Monday, 25. July 2016
29.11.2014
 
 

Tagesschau will Online-Kommentare kastrieren: Wo »der Leser zum Tier wird«

Peter Harth

Die Tagesschau hat Angst vor ihren Online-Lesern. Die nennt sie entweder »Trolle«, »Kinder« oder »Hooligans«. Damit die Journalisten weniger zensieren müssen, gibt es dort bald nur noch Alibi-Diskussionen. Nur noch drei pro Tag und natürlich keine heißen Themen wie die Ukraine-Krise. Wo bleibt das Recht auf eine freie Meinung? Darf man nur noch sagen, was keinen stört?

 

Möchten Sie erniedrigt werden? Lieben Sie es, mal so richtig als »Tier« beschimpft zu werden? Ja? Dafür brauchen Sie in Zukunft keine teure Domina mehr. Besuchen Sie doch einfach wieder einmal Tagesschau.de. Die gebührenfinanzierten Journalisten haben inzwischen Angst vor Ihnen, mein lieber Leser. Deshalb nennen die Sie »Tier«, »Kind«, »Hooligan« oder »Troll«. So viele Beleidigungen für die eigene Kundschaft in nur einen Artikel zu quetschen, ist schon pure Verachtung.

Aber worum geht es eigentlich? In Zukunft dürfen Sie auf dem öffentlich-rechtlichen Newsportal Tagesschau.de nicht mehr kommentieren, jedenfalls nicht so richtig und nur noch unter strengster Aufsicht. Die Redaktionsleiterin von Tagesschau.de, Christiane Krogmann, will dafür das System von Sueddeutsche.de kopieren.

 

Dort hat Stefan Plöchinger von der SZ-Chefredaktion bereits die Leser entmündigt: »Wir haben einen Fehler im System. Nämlich in den Foren der Nachrichtenseiten. Es ist Zeit, das zuzugeben. Wir müssen den Leserdialog neu denken.«

 

Der Fehler im System, das sind Sie, der Leser. Auf SZ.de kommt er nur noch in den Laufstall. Er darf nicht mehr frei schreiben, sondern nur noch in »Debatten-Foren« zu zwei oder drei Themen, die von den Redakteuren ausgewählt und zensiert werden.

 

Der Leser im Laufstall

 

Wir haben Sie als Leser aber noch nicht entmündigt. Deshalb lassen wir einen Leser zu Wort kommen, der über seine Erfahrungen mit der Lesergängelung auf SZ.de berichtet. Unter dem Tagesschau-Artikel schreibt er: »Nimmt man diese drei Themen unter die Lupe, erkennt man schnell, dass diskussionswerte Themen eher selten sind, was vermuten lässt, dass Zündstoff nicht gerne ins Angebot aufgenommen wird. […] Das neue sz.de-Diskussionsforum ist dermaßen zahm geworden, dass ich schon gar nicht mehr reinschauen, geschweige denn, mitdiskutieren möchte.«

 

Weil ein Prozent der Leser sich nicht benimmt, darf man die Rechte aller beschneiden? Das wäre so, als ob allen Bürgern das Demonstrationsrecht genommen wird, nur weil ein paar Chaoten über die Stränge schlagen. Darf man den Deutschen das Wahlrecht entziehen, nur weil im Wahlkreis Dortmund I ein paar Wahlscheine falsch ausgefüllt wurden?

 

Sei es, wie es sei, Tagesschau.de will die Leser handzahm machen. Doch warum zensieren die Mainstream-Medien immer stärker ihre Leser? Dafür gibt es eine einfache Ausrede oder den wirklichen Grund. Die einfache Ausrede: Alle Leser sind aggressive Amok-Monster, die man vor sich selbst beschützen muss. Auf Tagesschau.de können Sie sich das in aller Breite durchlesen.

