Samstag, 24. Juni 2017
13.05.2016
 
 

Jan Böhmermann im Bundestag: Der Mainstream johlt, jauchzt und jault

Peter Bartels

Bild-Postbote Wagner war offenbar kurz vor dem Infarkt. Michael Hanfeld von der FAZ wurde ausfällig. Die Alpen-Pravda Süddeutsche Zeitung bebte. Renate Künast war »sehr peinlich berührt«. Unser aller Gysi hat sich immerhin noch geärgert. Und Jan Böhmermann, der langweiligste »Humorist« Deutschlands, fand das Ganze »ungeheuerlich« ...

 

Was war passiert? War Angela Merkel mit Erdowahn nackt am Pool in Istanbul erwischt worden? Wurde Hillary Clinton mit Obama im Schlafzimmer des Weißen Hauses überrascht (»I did not have sexual relations with that man ...«)? Nichts davon! Leider? Leider!

 

Nur ein restlos unbekannter Hinterbänkler der CDU hatte im Bundestag ein »Gedicht« aufgesagt. Besagtes »Gedicht«. Das »Gedicht«, das über Krieg und Frieden zwischen Deutschland und der Türkei entscheidet. Und über das Schicksal von Millionen »Flüchtlingen«.

 

Und natürlich über das Schicksal von Angela Merkel. Und EU-Europa. Und damit über ein Heer von Spesenrittern, Suffköppen und Gender-Gouvernanten. Klaro.

 

Der Mann heißt Detlef Seif, 54, ist direkt gewählter CDU-Abgeordneter für den Wahlkreis Euskirchen-Rhein-Erft-Kreis II, seit 2009 im Bundestag, Rechtsanwalt, evangelisch, verheiratet, eine Tochter. Und weil es um die Abschaffung des »Majestätsbeleidigungs«-Paragrafen ging, war natürlich »alles« da im Reichstag ‒ ARD, ZDF, Phoenix, die ganze Journaille vom Mainstream halt. Und dieser hinterste aller Hinterbänkler trug tatsächlich vor, was den Sultan zur Weißglut gebracht und ‒ zu Recht ‒ vor den deutschen Kadi getrieben hatte. Und die Kanzlerin zum Kniefall.

 

»Ich wollte es eigentlich nicht, aber ich lese Ihnen das mal vor, damit man weiß, was hier denn überhaupt gesagt worden ist.« Und dann las der nette MdB tatsächlich brav vor, was der kleine Böhmermann im ZDF-Mini-TV unter Ausschluss einer nennenswerten Zuseherschaft als »satirisches Schmähgedicht« verhökert hatte ‒ vom »Ziegen-« bis zum »Kinder-Ficker«, vom Mini-Gemächte bis ... Ersparen wir uns weitere der plumpen, restlos witzlosen, beleidigenden Details dieses »Werkes«. Der Hinterbänkler-Jurist im Plenum jedenfalls befand: »Hier wird eine Person in ihrer Ehre ganz klar angesprochen.«

 

Die Parlamentarier von SPD und Grünen zeigten sich spontan »befremdet«. Die Grüne Renate Künast, sie sei »sehr peinlich berührt«. SPD-Kollege Christian Flisek (wer?) moserte pikiert: »Das hätten Sie sich sparen können.« Und sogar SPD-Sitzungspräsidentin Edelgard Bulmahn räusperte sich indigniert in der Debatte: Die Abgeordneten mögen doch bitte auf »parlamentarisches Vokabular« achten.

 

Was immer sie damit meinte: »Sie ... Sie Hodentöter!«, als Herbert Wehner einst Jürgen Todenhöfer (CDU) im Parlament niedermachte? Oder Jürgen Wohlrabe (CDU), den er zur »Übelkrähe« adelte? Wohl eher nicht, denn das war wirklich »Klosterschule« gegen das, was er da von Böhmermann rezitierte.

