Montag, 24. April 2017
27.06.2016
 
 

»United Kingdumm« ‒ die wahren Wut-Deutschen sitzen in den Redaktionen

Peter Bartels

Das Volk der Briten hat entschieden: »Raus aus dieser EU!« Gegen den Willen der Herrschenden in London, Brüssel und Berlin. Vor allem gegen die ‒ deutschen – Journalisten. Und wie reagieren diese? Wie Gentlemen? Gute Verlierer? Wenigstens wie Demokraten? Bild heulte: OUTsch! Und kübelte über den Brexit-Befürworter Nigel Farage: »Hier lacht der Brexsack«. Schließlich mit einem blonden, blassen Nackedei, das die Restleser von Bild-Totengräber Kai Diekmann mit einem großen Sticker anstrahlte: »Brefugees Welcome! Daneben in Pidgeon-Englisch die wahnsinnig sinnige Zeile: Also come einfach over. Together schaffen wir that!«

 

Da hörte sich der neue Spiegel-Titel fast so elegisch an, wie einst die Schnulze von Alexandra (Mein Freund der Baum ist tot ...): »Europa ist tot«. Und die FAZ klang wenigstens noch so intellektuell, wie Howard Carpendale: »Hello Goodbye«.

 

Unisono einig war sich unser aller Mainstream im Heulen und Zähneklappern – plötzlich war auch hierzulande das »Volk« wieder ganz nah! Dieses verdammte »Pack«. Diese »Drecksäcke«. Diese Nazis. »Demokraten!« In Frankreich ... Holland ... Belgien ... Österreich ... Italien ... war das Pack den Meinungs-Mogulen ja schon auf die Pelle gerückt. Vereinzelt sogar in deutschen »Gauen« wie Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Sachsen. In Ungarn, Polen, Slowakei, Tschechien auch?

 

Schon, aber das ist ja eigentlich eh alles noch Ostblock ... Aber England? Großbritannien? Das Empire?? Das traf ins Mark! Da half auch nicht, dass Merkels ferngelenkte Lautsprecher von Funk und Fernsehen selbst nach dem amtlichen Endergebnis, das die BBC mit 52 Prozent rund um den Big Ben dröhnte, immer noch ständig »51,9 Prozent« beteten. Weil sich 52 Prozent für den »Brexit« irgendwie finaler anhörten.

 

Und – man weiß ja nie – vielleicht kippen die Schotten ja doch noch alles ... Und erst die Nord-Iren ... Schließlich hatten diese Irren doch seinerzeit nur wegen der »EU-Geldströme« mit ihrem Bomben-Terror aufgehört. Und war da nicht noch was mit Malta? Und überhaupt: Die »Jugend« hatte doch auch »geschlossen« gegen den Brexit gestimmt. Wie ganz London. Nur die »alten Säcke vom platten Land« waren gegen Europa ...

 

Als Merkels Meinungs-Kartell merkte, dass jede noch so waghalsige Volte sie nicht so recht weiterbrachte, entdeckte man schließlich doch noch eine (scheinbare) Möglichkeit: Luxemburgs Juncker hatte doch unter dem rauschenden Beifall, dem finalen Offenbarungseid der Journalisten in Brüssel, gesagt: »Out is Out! Raus, aber sofort«. Und nun stotterte die Polit-Elite der Angelsachsen plötzlich was von »2 Jahren«. ... Hatte man sich beim Brexit-Gegner Cameron doch nicht verhört, als er sagte: Er werde im Herbst zurücktreten, erst sein Nachfolger werde die »Scheidung von der EU« im Detail ausarbeiten!

 

Ja, was ist das denn? ZDF-heute-journal-Hiwi Christian Sievers (der mit den Kontaktlinsen und dem dicken Erkennungsring am Mittelfinger) schnappatmete denn auch prompt noch Sonntagabend keuchend: Die EU-Gegner haben offenbar gar nichts vorbereitet ... Warum sollten sie? Sie haben laut EU-Vertrag 2 Jahre Zeit. Sie sind also schlicht im Plan. Und wenn ihr Premierminister (gegen den Austritt), seinem Nachfolger (womöglich für den Austritt), die Modalitäten überlassen will, so ist das nur logisch, ehrlich, demokratisch. Mehr nicht.

 

Natürlich nicht für die deutsche Journaille. Deutlich wie nie zuvor, bewies diese jetzt dem »Pack« endgültig, wie Demokratie zu gehen hat: »Wie wir es euch vorschreiben, nur so!« Maxime: Willst du nicht mein Bruder sein, schlage ich Dir den Schädel ein! Wie im neuen Spiegel nachzulesen in Sachen »Extremismus«. Gleich neun (9!) ausgewachsene Redakteure werden aufgeboten, um den verbliebenen Käufern (10 Prozent Minus) vorzugaukeln, wie sehr der angebliche Rechtsextremismus den »Hass auf Politiker« inklusive »Morddrohungen« schüre. Mit großem Foto eines Pegida-Galgens für Sigmar Gabriel.

 

Als Grüne und linke Antifa vor Jahr und Tag einen wirklich großen Galgen für konservative Politiker durch die Straßen keuchten, krähte kaum ein Mainstream-Hahn danach. Oder wenn ein Syrer seine Bleibe anzündet, weil er nicht mehr auf Moslem-Merkels Haus und Gehalt warten will, und Hakenkreuze an die Wand schmiert. Dann waren es erstmal Nazis, pilgerten ausgewachsene Ministerpräsidenten nach »Canossa«. Danach? Ouuups ...

 

Oder der dicke Marokkaner, der neulich sein Flüchtlingsheim im Wert von 10 Millionen Euro abfackelte, weil er während der Fastenzeit Ramadan angeblich zu wenig Nutella bekam. Da wird Kritikern der Flüchtlingswelle vom Mainstream subkutan ins Gewissen geschwurbelt: Sind wir nicht alle schuld?

