Saturday, 27. August 2016
09.03.2016
 
 

Wie BILD vor den Landtagswahlen am Sonntag Stimmung macht

Peter Bartels

Endlich!, Seufzen die Machthaber von Berlin bis Baden Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen – endlich kommt Bild. Seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen ... Der Dauer-Grinser Volker Bouffier hat nach der vernichtenden Kommunalwahl-Schlappe mit großer Fanfare zum Schulterschluss geblasen: Die demokratischen Kräfte haben immer noch eine Mehrheit von 90 Prozent!

 

Und diese schwarz-rot-grüne Super-Koalition soll mit fest geschlossenen Reihen retten, was zu retten ist. Bild weiß, was die Stunde geschlagen hat. Und Bild macht, was Bild immer am besten konnte – jedenfalls unter Kai Diekmann: Bild peitscht auf die AfD ein, zerrt die AfD-Kandidaten an den Pranger.

 

Ist das verlogen? Ist es heuchlerisch? Nein: der Zweck heiligt jedes Mittel ...

 

Zum Beispiel: Heinrich Viechtner (55), Wahlkreis Göppingen. Der Internist hatte nach den Mordanschlägen auf das französische Satiremagazin Charly Hebdo den Koran mit Hitlers Mein Kampf verglichen. Er schrieb auf Facebook am Geburtstag von Hitler: »Der wichtigste Politiker bis heute.« Für jedermann war das eine klar erkennbare Satire: höhnisch, ironisch, Satire eben. Aber NICHT für Bild ...

 

Zum Beispiel: Eberhard Brett (61), Wahlkreis Stuttgart. Gegen den Rechtsanwalt läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des »Verdachts auf Untreue« ... mit fingierten Abrechnungen. Bild immerhin: Der AFD-Mann bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer Intrige. Laufendes Verfahren? Unschuldsvermutung? Man wird doch noch mal fragen dürfen ...

 

Zum Beispiel: Hans-Thomas Tillschneider (38), Listenplatz 10.Bild schreibt: »Der

Islamwissenschaftler half ... beim Aufbau von Legida« (Leipziger Gegenstück zur Dresdner Pegida). Bild weiter: »Er ist Sprecher der ›Patriotischen Plattform‹ der AfD, die für eine Zusammenarbeit mit Pegida wirbt.«

 

Na und? Sind Pegida/Legida von irgendeinem Gericht »in diesem unserem Lande« verboten worden? Irgendwo sonst auf dem Index? Außer – natürlich ‒ beim Mainstream?

 

Zum Beispiel: Andreas Mrosek (58), Wahlkreis Dessau-Rosslau, Listenplatz 11. Der Ingenieur kandidierte mal (2002) für die rechte »Freiheitliche Deutsche Volkspartei«, schreibt Bild. Und: »eine Abspaltung der rechtsextremen DVU.« Ja und? Was, wenn der Mann nun mehr in der AfD »seine« demokratischere Partei, die Partei der Mitte entdeckt hat? Wie Millionen andere auch?

 

Zum Beispiel: Bernd Klingler (47), Wahlkreis Stuttgart III. Bild schreibt: »Das Amtsgericht Bad Cannstatt erlies im August 2015 einen Strafbefehl wegen Untreue: 5000 Euro Geldauflage. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Klingler als Stuttgarter FDP-Fraktionschef in die Kasse gegriffen und 12 500 Euro abgehoben hatte ... zum Teil für private Ausgaben.

 

Bild weiter: »Der AfD-Mann, der das Geld in mehreren Tranchen (Raten) zurückgezahlt hat, bestreitet die Vorwürfe und legte Einspruch ein. Der Prozess beginnt nach der Wahl.«

 

D a s ist Bild heute!

 

Die Herren wissen natürlich genau, dass es ein »schwebendes Verfahren« ist. Mit juristischem Kalkül robben sie sich an die möglicherweise gerade noch erlaubte Grenze. Kalkulierte Hoffnung, dass die verbliebenen »doofen« Leser nur im Hinterkopf behalten: Ach du Scheiße, der greift heimlich in die Kasse, auweia! Alles halbseidene Typen bei der AfD.

 

Zum Beispiel: Uwe Junge (58, Offizier), Wahlkreis Andernach, Listenplatz 1. Der Junge war mal Mitglied der Partei »Die Freiheit«. Diese angeblich »rechtsextreme« Partei wird laut Bild vom bayrischen Verfassungsschutz als »islamfeindlich« eingestuft. Selbst wenn – wie stuft der Islam denn die Christen ein? Als »Allah-freundlich?« Warum will der sie dann köpfen, »wenn die Zeit da ist«?