 

Der FAZ-Medienverantwortliche Michael Hanfeld resümierte: »All die vermeintlich witzigen Abseitigkeiten ... gab es jetzt noch einmal im Bundestag zu hören, und das war als Schocktherapie für Renate Künast und einige andere zu viel.«

 

Offenbar auch für den Postboten von Bild, Franz Josef Wagner. Er bollerte schnappatmend: »Kein großes deutsches Gedicht hat es in den Bundestag geschafft. Schillers Glocke nicht, Heines Loreley nicht ... Böhmermann hat es ... Noch in 100 Jahren wird man in den Archiven des Bundestags die ›Schweinefurz‹ ... ›Schrumpel-Klöten‹ nachlesen können ...« Dann sorgt sich Wolken-Wotan Wagner: »Ob unsere Kinder oder Kindeskinder dieses Schmähgedicht einmal auswendig lernen müssen? Ich hoffe nicht. Dieses Gedicht ... hat keine Melodie, keine Worte, die sich romantisch an das nächste schmiegen ...«

 

Selbst Gregor Gysi, die immer noch rote Socke der Linken, nölte: »Ich finde es nicht witzig ... es bedient Vorurteile, das ärgert mich.« Aber er »missbilligt« auch die Reaktion der Kanzlerin. Es sei höchst bedenklich, wie die Regierung vor jemandem kuscht, der massive Menschenrechtsverletzungen begehe.

 

Die Alpen-Pravda Süddeutsche Zeitung dagegen atmete bebend ... »für all die ungeduldigen Böhmermann-News-Junkies da draußen« durch: »Hat er? Nein, er hat nicht. Keine tanzenden Ziegen auf dem ›shiny floor‹, kein Merkel-Bashing, kein lyrischer Nachtritt Richtung Präsident ...« Schließlich zitierten die roten Bajuwaren auch noch den ebenso roten Gysi, der in Böhmermanns erster Sendung »danach« war: »Intern würde ich Ihnen meine Meinung geigen, nach außen aber ... würde ich Freispruch fordern.«

 

Hanfeld brachte es schließlich für die FAZ böse auf den Punkt: »Böhmermann ... meint, er kann tun und lassen, was er will ... Er denkt, es genüge, dem Kanzleramtsminister, zu twittern ... an die Kanzlerin zu appellieren, damit sich ja kein Gericht mit seinem Auftritt beschäftigt. Mit diesem peinlichen Sandkastenspiel beschäftigt Böhmermann seit Wochen die Republik ... während Erdoğan echten Journalisten wie Can Dündar und Erdem Gül, die zu langen Haftstrafen verurteilt worden sind ..., den Garaus macht.« Schließlich: Kaum hatte der Abgeordnete Seif sein »Gedicht« (im Bundestag) vorgetragen, twitterte (Böhmermann): »Das Schmähgedicht, das der CDU-Abgeordnete im Deutschen Bundestag vorgetragen hat, ist bewusst verletzend. Ungeheuerlich.«

 

Hanfeld harsch ausrastend: »Ungeheuerlich ist allein Böhmermanns Beschränktheit.«

 

Muss man dem etwas hinzufügen? Ein restlos unbegabter »Künstler« mimt seit Wochen den intellektuellen Kraftmeier. Und der Mainstream johlt, jauchzt oder jault. Je nachdem. Nur einer lacht sich kaputt, wenn auch nur im Keller: Böhmermann! Weil er auch noch Geld für den Schwachsinn bekommt. Vom Zwangsgebühren-TV. Also unser Geld ...

 

 

 

 

 

 

 

.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Ein anderer Blick auf die Affäre Böhmermann: Die Türkei, die Familie Erdoğan und das Terrorgeschäft

Udo Ulfkotte

In der Staatsaffäre um die Satire von Jan Böhmermann darf auf Anordnung der offenkundig erpressbaren deutschen Bundeskanzlerin nun ein deutsches Gericht über die beleidigte Ehre des türkischen Staatschefs befinden. Und alle deutschen Leitmedien tun derzeit so, als ob der türkische Präsident Erdoğan ein Ehrenmann sei. Ein Blick auf ihn und seine  mehr …

Guckst du … die Stunde null im deutschen Fernsehen: Böhmermann versus Erdowan

Peter Bartels

Erste Frage: Kennen Sie einen Deutschen, der Erdoğan mag? Ich meine, einen Bio-, keinen Passdeutschen. Denn natürlich mögen die meisten Türken aus Anatolien ihren Sultan.  mehr …

