Tuesday, 26. July 2016
04.03.2016
 
 

Nebelkerzen: Die heuchlerischen Schlagzeilen der BILD

Peter Bartels

Die unendliche Geschichte ist längst eine unsägliche Geschichte geworden: Bild, einst von Wallraff gejagt, jagt heute selbst – seine eigenen Leser. Unfassbare drei Millionen tägliche Käufer wurden unter dem Chefredakteur Kai Diekmann bis Ende 2015 vertrieben! Statt einst über fünf Millionen, hinterließ er seiner von ihm »gemachten« Nachfolgerin Tanit Koch zum Jahresende 2015 laut IVW 1,9 Millionen »und ein paar Zerquetschte«. Tanit soll retten, was zu retten ist. Sie darf offenbar nur so tun als ob.

 

Anlässlich eines Weihnachtstreffens Tausender Dresdner am Elbufer insinuierte Bild 2015: Sie »brüllten« Stille Nacht. Das sollte heißen, dass da lauter schreckliche Nazis das bevorstehende Weihnachtsfest missbrauchten.

Heute dagegen gibt sich das Blatt in der Wolle gefärbt mit heuchlerischen Schlagzeilen. Darunter »Das läuft schief in unserem Land« (1.März). Ein drohend schwarzes Schatten-Deutschland. Darüber besorgte Vorzeilen: »KITAS, SCHULEN, GERICHTE, POLIZEI, STRASSEN, BEHÖRDEN«.

 

Der flüchtige Leser soll glauben: Endlich. Meine Bild ist wieder da. Doch schon der winzige Vorspann auf Seite 1 signalisiert, was Bild wirklich will: »Deutschland ist ein reiches Land«, steht da. Das soll schmeicheln, beruhigen und vorbereiten auf das, was Bild in Wahrheit will.

 

Denn dann schreibt Bild: »Aber es hat viele Probleme«, um dann sofort in die richtige Richtung zu wiegeln: »und längst nicht nur wegen der Flüchtlinge«. Die eventuell trotzdem aufkeimende Leserwut wird sofort auf die angeblich wahren Ursachen gelenkt: Polizei... Schulen... Behörden... Straßen... aber auch »Umgang miteinander«... Um in conclusio noch mal greinend zu fragen: Was läuft schief in Deutschland?

 

Was geschieht da in Bild?

 

Semantik? Dialektik? Bauernfängerei ? Für wie naiv halten die Damen und Herren Redakteure eigentlich immer noch die Leser? Auch wenn die meisten von ihnen, lange vor der Silvesternacht in Köln, Hamburg und anderswo, vertrieben wurden?

 

Natürlich zu PEGIDA... Ja, auch dahin, gerade dahin. Bild ist gegen Nazis? Bild muss gegen Nazis sein. Also hätte Bild die fünf Prozent Nazis, die bei PEGIDA mitlaufen, wie die Spreu vom Weizen trennen müssen. Es ist natürlich viel einfacher, den Balken im Auge des vermeintlichen Feindes zu sehen, als den Splitter im eigenen. Und – es wäre ja auch gegen die Vorgabe der Gutmenschen-Doktrin gewesen. Und die hatte nun mal entschieden: PEGIDA ist NAZI, punktum.

 

Meinungsforscher? Besorgtes Bürgertum? Mitte der Gesellschaft? Ach was. Die Dünkel-Deutschen hatten entschieden: Das sind Dunkeldeutsche!

 

Natürlich liefen Bild-Leser auch zur AfD. Dahin erst recht. Für Bild waren das »nun aber wirklich echte« Nazis. Lange bevor eine Dame namens Petry an der deutschen Grenze auf Menschen notfalls schießen lassen wollte, »die doch nur vor den Fassbomben eines mörderischen Diktators flüchteten«. Die 80 Prozent schicken, vor Gesundheit strotzenden jungen Männer mit den neuesten Smartphones am Ohr sahen natürlich nur die Dunkeldeutschen, die Nazis.

 

Dass es auch bei der AfD die Leser waren, die Bild vertrieben hatte? In jeder Familie gibt es schwarze Schafe. Und die bei der AfD sind leider braun? Selbst wenn. Sie waren bis gestern Bild-Käufer, ob Diekmann und Co. das wahrhaben wollen oder nicht. Einfach nur Deutsche, die Mitte. Und zwar von links bis rechts. Und sie gehörten/gehören zu den Millionen Deutschen, die jahrelang mit geballter Faust in der Tasche nicht zur Wahl gingen. Jetzt hatten sie – endlich – jemanden, der sie anscheinend »verstand«.