 

»Mama Moslem« Merkel, Türken-Freundin Claudia Roth, die Grüne Bergpredigerin Göring-Eckardt natürlich nicht. Alles (noch) »nützliche Idioten« (Lenin/Marx). Aber der AfD-Junge ist gegen den Islam. Pranger! Mindestens ...

 

»Untreue« ... »Ausländerhetze« ... »Offenbarungseide« ... So intoniert Bild sein Machwerk. Um dann anscheinend seriös zu konstatieren: »AfD-Kandidaten-Check.« Und um in der Schlagzeile »Die sauberen Kameraden der Frauke Petry« sofort das Gegenteil zu insinuieren.

 

Als schlussendliche Conclusio wird dann ein scheinbar moralisches Ausrufezeichen gesetzt: Die »bekehrte« ehemalige AfD-Landes-Vizin Beatrix Klingel darf sagen: »Ich wollte mich weder zum Steigbügelhalter einer aufstrebenden deutschen Front National machen ... noch wollte ich gering qualifizierten Karrieristen mit höchst mageren Lebensläufen den Weg in den Landtag ebnen.«

 

Dass die Dame Klingel zum Flügel des ehemaligen AfD-Chefs Prof. Lucke gehörte, der politisch so verknotet war, dass Frauke Petry sich von ihm und »seiner« AfD trennte, schreibt Bild natürlich nicht. Passt nicht zum Duktus, zur Absicht des Checks.

 

Natürlich könnte Bild ein Dutzend (mehr?) Kandidaten aus CDU, SPD, FDP, vor allem den Grünen mit einem »Kandidaten-Check« bloßstellen.

 

Zum Beispiel: Claudia Roth. Die Grüne Vize-Bundestagspräsidentin lief kürzlich bei einer Anti-AfD-Demo mit. Da wurde »Deutschland verrecke« skandiert. Und: »Deutschland, Du mieses Stück Scheiße.«

 

Zum Beispiel: Volker Beck. Der musste gerade seine »Ämter niederlegen«, weil er mit Drogen erwischt wurde. Natürlich greinten die Grünen ihn sofort zum »Helden« hoch. Und Bild hat sich des Themas auch kurz und heftig angenommen. Aber der Gute steht nicht zur Wahl. Wenn Beck einer von der AfD gewesen wäre, stünde er trotzdem bei Bild am Pranger...

 

Zum Beispiel: Sebastian Edathy. Der Sozialdemokrat musste wegen »Kinderpornografie« seine Ämter abgeben. Steht auch nicht zur Wahl? Nein, jedenfalls die nächsten fünf Jahre nicht! Aber glaubt irgendjemand, Bild hätte ihn ungeschoren gelassen, wenn er politisch auch nur in der Nähe der AfD gestanden hätte?

 

Zum Beispiel: Jochen Hartloff, Justizminister von Rheinland-Pfalz. Ausgerechnet dieser SPD-Herr will das Scharia-Recht ins deutsche Rechtssystem übernehmen. Natürlich hat Bild gleich einen CSU-Rechtsexperten den »Rücktritt« Hartloffs fordern lassen. Man stelle sich vor, irgendein Würstchen aus dem vorletzten Glied der AfD hätte sowas intoniert. Du meine Güte ...

 

Wir verkneifen es uns, die Aufzählung fortzusetzen. Aus Fairness! Und auch, weil wir das Gesetz respektieren. Denn sonst müssten wir schreiben, warum Bild nicht die Kanzlerin endlich an den Pranger stellt. Weil sie deutsche und europäische Gesetze bricht, wie es ihr passt.

 

Beispielsweise die Pflicht, die deutsche Grenze zu schützen. Die Pflicht, die Deutschen auch dann zu beschützen, wenn sie arm und alt sind. Die Frauen – egal, welche kulturellen »Traditionen« es bis zur »Steinigung« anders handhaben. Die Juden – wenn sie von fanatischen Moslems bedroht und angegriffen werden. Die Kinder – wenn sie von Islam-Lehrern aus der Steinzeit windelweich geprügelt werden.

 

Das deutsche Grundgesetz? Diese Dame hat mal geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. So wahr ihr Gott helfe. Als Pastoren-Tochter müsste ihr Draht zum lieben Gott eigentlich kurz sein. Mindestens so kurz, wie zum Springer-Verlag.

 

Dass der, mindestens Bild, auch die letzten seiner Leser zu vertreiben begonnen hat, ist eine andere, ebenso bittere Geschichte.

 

 

 

 

 

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