 

Hier und heute zeigt der Spiegel ein strahlendes Foto der Grünen Claudia Roth im Nordirak, mit strahlenden Kindern, weil sie seit einiger Zeit angeblich »rechte« Morddrohungen erhält. Das Blatt geniert sich nicht mal, den offenbar Geisteskranken politisch zu instrumentalisieren, der neulich »Britain first« brüllte, auf offener Straße eine Labour-Abgeordnete erstach und erschoss. »Man muss kein Schwarzmaler sein, um sich in diesen Tagen Sorgen um die Demokratie zu machen – nicht nur in Großbritannien«, heuchelt das Blatt inbrünstig. Antifa? Brennende Autos? Telefonterror? Drohstreiks vor Arztpraxen? Horden schwarz vermummter »Demonstranten«? Murmel – Murmel! Volksverhetzung, Sachbeschädigung, Nötigung – das alles kommt hauptsächlich von »rechts«, von sogenannten »Wutbürgern«. Wenn doch von links? Dann sind es bloß »etwas übertrieben engagierte Jugendliche«.

 

Kopp Online-Leser Uwe B. aus Göttingen schrieb: »Kaufe den Spiegel zwar nicht mehr, bin aber im Netz über einen ›Schwarzen Kanal‹ vom 7.11.2013 gestolpert: Spiegel-Autor Jan Fleischhauer schrieb da: Viele EU-Abgeordnete hätten nicht mal mehr eine Geldbörse dabei, wenn sie sich zum Essen verabreden« ... Vor ihm im Flugzeug habe EU-Parlamentspräsident Martin Schulz gesessen. Der sei früher Bürgermeister in Würselen gewesen, bevor er ein »mächtiger Mann« (bei der EU in Brüssel) wurde. Sein »Kabinett« bestehe aus 40 Mitarbeitern, einem Kabinettschef, dessen Stellvertreter, die ebenfalls wieder über acht Assistenten und Berater verfügen. Hinzu kämen fünf Berater und Assistenten, die für das Protokoll und den Terminkalender des Präsidenten zuständig seien, dazu fünf Assistenten und Berater für die Abteilung »Inneres« und sechs für die Abteilung »Äußeres«, dazu zwei Kammerdiener (oder Zeremonienmeister), ein Fahrer und ein Bürogehilfe!

 

Der Spiegel-Kolumnist rieb sich (damals) erstaunt die Augen: »Brüssel ist das neue Rom minus Sonne, Sklaven und Kolosseum. Alles andere ist, wie man es aus den Filmen kennt: das satte Machtgefühl einer Elite, die mit einem Fingerzeig über das Schicksal von Millionen Menschen entscheidet ... Lächelnde Herablassung für die Provinzen, aus denen das Geld kommt, das man im Zentrum des Imperiums in Ströme von Gold verwandelt ...«

 

»Und wenn die Leute nicht mehr mitmachen ... ihre Wut auf die Straße tragen?«, wagte Fleischhauer einen hochrangigen EU-Parlamentarier zu fragen. Die lakonische Antwort kam prompt und achselzuckend: »Dann demonstrieren sie halt ... Sollen sie doch Revolution machen ... Fatalistisch seufzte der Spiegel-Redakteur: »Solche Gespräche führt man am besten bei sizilianischem Weißwein und irischem Rind.«

 

Kopp-Online-Leser Uwe B. in seinem PS: »Sicherheitshalber habe ich den Artikel kopiert und gespeichert, bevor der Spiegel ihn wiederfindet und umgehend löscht ... « Vielleicht ahnt der Mann richtig. Wie Millionen Menschen in Ungarn, Polen, Österreich, Frankreich, Belgien, Holland, England. Und natürlich Deutschland. Denn was Fleischhauer da beschreibt, ist ja der Grund, warum das neue »Alte Rom« Brüssel mit ganzen Heerscharen von »Wächtern« füttert, die mit der Botschaft von Frieden und Fürsorge für alle, die mühsam und beladen sind auf dieser Welt, ablenken sollen, vom Leben der Politiker, die in Belgien wie Gott in Frankreich leben.

 

Darum betet unsere Journaille die Gutmenschen-Litanei von morgens bis abends auf allen Kanälen und Formaten rauf und runter. Mal weil wir die überwiegend akademisch ausgebildeten Moslems für »unsere« Rente brauchen. Mal weil »wir in Europa« ohne die muslimische Fertilität zur Inzucht degenerieren würden. Wo Geld fehlt (Griechenland), wird es gedruckt. Wenn Wähler (Deutschland) fehlen, kriegen sie einen Pass ...

 

In Wahrheit geht es um die Fleischtöpfe der Polit-Bonzen, in Brüssel, Luxemburg, Paris, Rom, Berlin. Und die Meinungs-Mogule passen auf das Volk auf. Und wenn trotzdem mal alles schiefläuft ‒ wie jetzt in England ‒ dann gibt man den Reichspropaganda-Chef Goebbels. So wie Bild mit seiner Schlagzeile »Brexsack«. Wobei die dumpfbackigen Briten wahrscheinlich noch Glück hatten, dass Kaischi Diekmanns Chefredakteuse Tanit Koch in letzter Minute schmollend mit dem Füßchen stampfte. Wie der Flurfunk bei Springer souffliert, sollte die ursprüngliche Bild-Zeile heißen: »United Kingdumm«.

 

Wetten, dass die Queen dem Ritter der Schwafelrunde trotzdem nicht den Hosenbandorden verleiht? Demokratie ist, wenn man trotzdem lacht ...

 

 

 

 

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