 

Aber das ist nur ein Vorwand für Gutmenschentum, denn der wirkliche Grund hat wieder einmal mit Macht zu tun. Mit der Macht, die Mainstream-Medien zunehmend über ihre Leser verlieren. Sie ernten immer mehr Kritik für ihre Berichterstattung über die Krise in der Ukraine. Viele Kommentatoren werfen im Internet ARD, ZDF und anderen Mainstream-Medien absichtliche Fehler, Unwahrheiten und eine eindimensionale, pro-westliche Berichterstattung vor.

 

Der wahre Grund für die Zensur

 

Im Fernsehen spielt das keine Rolle, weil dort der Zuschauer nicht zu Wort kommt. Im Internet sieht das anders aus. Dort weisen Leser die Journalisten auf ihre Fehler und Unwahrheiten hin. Unter jedem Artikel dokumentieren sie das Versagen der Journalisten und bringen ihre Verachtung zum Ausdruck. Was sollte man da aus Sicht der Journalisten tun? Entweder stehen lassen. So etwas untergräbt aber die Glaubwürdigkeit der Journalisten noch weiter. Man kann die Kommentare auch zensieren. Das ist aber ziemlich viel Arbeit und anstrengend.

 

Oder man macht es so wie auf sz.de und bald auf Tagesschau.de: Die Leser einfach mundtot machen. Wie in den guten alten Zeiten, als es nur Zeitungen und Sender gab. Das ist eigentlich lächerlich, weil vollkommen wirkungslos. Nur weil der Strauß den Kopf in den Sand steckt, verschwinden seine Probleme ja nicht. Dann wird eben auf anderen Internetseiten über die Fehler der Mainstream-Medien diskutiert. Zum Glück ist das Netz ja dezentral, was Zensur sehr schwierig macht.

 

Das wirklich Traurige bleibt aber: Die Tagesschau oder die Süddeutsche haben das Mitmach-Prinzip des Webs immer noch nicht verstanden. Auch Leser schreiben ihre Meinung, erstellen Inhalte und korrigieren Fehler. Offenbar ist in den Redaktionen nicht genug Selbstbewusstsein vorhanden, um das zu ertragen.

 

Kai Gniffke & die Tagesschau: Unbelehrbare Besserwisser

 

Als Leser können wir nicht bloß zuschauen, wenn sich die Mainstream-Medien immer weiter von der Wahrheit entfernen. Wenn die Tagesschau Fakten verzerrt oder falsch berichtet, müssen wir sie korrigieren dürfen und zwar dort, wo sie ihre Fehler begehen – auf den Nachrichtenseiten. Oder wir verlieren den Glauben daran, dass Mainstream-Medien uns informieren und nicht manipulieren wollen. Gerade hat Kai Gniffke, Chefredakteur der Tagesschau, gezeigt, wie verbohrt, besserwisserisch und unbelehrbar seine Sendung ist.

 

Leser haben im Internet wieder einmal gezeigt, dass die Nachrichtensendung Millionen Fernsehzuschauer manipuliert. Am 15. November 2014 zeigte sie Russlands Staatschef Vladimir Putin allein am Tisch sitzend beim G20-Gipfel und dichtete: »Einsam und verlassen«. Doch das Original-Videomaterial von Reuters zeigt, er war gar nicht so einsam und verlassen. Eine glatte Lüge. Putin kam nur zu früh zum Mittagessen.

 

Statt nun den Fehler zuzugeben, windet sich Kniffke wie ein Aal und fühlt sich in Putin ein, wie einsam er doch ist. Hier beginnt aber die Ungleichheit der Waffen. Die Tagesschau darf sich selbst verteidigen, das ist ihr gutes Recht. Sie darf sich sogar im subjektiven Dung suhlen, wie Gniffke es tut. Dann kann sie ihren Lesern und Zuschauern aber nicht das Recht auf eine Diskussion verweigern. So soll es aber nun passieren, keine kontroversen Kommentare mehr. Wer nicht kritisiert werden kann, muss sich eben auch nicht mehr verteidigen.

