goldman Sachs

Mario Draghi: Der neue Direktor der Europäischen Zentralbank war zuvor Geschäftsführer von Goldman Sachs International

Griechenland: Loukas Papadimos war bis Mai 2012 griechischer Ministerpräsident. In seine Zeit als Chef der griechischen Zentralbank fallen die fragwürdigen Derivatgeschäfte mit Goldman Sachs, mit denen Griechenland das wahre Ausmaß seiner Schulden vertuschte

Petros Christodoulou; Leiter der griechischen Schuldenagentur, begann seine Karriere bei Goldman Sachs

 

 

 

 


 

 

 

 

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