Monday, 27. June 2016
21.03.2016
 
 

Wie BILD mit der Sarrazin-Wurst nach der AfD-Speckseite wirft

Peter Bartels

Bild schreibt wieder mal, »wie es wirklich ist«. Diesmal via Sarrazin. Und der steht bekanntlich seit dem Mega-Seller Deutschland schafft sich ab wie kein anderer in der Republik für Klartext. Also lautet die Schlagzeile: »Sarrazin, Klartext über die AfD«. Was suggerieren soll: Endlich tritt einer, der weiß, wovon er redet, dem rechten Pack mal so richtig in den Arsch!

 

So jedenfalls soll der eine denken! Der andere: Endlich sagt einer, wer oder was die AfD wirklich ist. Zwei Kaufimpulse auf einmal. So soufflierte wahrscheinlich der schlaue Schranze Kai Diekmann aus der Etappe seiner hübschen Nachfolgerin Tanit an der Bild-Front.

 

Es ist – wie öfter in letzter Zeit – nur ein weiterer mieser und billiger Taschenspielertrick. Bild wirft mit der Sarrazin-Wurst nach zwei möglichen AfD-Speckseiten. Auch die Überschrift auf Seite 2 mogelt den Leser-Bluff leicht abgemildert aber konsequent weiter. Da muss Sarrazin für Bild seufzend klagen: »Man hätte die AfD verhindern können...«

 

Aber wie das Blatt es auch anstellt: Bild schaffte es nicht, Sarrazin zu »instrumentalisieren«. Der große alte Mann der SPD bringt »seine« Botschaft rüber, so sehr Bild auch versucht, ihn mit Suggestivfragen zu lenken:

 

Bild sybillinisch: »Der Pakt mit Ankara steht: Ab 4.April können Flüchtlinge ... in die Türkei zurückgeschickt werden... Ein Erfolg für Angela Merkel?« Sarrazin höflich, aber eindeutig: »Ja, ein Erfolg. Er kommt nur ein Jahr und 1,2 Millionen Flüchtlinge zu spät.«

 

Bild heuchlerisch: »Ist es eine gute Lösung, die Grenzsicherung der Türkei zu überlassen?«

Sarrazin: »Letztlich verlagern wir das Unangenehme von uns weg. Wenn man Grenzen hat, muss der Staat sie auch schützen. Diese Aufgaben geben wir ... ab an einen Staat, der ... die eigene Bevölkerung bombardiert ... Auf diese Weise können ... unsere Hände sich in Unschuld waschen.«

 

Bild unterstellt: »Viele sehen Sie als Wegbereiter der AfD.« Sarrazin dazu kühl und logisch: »2010 ... hatte ich ... auf die Risiken einer falschen Einwanderung, eines radikalen Islam hingewiesen ... Hätten CDU und SPD diese Analysen ernst genommen ... wäre die AfD gar nicht gegründet worden ... hätte (sie) nicht diese Wahlerfolge.«

 

Bild scheinbar ratlos, besorgt: »Welche Fehler machen CDU und SPD im Umgang mit der AfD?« Sarrazin messerscharf auf den Punkt: »Zwischen CDU, SPD, Grünen und Linken gibt es ... keine ... Unterschiede ... (alles ist) ... de facto eine nationale Einheitsfront. Viele (Bürger) hatten zudem das Gefühl, ihre Meinung nicht offen sagen zu können.«

 

Statt sich an dieser Stelle an die eigene Brust zu schlagen, zuzugeben, wir selbst haben jeden Ansatz von Kritik – gestammelt, gestelzt oder geschliffen –, auf Facebook, Twitter oder Papier, sofort an den Bild-Pranger gezerrt und die Leser/User dann grölend gesteinigt...

 

Statt Sarrazin mit einem Hauch von Reue oder Einsicht an die selbst vertriebene Leserschaft beizupflichten, insinuiert Bild ungeniert weiter: »Glauben Sie, dass die ›rechtspopulistische‹ Politik ... der AfD langfristig Erfolg haben wird?«

 

»Rechtspopulistisch«, weil die AfD offenbar immer noch besorgte, verängstigte, womöglich christliche, um Himmels willen patriotische – der Herr steh‘ uns bei –, gar deutsche Bürger und Werte vertritt? Was, bitteschön, soll ein kluger, sozialdemokratischer Mann wie Sarrazin auf so eine naive Deppen-Frage antworten?

 

Sarrazin versucht es trotzdem: »Merkels Politik hat rechts von der CDU ein heimatloses Wählerpotenzial von 20 bis 25 Prozent hinterlassen.« Die eigentliche Sarrazin-Keule lässt Bild dann natürlich im Text untergehen: »Wenn die CDU dieses Terrain nicht erneut besetzt, und das ist unter der gegenwärtigen Parteivorsitzenden nicht absehbar ... entsteht ... eine konservative Volkspartei ... Profil CSU ... Franz Josef Strauß.«

 

Gleich zwei Hammer-Aussagen, gleich zweimal von Bild nicht erkannt. Oder bewusst weggedrückt:

1. Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende muss weg, sonst merkelt sie in alle Ewigkeit Partei und Deutschland in Grund und Boden...

 

2. Die CSU unter »Zar & Zauderer« Seehofer hat gegen die AfD à la longue keine Chance, wenn sie nicht wieder so wird wie unter Strauß...

Die Sarrazin-Schlagzeile von Bild also ein Schuss in den Ofen, ein Rohrkrepierer? Leider. Das einst so große Blatt wollte wieder mal weder seinen Rest-Käufern, noch den drei Millionen Davongelaufenen auch nur im Ansatz signalisieren: Wir sind wieder für euch da. Wir kümmern uns wieder.

 

Stattdessen alles nur ein großer Bluff. Bild wollte mit der Wurst nach der Speckseite werfen. Aber selbst die Zeiten, als man die Leser noch mit der Wende-Banane aus dem sozialistischen Urwald locken konnte, sind vorbei.

 

 

 

 

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