 

In ihrem Beitrag nennt Tagesschau.de ihre Leser »Trolle« und warnt: »Bitte nicht füttern!«. Falsch! Journalisten leben davon, ihre Leser zu füttern. Wer das nicht kapiert, hat seinen Beruf verfehlt. Wer weniger kritisiert werden will, sollte einfach bessere Arbeit machen, statt seinen Lesern einen Maulkorb zu verpassen.

 

 

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Leser-Kommentare (55) zu diesem Artikel

03.10.2015 | 16:05

Dude

mit OpenComment.org kann man die Zensur von Kommentaren umgehen. Bei der Tagesschau und der FAZ wird im Moment mit dieser Methode fleißig kommentiert


22.03.2015 | 17:04

OTL a.D. Hugenot von Sondershausen-Glückstadt

Interessant war auch, wie die Medien die Eigendorfs für eine Weile abgezogen hatten als die Kritik an der bedenklichen Berichterstattung schärfer wurde.


22.01.2015 | 05:36

Hans Werner

Wenn jemand in meine Wohnung kommt und erzählt später nur noch Lügen über mich der käme garantiert nicht noch einmal zu mir den würde ich nie mehr hereinlassen.Aber wie steht es mit dem Land/Staat Russland wenn ein ganzes Land mit Journalistischen Dreck beworfen wird, bekäme dieser jemand noch mal die Chance einzureisen und alles noch mal zu wiederholen. Russland täte gut daran solche schrägen Person gar nicht erst einreisen zu lassen und zur Persona Non Grata zu erklären: Meine...

Wenn jemand in meine Wohnung kommt und erzählt später nur noch Lügen über mich der käme garantiert nicht noch einmal zu mir den würde ich nie mehr hereinlassen.
Aber wie steht es mit dem Land/Staat Russland wenn ein ganzes Land mit Journalistischen Dreck beworfen wird, bekäme dieser jemand noch mal die Chance einzureisen und alles noch mal zu wiederholen.
Russland täte gut daran solche schrägen Person gar nicht erst einreisen zu lassen und zur Persona Non Grata zu erklären: Meine Meinung!


17.12.2014 | 08:56

Hili

Erik, mit dem Tunnel hast du recht, denn ein beheizter Tunnel mit richtigen Betten und beheizt, ist immerhin noch besser, als die Deutschen Obdachlosen unter den zugigen Brücken es haben! Viele würden dann, wenn sich das rumspricht, in ihren Ländern bleiben!!!


11.12.2014 | 14:10

Erik

Ich bin gestern auf der A38 durch den Heidkopftunnel gefahren. Da ist mir die Idee gekommen, dass man diese Tunnel als Asylantenunterkunft herrichten könnte. Etagenbetten rein, Dixis rein, vorne und hinten zugemacht, Heißgebläse und fertig ist die Unterkunft für 10000 bis 15000 Wirtschaftsflüchtlinge.


11.12.2014 | 09:54

Bruno

Jedes an der Macht befindliche politische System hat seine Lakaien, eigentlich nichts neues für mich und wenn man mich für gar zu doof einschätzen will dann wehre ich mich, gehe auf die Strasse und wenn ich bis nach Dresden fahren muß! Nun nachdem schriftlich die PEDIGA Veranstalter sich erklärt haben ist klar was diese politische Abwehrmaßnahme gegen eine akute aus dem Ruder laufende Berliner Politik aufzeichnen möchte! Wenigstens eine Partei, von mir aus auch eine neue sollte...

Jedes an der Macht befindliche politische System hat seine Lakaien, eigentlich nichts neues für mich und wenn man mich für gar zu doof einschätzen will dann wehre ich mich, gehe auf die Strasse und wenn ich bis nach Dresden fahren muß! Nun nachdem schriftlich die PEDIGA Veranstalter sich erklärt haben ist klar was diese politische Abwehrmaßnahme gegen eine akute aus dem Ruder laufende Berliner Politik aufzeichnen möchte! Wenigstens eine Partei, von mir aus auch eine neue sollte diese aufgeführten Punkte ernst nehmen .....

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