 

Hat Bild diese »Abtrünnigen« in den Arm genommen? Ihnen erklärt, wofür sich die Dünkel-Deutschen offensichtlich zu schade waren? Nein. Bild hat sich lieber selbst umarmen lassen. Von der Macht. Vom Mainstream. Man wollte – endlich mal – dazugehören. Jetzt gehört Bild dazu.

 

Nur Springers Vorstandsvorsitzender Döpfner scheint seit Houellebecqs »Unterwerfung« zu ahnen, dass Deutschland wie Frankreich – das Abendland an sich – vor der größten Gefahr seit Jahrhunderten steht, und dass das »Volk« offensichtlich diese Gefahr seit Langem wittert. Und Döpfner ahnt offenbar auch, warum die Bild-Leser zu Millionen davongelaufen sind.

 

Nun also der scheinbare Bild-Schwenk. Geht es zurück zu den Wurzeln? Man muss nur die Montag-Ausgabe vom zitierten 1. März 2015 lesen. Da wird klar, was Diekmanns Bild darunter versteht. Seite 2: Eine Deutschlandfahne im Wind, reinkopiert die »energische« Schlagzeile: »Löst endlich diese Probleme.«

 

Und dann wird aufgelistet: Überlastete Behörden – in München werden Bürgerbüros wegen Überlastung tageweise dicht gemacht. In Harburg wartet man 39 Tage auf einen Termin. In Berlin sind auf Monate im Voraus schon gar keine Termine mehr frei. In Hamburg schaffen es 118 Mitarbeiter der Behörden-Hotline (Kosten 2015: 4,65 Mio. Euro) nicht mehr, die Bürger zu bedienen: 55 Prozent (953 898) der Anrufer kamen nicht durch.

 

Deutet Bild an, dass das alles was mit der Migranten-Schwemme zu tun hat? Nein. Bild lenkt lieber ab. Mit einem Thema, von dem jeder weiß, dass das die Deutschen (auch) ärgert: Knöllchen verteilen. Die Zahl der Strafzettel stieg von 487 000 auf 811 000. Im Jäger-Deutsch spricht man bei einer solchen Taktik von »Kirrung«, Ablenkfütterung!

 

Gelähmte Justiz

 

80 Prozent aller Verfahren vor Sozialgerichten drehen sich um Hartz-IV-Bescheide. Strafverfahren werden – selbst wenn die Täter bekannt sind – regelmäßig eingestellt. Sagt Bild, warum die Hartz-IV-Verfahren explodiert sind? Warum Strafverfahren eingestellt werden? Natürlich nicht. Kein Wort von den Migranten...

 

Polizei kaputt gespart

 

Bild lamentiert, dass seit 1995 bundesweit 16 000 Stellen gestrichen wurden, dass sich allein 2015 mehr als 20 Millionen Überstunden angesammelt hätten, dass Einbrüche seit zehn Jahren zunehmen, 2014 auf 152 000, dass nur jeder siebte Einbruch aufgeklärt, gerade mal zwei Prozent der Täter verurteilt werden. Irgendein Hinweis auf Migranten? Natürlich nicht.

 

Stattdessen entdeckt Bild (auch schon ) Brösel-Straßen, »Wohnungsnot«, das »kranke Gesundheitssystem«. Und dann donnert ein Kommentator: »Es muss erlaubt sein – und bleiben –, diese Probleme beim Namen zu nennen. Und zugleich darzustellen, dass die vielen Flüchtlinge die Probleme allenfalls verstärkt, aber keineswegs verursacht haben.«

 

Aha! Und dann bittet der Kommentator vorsorglich und bebend um Vergebung bei Merkel und beim Mainstream: »Es muss möglich sein, über Schwächen eines starken Landes zu reden, ohne dass man sich reflexartig als naive Gutmenschen oder Rassisten gegenseitig beschimpft.«

 

Da seufzt der Insider. Und der Leser wendet sich angewidert ab. Der Wolf bleibt Wolf, da kann er Kreide fressen, so viel er will. Millionen Schafe irren sich aber nicht...

 

 

 

 

 

 

 

 

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