Springer feuert gegen Regierung: Nach Erdoğan-Satire braucht es Rückgrat und kein Durchmerkeln

Markus Mähler

Erdoğan: »Am liebsten mag er Ziegen ficken und Minderheiten unterdrücken.« Jan Böhmermann sagte, was man nicht sagen darf. Das regierungsnahe ZDF stellte ihn dafür kalt. Erdoğan reicht das aber nicht. Er diktiert unserer Bundesregierung das Handeln: Macht diesem Fernseh-Hofnarren den Prozess! Merkel lässt diese dreiste Forderung »sorgfältig  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Das Imperium im totalen Panikmodus: Behörden verneinen die Existenz von Atombomben im Jonastal

Thomas Mehner

Es war nicht anders zu erwarten: Nach einer ein paar Stunden andauernden Schockstarre rafften sich die politischen Verantwortlichen der Stadt Arnstadt und des Landkreises auf, um in einer gemeinsamen Stellungnahme die Existenz von Atombomben in einem bis dato unbekannten Stollensystem unter dem Areal des Hamsters, der sich unweit der bekannten  mehr …

Ein anderer Blick auf die Affäre Böhmermann: Die Türkei, die Familie Erdoğan und das Terrorgeschäft

Udo Ulfkotte

In der Staatsaffäre um die Satire von Jan Böhmermann darf auf Anordnung der offenkundig erpressbaren deutschen Bundeskanzlerin nun ein deutsches Gericht über die beleidigte Ehre des türkischen Staatschefs befinden. Und alle deutschen Leitmedien tun derzeit so, als ob der türkische Präsident Erdoğan ein Ehrenmann sei. Ein Blick auf ihn und seine  mehr …

Europol ‒ die neue Superbehörde, die alles über Sie weiß

Birgit Stöger

Die zu einer Superbehörde transformierte europäische Polizeibehörde Europol ist nun in die Lage versetzt, weitgehend unkontrolliert in einer riesigen Datensammelaktion alle Informationen über die Bürger zusammenzutragen und das Internet in legal und illegal aufzuteilen. Kurz: Europol wird alles über Sie wissen.  mehr …

Türkische Hells Angels in Frankfurter Schießerei verwickelt

Stefan Schubert

Die deutschen Rockerclubs hatten vor Jahren Migranten für die Drecksarbeit im Milieu rekrutiert. Doch dieser Schuss ging buchstäblich nach hinten los. Die Gastarbeiter der Gewalt nahmen den Reichtum ihrer Auftraggeber wahr, worauf ein gnadenloser Verteilungskampf um dicke Autos und leichte Mädchen entbrannte.  mehr …

Werbung

Lügenpresse: Ein Muss für kritische Leser

»Lügenpresse: Ein Muss für kritische Leser«

Soeben hat Markus Gärtner sein neues Buch zur »Lügenpresse« vorgelegt. Die Nachfrage vonseiten der Leser und von Kollegen ist enorm. Kein Wunder, ist das Thema doch unter kritischen Beobachtern der hiesigen Politbühne wahrscheinlich der Aufreger der vergangenen Jahre schlechthin. Markus Gärtner weiß, wovon er spricht. Er selbst ist über Jahrzehnte erfahrener Journalist aus genau dieser Branche, die einst angetreten war, als vierte Macht im Staat eine Kontrollfunktion auszuüben.

mehr ...

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Gekaufte Journalisten

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Politische Korrektheit

Die Diktatur der Gutmenschen. Jetzt reicht's: Schluss mit dem politisch korrekten Wahnsinn!

In ihrer brisanten Neuerscheinung schlagen Michael Brückner und Udo Ulfkotte Alarm: Die Tugendwächter der sogenannten Politischen Korrektheit wollen aus dem Volk freier Dichter und Denker ein Volk feiger Duckmäuser und Denunzianten machen. Die Autoren sprechen aus, was andere nicht einmal zu denken wagen: Politische Korrektheit ist ein Feind der Demokratie und der Meinungsfreiheit! Stoppen wir den Wahn der Politischen Korrektheit!

mehr ...

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.